Bart Moeyaert ist 38 Jahre alt und kommt aus Belgien. Dort ist er einer der herausragenden Kinder- und Jugendbuchautoren, obwohl er selbst keinen Unterschied zwischen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur macht.
"Bloße Hände" wurde mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, obschon es die Gemüter spaltet(e). Einige finden es langsam und leise, ja sogar abschreckend- andere lieben und verschlingen es von dem Moment an, da sie es in die Hände nehmen. Wie ich finde, beschreibt "Bloße Hände" auf beeindruckende Weise den Konflikt zwischen dem 10jährigen Ward und dessen potenziellen Stiefvater Betjeman. Ward findet, daß seine Mutter und seine Schwester zu ihm gehören, und Betjeman macht es ihm auch nicht leicht. Er ist ein einsamer, verbitterter Mann mit Plastikhand, der alles schlägt, was ein Herz besitzt (S. 22). Als dieser Mann am ersten gemeinsamen Weihnachtsabend auf seine neue Familie anstoßen möchte, bricht Wards Eifersucht aus ihm hervor. Er kippt dem vor Glück strahlenden Betjeman den Tisch samt Weihnachtsbraten in den Schoß, woraufhin dieser zunächst ihm, dann seiner aufgebrachten Mutter eine Ohrfeige verpaßt. Damit ist der Haß zwischen Ward und Betjeman endgültig besiegelt. Was nun folgt, ist ein grausamer Alptraum, ein Gefühlspotpourri aus Einsamkeit, Reue, Rache, Schuldempfinden und blindem Haß während einer Verfolgungsjagd, in deren Verlauf sowohl Ward als auch Betjeman (nebst der Liebe zu Wards Mutter) das Liebste verlieren, das sie besitzen...
"Bloße Hände" beschreibt in poetischer, dichter Sprache die Eskalation sinnloser Gewalt. Moeyaerts Sprachkunst, seine Fähigkeit, auf diese Art Gefühlszustände und Stimmungen zu transportieren, bereichert dieses Werk, das viele Fragen unbeantwortet und Raum für Phantasie läßt. Wer realitätsnahe Literatur mag, Freude an Sprachkunst und Interesse an psychischen (Extrem)-Zuständen hat, wird dieses Buch mögen.