Peter Steele ist tot; und damit ist auch Type O Negative am Ende. Bei all den auswechselbaren Castingbands, die den Musikmarkt bevölkern, hat es nun eine Metalband getroffen, die sich wirklich im Laufe ihrer Karriere eine unverwechselbare Nische freigekratzt haben. Diese Nische wird nun unbesetzt bleiben - oder kann sich irgendjemand vorstellen, dass diese Band von einem anderen Sänger als Peter Steele geführt wird? Type O Negative waren vier hochtalentierte Musiker und gleichzeitig vier starke Persönlichkeiten, die irgendwie zueinanderfanden und für 17 Jahre eine Einheit bildeten, die Rockmusikgeschichte schrieb; aber erst durch Peter Steele, seinen Bassstimme, seinen ruppigen Umgang mit den Medien und seinen unverwechselbaren schwarzen Humor, wurden sie endgültig, was sie waren.
"Bloody Kisses" ist das große Vermächtnis dieser Band: Man kann die Schönheit dieser Musik, die Tiefe ihrer Emotion nicht wiedergeben, man muss sie selbst erleben: Type O Negative waren oft wütend, hasserfüllt und sarkastisch: Auf diesem Album sind sie bitter, melancholisch und resigniert: Dunkler, schleppender Hardrock, wie ihn zu letzt nur BlackSabbath spielten, und ein dezent eingesetztes Orgelspiel, das einem buchstäblich Gänsehaut verursacht. Es ist ein Konzeptalbum zum Thema Liebeskummer, wahrscheinlich das beste, das jemals aufgenommen wurde, und bei allem Zynismus der Texte, wird es wohl niemanden geben, der nicht schon einmal ähnlich gefühlt und gedacht hat. Aber obwohl es musikalisch immer nur trauriger und noch trauriger wird, kann man trotz alledem auch Humor auf diesem Album finden - denn das Leben geht weiter.
Die Alben, die danach kamen, lassen vermuten, dass Peter Steele auch weiterhin vom Pech verfolgt war: Drogensucht, zerbrochene Beziehungen, interfamiliäre Konflikte - all dies floss in sein Werk ein, und brachte noch fünf weitere CDs hervor, die bei aller kompositorischen Brillanz niemals wieder die geschlossene Perfektion von Bloody Kisses erreichten. Nun ist er von all seinem Leiden erlöst, und Type O Negative wird sich auflösen. Bleibt also nur noch zu sagen: Ruhe in Frieden Peter Steele - und danke für dieses Album.