"Elvis wore pink, but Johnny Cash wore black" -- treffender kann man den Unterschied zweier Karrieren kaum auf den Punkt bringen. Cash war schon der man in black, als er noch nicht "man in black" genannt wurde. Dieses Konzeptalbum aus dem Jahr 1963 zeigt es besonders deutlich mit einer markanten Cash-Mischung aus Traditionals ("Another Man Done Gone"), Klassikern u.a. von Merle Travis ("Nine Pound Hammer") und Jimmie Rodgers ("Waiting for a Train") sowie Eigenkompositionen, die sich nahtlos ins Konzept einfügen; sein "Tell Him I'm Gone" etwa klingt wie ein Blues-Traditional...
Mit "Blood, Sweat & Tears" legt Cash ein Folk- und Blues-Album vor, das sich dem harten Leben auf der Schattenseite des Lebens widmet. Weder in den Texten noch der Musik bedient er hier die prototypische Country-Klientel; er besingt das Schicksal von Arbeitern, Kettensträflingen und kleinen Krautern: Es geht um die ewigen Verlierer und ihren Kampf um Würde.
Auch musikalisch entfernt sich Cash hier von den damaligen (und heutigen!) Nashville-Standards: "Blood, Sweat & Tears" ist ausschließlich mit akustischen Instrumenten eingespielt; unplugged anno '63. Boom-Chicka-Boom goes Folk... und einmal, in einem phantastischen archaischen a-capella-Worksong, legt er zusammen mit Anita Carter einen Blues vor, der das Herz bluten macht.
Dominiert wird das Album eindeutig vom 8 1/2 Minuten langen "Legend of John Henry", dem Epos über das Scheitern eines in jeder Hinsicht gigantischen Eisenbahn-Arbeiters ("I'll die with my hammer in my hand..but I'll be laughin'"), dessen Instrumentierung vor allem durch zahlreiche überraschende Soundeffekte besticht. Es ist eines von Cashs außergewöhnlichsten Storyteller-Stücken überhaupt, an dem sich auch die Carter Family mit maßgeschneiderten Einlagen beteiligt -- und die knallharten Zwischenrufe dürften von Altmeister Carl Perkins persönlich stammen (das Booklet schweigt hierzu).
Noch faszinierender finde ich persönlich die beiden reinrassigen Blues-Nummern auf "Blood, Sweat & Tears": Das sparsam instrumentierte "Tell Him I'm Gone" klingt wie ein Blues in der Tradition von Sonny Terry und Brownie McGhee, und das direkt anschließende a capella mit Anita Carter ist ein absolutes Juwel -- während ich das höre, denke ich mir, dass "Another Man Done Gone" eigentlich auf jede "Best of"-CD gehören würde. Die beiden legen hier einen traditionellen Worksong vor, der wie aus fernen Zeiten herüberruft mit seinem wild-archaischen Wechselgesang zwischen glockenhellem Sopran und tiefschwarzem Blues. Das ist einfach phantastisch!
Auch der Rest ist allererste Sahne -- das schwarzhumorige "I'm Busted" genauso wie die Ballade über die letzte Fahrt des heroischen Lokführers Casey Jones "taking a trip to the Promised Land", die einen realen Hintergrund hat.
Die anderen Balladen haben es ebenso in sich mit ihrem Zusammenspiel von spartanischer akustischer Instrumentierung und Cashs ausdrucksstarkem Gesang: Mit "Nine Pound Hammer", der Geschichte eines Kohle-Malochers ("When I'm long gone you can make my tombstone out of number nine coal"), greift Cash die musikalische Tradition der Carter Family auf; in "Chain Gang" geht es um die Geschichte und das Elend eines Kettensträflings ("I believe that it's better for a man to hang than to work like a dog on a chain gang"), der auf das Ende seines Lebens wartet. "Waiting for a Train" ist mit seinem swingenden Piano auch musikalisch eine Hommage an den "singing brakeman" Jimmie Rodgers. "Roughneck" schließlich erzählt die Ballade vom Leben eines alternden hartgesottenen Rowdys.
"Blood, Sweat & Tears" gehört nicht nur zu Cashs allerbesten Konzeptalben, sondern auch zu seinen besten Alben überhaupt -- aufgenommen zu einer Zeit, als im Country-Genre Konzeptalben und rauher unplugged-Sound verpönt waren. Hier findet man auf nur 30 Minuten Spielzeit mehr Musik als im Lebenswerk so manch anderer.