Die gute Nachricht: "Bloodrayne" ist der beste Film von Uwe Boll.
Die schlechte Nachricht: Gut ist der Film noch lange nicht.
In gewisser Weise ist "Bloodrayne" stilprägend: Ich kann mich an keinen Film erinnern, dessen Story dermaßen dünn und gleichzeitig auch verworren ist. Die Löcher im Drehbuch sind größer als die Story des Films und die Handlungsstränge sind völlig ungeschickt zusammengefügt. Figuren tauchen quasi aus dem Nichts auf, Elrich (Billy Zane) verschwindet irgendwann völlig aus der Geschichte und wird nie wieder gesehen.
Uwe Boll versteht es nicht, die Darsteller zu führen. Michael Madsen wirkt gelangweilt, als würde er nur darauf warten, daß Quentin Tarantino mal wieder eine vernünftigte Rolle für ihn hat. Selbst bei seiner Sterbeszene zeigt er keine Gefühlsregung. Ben Kingsley spielt regelrecht versteinert, als würde er noch unter Schock stehen, was für eine Rolle er angenommen hat. Unfassbar für den Mann, der Itzhak Stern und Ghandi gespielt hat. Und Rock-Opernstar Meat Loaf sollte endlich mal einsehen, daß er einfach kein guter Schauspieler ist.
Boll wiederholt ständig die gleichen Kamerfahrten, vor allem Luftaufnahmen grüner Landschaften und Reiter ("Der Herr der Ringe" scheint ihm gefallen zu haben...) sind keine Seltenheit, der Schnitt des Films ist eine Qual. Die Actionszenen sind viel zu schnell geschnitten, während die Übergänge bei den Landschaftsaufnahmen einfach schlecht montiert wurden.
Ähnlich quälend ist auch der Look von "Bloodrayne": Die Kostüme sehen nicht mittelalterlich aus, die Requisiten sind billig und die Kulissen wirken teilweise wie aus einem Freizeitpark. In einigen Szenen erweckt der Film den Eindruck, als hätte Boll lediglich die Kamera bei einem Live-Rollenspiel laufen lassen. Außerdem scheint man auf eine fachmännische Choreographie der Kampfszenen verzichtet zu haben. Auch ist mir neu, daß man sich im Mittelalter die Haare schon dermaßen Rot färben konnte.....
Für die Make-up Effekte war der deutsche Horror-Trashfilmer Olaf Ittenbach zuständig, und so sieht "Bloodrayne" auch aus: Bei jeder Gelegenheit spritzt das Blut gleich literweise, Köpfe werden zerschmettert, Arme abgeschlagen, Körper zerhackt und so weiter. Der Film ist nicht nur unnötig brutal, die Gewaltszenen sind zum Teil sogar peinlich übertrieben. Eben typisch Ittenbach.
Uwe Boll hat mal wieder einen Streifen für Trashfans abgeliefert, mehr aber nicht. Immerhin ist "Bloodrayne" für den einen oder anderen Lacher gut. Das Herr Boll bereits die nächsten Spieleverfilmungen plant, gibt Anlass zur Sorge. Allerdings macht es mir fast noch mehr Angst, daß Olaf Ittenbach in Hollywood jetzt einen Fuß in der Tür hat....