1977 wechselte Joan Baez von A&M zu Portrait Records und veröffentlichte für das Label das Album "Blowin' Away". Gleich vorweg, das Album ist ein Schwenk in Richtung Pop und Unterhaltungsmusik. Die Produktion ist ansprechend, sauber und effektvoll, aber für die Künstlerin Joan Baez einfach zu glatt und zu allgemein.
Als Songschreiberin weiß Baez aber auch hier zu überzeugen. Vor allem das humorvolle und speziell arrangierte "Time Rag", das von einem Interview für das Time Magazin berichtet, das offenbar nicht so verlief, wie sie es sich vorgestellt hatte, überzeugt sowohl textlich als auch musikalisch und ist zweifellos der Höhepunkt des Albums. Aber auch ihre Stücke "A Heartfelt Line or Two", "Miracles" und "Alter Boy and the Thief" können durchaus gefallen. Nur "Luba the Baroness" ist mit fast sieben Minuten einfach zu lang und zu textlastig.
Das Problem des Albums sind die Cover. Wer hat ihr nur geraten, das von Rod Stewart millionenfach verkaufte "Sailing" oder das schon bereits vielfach gecoverte "Cry Me a River" zu übernehmen? Einen Gefallen hat sie sich damit gewiss nicht getan, denn "Sailing" ist wohl nicht ihr Metier. Auch bei "Many a Mile to Freedom" von Traffic, Steve Goodmans "Yellow Coat" und "I'm Blowin' Away" von Eric Kaz kommt kaum Spannung auf.
Joan Baez singt gut, phasenweise sogar ausgezeichnet, aber die Arrangements werden ihr, mit Ausnahme von "Time Rag", einfach nicht gerecht. Was bleibt ist ein Album, das wohl eher für Fans geeignet ist. Eigentlich ein typisches Drei-Sterne Album. Aber wegen des herausragenden "Time Rag", ihren ansprechenden Kompositionen und ihres ausgezeichneten Vortrags wegen vergebe ich doch vier.
Das Albumcover - es zeigt Baez in einer US-amerikanischen Fliegerdress - ist sowas von geschmacklos. Warum hat Baez als Kämpferin für den Frieden da mitgemacht?