Vorsicht vor dieser Erzählung, bzw. den Erwartungen, die man haben könnte. Zwar ist "Die Nacht der Bestien" eine Erzählung vor dem Hintergrund von 'Blood the last vampire'. Wer nun aber mangahaftes Monstergeschnetzel erwartet, dürfte enttäuscht werden. Nein, dieser Roman hat mehr zu bieten als Manga oder Zeichentrick in Textform. Wäre ja auch albern, gelle? "Die Nacht der Bestien" erzählt im Stile einer klassischen 'kleinen' Horror-Geschichte die Erlebnisse des 17jährigen, politisch aktiven Oberschülers Rei Miwa was passiert, wenn man mehr oder minder zufällig in die Monsterjagd geheimer Organisationen verwickelt wird - und zu ihrem Spielball.
Die Dramaturgie ist m. E. sehr gut, einer Lovecraft'schen Kurzgeschichte ähnlich. Der Leser dringt häppchenweise immer tiefer in die Story ein und kann schrittweise frühere, verwirrende Vorkommnisse besser deuten. Der Schauplatz und die Historie, Tokio Ende der 60er Jahre mit politischen Unruhen, ist ebenfalls gut dargestellt, so dass die Story mit konsequenter Handlungsentwicklung versehen ist.
Dennoch eine "Warnung": M. E. hat dieses Werk dramaturgisch sehr viel Ähnlichkeit mit Mamoru Oshii's Film 'Patlabor 2' - zwar ein "Roboterfilm", aber mit philosophischen Exkursen um die eigentliche Handlung herum, und wenig 'heftiger' Action die man genretypisch vermuten mag. "Die Nacht der Bestien" ist ähnlich gestrickt, verliert sich im letzten Drittel(!) gar in philosophische und geschichtliche Ausschweifungen und dialektischen Diskurs. Hinzu kommen hie und da etwas langatmige Ausführungen zum gesellschaftlichen Hintergrund der Story - mag auch nicht jedem gefallen, aber dies schafft m. E. erst die rechte Stimmung rund um die Vampirjagd.
Dieser Stil wird sicherlich manchen Leser überfordern - aber den zum Ende des Buches geführten intellektuellen Diskurs fand ich persönlich sehr anregend und in dieser Art von Buch und mit der intendierten jüngeren Zielgruppe sogar unerwartet. Insofern sehe ich das Buch auch als leserische Herausforderung, die sich lohnt. Man muss sich aber darauf einlassen und "durchhalten".
Daher gebe ich dem Buch 4 Sterne, 3 wären mir zu wenig. "Die Nacht der Bestien" ist durchaus anspruchsvoll zum Lesen und sicherlich nicht ganz das, was viele Anime-Fans erwarten werden. Wer 300 Seiten Vampir-Action und Schnetzelei will, wird halt enttäuscht - auch wenn's die gibt, klar! ;)