Ich habe dieses Albumzufällig in einem Regal eines großen Elektronik-Handels gesehen. Das gewollt böse wirkende Cover fiel mir inmitten der ganzen Pop- und Schlagerscheiben geradezu ins Auge. Nach einem Blick ins Booklet war mir dann klar, dass es sich hier eindeutig um ein Black-Metal-Album handeln musste. Die Fotos der mit Pentagrammen behangenen und schwarz-weis-geschminkten Gestalten liesen daran keinen Zweifel mehr. 'Gut', dachte ich,'da ich mir schon lange mal wieder etwas black-metal-artiges zulegen wollte, greife ich hier mal ohne vorherige Kritik-Recherche zu'. Und es hat sich wirklich gelohnt. Schon der zweite Track der CD, der gleichzeitig den ersten richtigen Song darstellt, erwies sich durch einen mitreißenden Beat als cooler Opener. Besonders gefiel mir auch das schön dramatisch klingende "Lilith's child", welches mit einer fantastischen Back-Vocal-Phase aufwartet, die so manchen Hörer sogar zum Mitsingen des Refrains ermuntern könnte. Mit "pale religious letchery", dessen Text William Blake's "The Marriage of Heaven and Hell"
entnommen wurde, hat die Band auch eine Art Ballade im Gepäck.
Mir kommt es so vor, als würde der Härtegrad der Songs im Laufe des Albums stetig ansteigen, d.h. eigentlich könnte man das Album in zwei Härtegradteile teilen, dessen Trennlinie das eben erwähnte "Pale religious letchery" ist. Denn in den Liedern des letzteren Teils wird die Msuik deutlich riff-betonter, was aber den schönen und gleichzeitig treibenden Melodien, die sich durch das ganze Album ziehen, keinen Abbruch tut.
Was die technische Seite der Songs angeht, so kann man sagen, dass das Keyboard deutliche Dominanz besitzt. Zum Glück, denn dadurch wird erst die richtige Atmosphäre gebildet. Ansonsten kann man sagen das die Guitarren zwar den black-metal-typischen verzehrten Sound haben, sie jedoch nicht tonangebend sind. Mal kommen sie elektronisch daher und gelegentlich treten auch Melodien der akksutischen Variante an das vergnügte Gehör des Hörers. Bei akkustischen Parts treten dann häufig die weiblichen Vocals, die ansonsten eher Back-Vocals sind in den Vordergrund.
Es gibt auch Momente in denen Cradle of Filth -artige weibliche Sprechabschnitte aus den Boxen ertönen. Wenn dies der Fall ist geschiet es meißtens auf französisch. Ansontens sind die Texte, die sich allerdings nicht immerzu auf dem lyrischen Niveau von Cradle of Filth befinden, vornehmelich in englisch gehalten gepaart mit einer Menge lateinischer Abschnitte. (Schließlich lässt sich immer noch auf Latein dem Satanam besten huldigen, mögen sich Theatre des Vampires gedacht haben. Jedenfalls ist dieses Album, der mir zuvor völlig unbekannten Band, eine riesige Empfehlung wert. Es war ein echter Glücksgriff. Also allen die mit kontrolliertem Kitsch umgehen können, sei diese Album wärmstens an Herz gelegt. Musik, die man mit durch ihr fortwährendes Mid-Tempo getrost als Schlager des Black-Metals bezeichnen könnte.
Exzellent!