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Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin
 
 
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Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin [Gebundene Ausgabe]

Timothy Snyder , Martin Richter
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Snyders exzellent geschriebene Studie zeigt einem breiten Publikum das Martyrium der osteuropäischen Bevölkerung in der Zeit von 1933 bis 1945 auf und schärft den Blick für die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von nationalsozialistischem und kommunistischem Terror." Sönke Neitzel --Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Januar 2012

"Baberowski zählt das Buch (...) zu den 'Meisterwerken der Geschichtsschreibung'. Das ist keine Übertreibung." --Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung, 14. März 2012

"Synder gehört zu jenen angloamerikanischen Wissenschaftlern, die exzellent und verständlich schreiben können. (...) ein unbedingt lesenswertes Geschichtsbuch" --gro, Heilbronner Stimme, 27. Dezember 2011

Kurzbeschreibung

Timothy Snyder erzählt in seinem aufsehenerregenden, zutiefst aufwühlenden Buch drei miteinander verknüpfte Geschichten - Stalins Terrorkampagnen, Hitlers Holocaust und den Hungerkrieg gegen die Kriegsgefangenen und die nichtjüdische Bevölkerung - so wie sie sich tatsächlich zugetragen haben: zur gleichen Zeit und am gleichen Ort. Makellos recherchiert, atemberaubend geschrieben und von eindringlicher Humanität gehört Bloodlands zu den historischen Büchern, die einen anderen Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts eröffnen. Noch bevor der Zweite Weltkrieg begann, hatte Hitlers zeitweiliger Partner und späterer Gegner Stalin bereits Millionen von Menschen umgebracht - und setzte dieses Morden während des Krieges fort. Bevor Hitler besiegt war, hatte er sechs Millionen Juden ermorden lassen - und ließ Millionen andere Menschen gezielt verhungern. All dies geschah auf einem einzigen Gebiet: den "Bloodlands" zwischen Russland und Deutschland. Doch als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, verschwand die Erinnerung an diesen millionenfachen Mord in der Dunkelheit hinter dem Eisernen Vorhang. Nicht nur unser Bild vom Holocaust erweist sich jedoch mit dem Blick auf die "Bloodlands" als unvollständig und westlich verzerrt. Auch die Geschichte Europas gewinnt ein verlorenes Terrain im Osten zurück: die gemeinsame Erinnerung an 14 Millionen Tote und die größte Tragödie der modernen Geschichte.

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37 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Bilanz des Schreckens 26. Juli 2011
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Obwohl die Verbrechen Stalins und Hitlers zu den bestuntersuchten Themen der jüngeren Vergangenheit zählen, unterliegt ihr Bild noch vielen Verzerrungen. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder hat sich vorgenommen, die wichtigsten davon zu korrigieren.

Snyder zufolge hat die Fixierung der öffentlichen Wahrnehmung auf Auschwitz und den Gulag vergessen lassen, dass die meisten Opfer der beiden Diktatoren Osteuropäer waren und in den von ihm so genannten "Blutländern" getötet wurden, den Gebieten zwischen Russland und Deutschland. 14 der insgesamt 17 Millionen Menschen, die von 1933 bis 1945 durch die Unterdrückungsmaßnahmen Stalins und Hitlers umkamen, wurden auf dem Territorium Polens, Weißrusslands, der Ukraine, der baltischen Staaten und Westrußlands ermordet. Da nach Auschwitz mehr west- und südeuropäische Juden gelangten als in die anderen Vernichtungslager, und der Gulag zum größten Teil außerhalb der "Blutländer" lag, sei keine der beiden Einrichtungen für die Verbrechen ihres Regimes repräsentativ gewesen.

Die Überlebenden der in den "Blutländern" verübten Massaker wurden, wie Snyder betont, oft genug Zeugen der Untaten BEIDER Diktatoren. Eine Geschichtsschreibung, die sich auf einen der Unrechtsstaaten beschränkte, würde der Lebenserfahrung dieser Menschen nicht gerecht.

Sie würde außerdem einen guten Teil ihrer Erklärungsaussichten verspielen, spreche doch vieles dafür, dass die totalitären Reiche sich gegenseitig zu Verbrechen animierten, die sie ohne Kontakt miteinander nicht begangen hätten.

Darüber hinaus, so ließe sich hinzufügen, heißt vergleichen nicht relativieren. Der Vergleich muss Unterschiede ebenso herausarbeiten wie Gemeinsamkeiten. Ob die Shoah einzigartig ist, weiß man nur, wenn man sie mit anderen Massenmorden verglichen hat. Wer auf Vergleiche verzichtet, verzichtet auf Erkenntnis.

Es liegt also in der Natur der Dinge, dass eine integrierte Darstellung der in den "Blutländern" begangenen Verbrechen der isolierten Betrachtung überlegen ist. Was Snyders Buch von den bisherigen Versuchen dieser Art unterscheidet (z. B. Dietrich Beyrau, Schlachtfeld der Diktatoren. Göttingen 2000; Richard Overy, The Dictators. New York 2004; Jörg Baberowski/Anselm Doering-Manteuffel, Ordnung durch Terror. Bonn 2006) sind seine Präzision und seine Anschaulichkeit.

In chronologischer Folge beschreibt der amerikanische Historiker zunächst die von Stalin herbeigeführte Hungersnot in der Ukraine in den Jahren 1932/33, dann den Großen Terror 1937/38, die deutsch-sowjetische Besatzung Polens, die Massenerschießungen polnischer Offiziere in Katyn und anderen Orten, die deutschen Besatzungsverbrechen in der Sowjetunion, den deutschen Völkermord an den Juden sowie die Zwangsumsiedlungen und Vertreibungen am Ende des Krieges. Das abschließende Kapitel beschäftigt sich mit der antisemitischen Kampagne, die Stalin kurz vor seinem Tode plante.

Wo immer möglich, versucht Snyder seine Darstellung mit Zahlen zu untermauern. So kommt er zu dem Schluss, dass Hitler entgegen einer weitverbreiteten Auffassung mehr Menschen umbringen ließ als Stalin. Den insgesamt 12 Millionen Opfern des deutschen Diktators stünden 9 Millionen des sowjetischen gegenüber.

In der Motivation der Verbrechen sieht Snyder erstaunliche Ähnlichkeiten. So hätten die stalinistischen Säuberungen der Jahre 1937/38 zum großen Teil der Unterdrückung nationaler Minderheiten, vor allem der polnischen, gedient. Bis 1938 seien in der Sowjetunion tausendmal mehr Menschen aus ethnischen Gründen getötet worden als im nationalsozialistischen Deutschland (S. 127). "Die am stärksten verfolgte europäische Minderheit in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre waren nicht die 400.000 deutschen Juden (deren Zahl durch Emigration sank), sondern die 600.000 sowjetischen Polen (deren Zahl durch Erschießungen sank)" (S. 107). Darüber hinaus erinnere Stalins Angst vor antisowjetischen Verschwörungen in fataler Weise an Hitlers Konstrukt einer "jüdischen Weltverschwörung".

Zeitlich gesehen stehe Stalins Priorität fest. Während Hitler bis zum Kriegsausbruch den Tod von etwa 10.000 Menschen verschuldete, sei Stalin zu diesem Zeitpunkt bereits für über 5 Millionen Hungertote und fast 1 Million Erschossene verantwortlich gewesen. "Im Großen Terror hatte die Sowjetführung doppelt so viele Sowjetbürger ermordet wie Juden in Deutschland lebten, aber niemand außerhalb der UdSSR, nicht einmal Hitler, schien begriffen zu haben, dass Massenerschießungen dieser Art möglich waren" (S. 127).

Während die Mehrzahl der Opfer Stalins im Frieden umkam, verübte Hitler seine größten Verbrechen im Krieg. Ließ der kommunistische Diktator hauptsächlich Sowjetbürger töten, so richteten sich die Gewaltmaßnahmen des nationalsozialistischen überwiegend gegen Ausländer.

Mit der Besetzung Polens hätten Hitlers Untaten sich denen Stalins angeglichen. Vom September 1939 bis zum Juni 1941 töteten Deutsche und Russen eine vergleichbare Anzahl von Polen (etwa 100.000), wenngleich mit unterschiedlicher Professionalität. "Während die Deutschen irrtümlich glaubten, sie hätten die polnische Bildungsschicht in ihrem Teil des Landes eliminiert, war dies den Sowjets weitgehend gelungen. Im Generalgouvernement wuchs der polnische Widerstand, dagegen wurden in der Sowjetunion solche Netzwerke rasch zerschlagen und Aktivisten festgenommen, eingesperrt und manchmal hingerichtet" (S. 164).

Nach dem Angriff auf die Sowjetunion habe das Dritte Reich seinen Gegenspieler überholt und sei fortan für nahezu alle politischen Morde in den "Blutländern" verantwortlich gewesen. Zwar sei die "Endlösung" mit etwa 5,4 Millionen Opfern die größte Einzelaktion, doch habe Hitler eine vergleichbare Anzahl Nicht-Juden ermorden lassen.

Trotz ihrer Ungeheuerlichkeit blieben diese Verbrechen noch hinter den Plänen der nationalsozialistischen Führung zurück. Diese sahen vor, im Herbst und Winter 1941 an die dreißig Millionen Sowjetbürger dem Hungertod auszuliefern und nach dem Sieg in den eroberten Ostgebieten weitere 31 bis 45 Millionen Menschen zu eliminieren (Generalplan Ost).

Hinsichtlich der Shoah ist Snyders Hinweis aufschlussreich, dass ebenso viele Juden östlich der Molotow-Ribbentrop-Linie erschossen wie westlich von ihr vergast wurden. Zieht man noch die von Nationalsozialisten und Kommunisten herbeigeführten Hungersnöte in Betracht (denen über 9 Millionen Menschen zum Opfer fielen), wird deutlich, dass die totalitären Massenmorde mit viel primitiven Mitteln durchführbar waren, als ein Blick auf die Gaskammern glauben macht.

Im übrigen seien die meisten Vergasungen nicht in Auschwitz, sondern in den wesentlich tödlicheren Vernichtungslagern der "Aktion Reinhardt" erfolgt. Während Auschwitz von über 100.000 Menschen überlebt wurde, gab es in Belzec, Sobibor und Treblinka bei 1,3 Millionen Deportierten kaum 100 Überlebende.

Erfreulicherweise hat das Bemühen um quantitative Genauigkeit Snyder nicht davon abgehalten, die Erfahrung der Zeitgenossen in die Darstellung einfließen zu lassen. Mit reichlichen Zitaten aus Berichten, Erinnerungen und Tagebucheinträgen von Opfern wie Tätern führt er dem Leser eindrucksvoll vor Augen, dass hinter jeder Zahl ein menschliches Schicksal steht.

Angesichts dieser Leistung wird man es dem Autor nachsehen, dass er weder neue Quellen ausgewertet noch neue Erklärungen oder theoretische Ansätze formuliert hat. Als Zusammenfassung des gegenwärtigen Wissensstandes ist seine Arbeit sehr lesenswert.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Timothy Snyder gelingt mit Bloodlands etwas Ungewöhnliches: Er schafft es, eine gepeinigte Region und deren Menschen zwischen Hitler und Stalin derart eindringlich zu beschreiben, dass der Leser geneigt ist, seine Sprache als sehr lesenswert und kurzweilig anzusehen, und dies bei einer derart bedrückenden Thematik.
Er beschreibt die verbrecherischen Heimsuchungen, denen im Wesentlichen die heutigen baltischen Staaten, Polen, die Ukraine und Weißrussland vom Ersten Weltkrieg bis zu Stalins Tod durch Nationalsozialismus und Stalinismus ausgesetzt waren. Von den sowjetischen Hungersnöten über Klassen- und Nationalitätenterror, den Holocaust, die Todesfabriken bis zu ethnischen Säuberungen stellt der Autor die aufeinanderfolgenden Katastrophen für die Region dar. Es gelingt Snyder gerade, keine Vergleiche der Grausamkeiten anzustellen und kein Aufrechnen von Ermordeten zu versuchen (wenn auch häufig neuere Zahlen aus der historischen Forschung die Dimensionen unterstreichen), sondern vielmehr zu beschreiben, was deutsche und sowjetische Besatzer im Wechsel in diesen Regionen hinterließen: verbrannte Erde, unendliches Leid und massenhaften Tod. Gerade die Einschübe individueller Schicksale und Erlebnisse heben das Werk über eine rein historisch nüchterne Analyse hinaus und lassen den Leser das Leid eindringlich mitempfinden, was neben Saul Friedländer keinem Autor bisher gelungen ist. Gewiss werden keine bahnbrechend neuen historischen Erkenntnisse ausgebreitet, doch gelingt es der Darstellung, den aktuellen Forschungsstand in ein übergreifendes Standardwerk einzubetten.
Einige wenige Anmerkungen zum Schluss: 36 Karten tragen zur Veranschaulichung der Dimensionen bei; das Buchformat (Höhe des Buchrückens: 23,8 cm) ist größer als gewöhnlich (ca. 20 bis 22 cm) was der Übersichtlichkeit der Karten und der Lesbarkeit des Textes sehr zugute kommt; der Umfang (410 Seiten ohne Anmerkungen, Bibliographie und Register) kommt sowohl fachlichen Kennern wie auch interessierten Lesern entgegen.
Bloodlands von Timothy Snyder ist, und das kann bereits kurz nach seinem Erscheinen festgehalten werden, eines der wichtigsten historischen Werke zur Geschichte Ost-/Ostmitteleuropas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein sensationelles Buch 14. Juli 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Timothy Snyder ist mit Bloodlands ein sensationelles Buch gelungen, da er nicht von der Nationalgeschichtsschreibung ausgeht, sondern von einem Ort. Er sieht die Geschichte des furchtbarsten Vernichtungsfeldzuges der Weltgeschichte gegen die Zivilbevölkerung nicht aus amerikanischer oder deutscher, polnischer oder russischer Perspektive, sondern geht von einem Ort aus: den Raum zwischen Poznan und Moskau. Heute der Raum der Ukaine, Belarus, Polen, Westrussland und die östliche baltische Küste. Zwischen 1933 und 1945 sind in diesem Raum in jedem Jahr über eine Millionen Zivilisten ermordet worden.
Die zweite Bedingung für den Erfolg dieses Buches ist, dass Snyder alle Sprachen beherrscht, die notwendig sind, um das Schicksal der Menschen in diesem Raum zu verstehen: die polnischen, russischen, jiddischen und deutschen Dokumente und die breite Forschungsliteratur aus diesen Ländern. So wird ein breites Panorama möglich, daß zwischen Stalins Hungerkatastrophe in der Ukraine und Hitlers Plänen zur Vernichtung der sowjetischen Zivilbevölkerung einen Zusammenhang erkennt. Der Raum ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Desensibilisierung gegenüber dem Mord. Das Bild, das entsteht, bedeutet keine Entlastung der Beteiligten, es wird der Kontext sichtbar, der durch die jeweilige Nationalgeschichtsschreibung vernebelt wurde. Ein Buch, das zumindest in die Hand jedes Geschichtslehrers gehört, uns an längst vergessene Kriege wie den zwischen Polen und Sowjetrussland erinnert, an die systematische Ermordung russischer Kriegsgefangenen durch die Deutschen, an die keine Denkmäler erinnern.
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