Spätestens seit der hochkarätigen Scheibe 'Bible Of The Beast' gehören POWERWOLF für mich zu den hellsten Sternen am europäischen Power Metal Himmel. Entsprechend ungeduldig und extrem gespannt habe ich natürlich das neue Album erwartet - schließlich versprachen der vorab veröffentlichte Titel 'Sanctified With Dynamite' und das Video zu 'We Drink Your Blood' eine erneute Großtat des saarländischen Wolfsrudels.
Pünktlich am 29. Juli brachte der Postbote dann auch das wochenlang herbeigesehnte Paket mit der EMP-exklusiven Limited Edition von 'Blood Of The Saints'. Die (für ihr Geld) ganz ansehnliche POWERWOLF-Wanduhr ziert seitdem die Küche, und das überaus stylische, optisch wie haptisch äußerst ansprechende Mediabook bereichert das Präsentationsregal um ein wirkliches Schmuckstück.
So weit, so gut, doch wie sieht es im musikalischen Bereich aus? Mit dem Vorgänger 'Bible Of The Beast' hatten die Wölfe die Messlatte schließlich verdammt hoch gelegt. Kann das neue Album diesen Qualitätsstand halten oder gar toppen? Zwei Dinge kristallisierten sich bereits beim ersten Durchlauf der Silberscheibe heraus: zum einen ist 'Blood Of The Saints' eine ganze Ecke straighter ausgefallen, als der Vorgänger. Natürlich sind die neuen Stücke immer noch ziemlich bombastisch angelegt, aber der fast schon opernhaft-klassische Pomp, der auf 'Bible Of The Beast' vorherrschte, ist Großteils den wieder mehr in den Vordergrund tretenden metallischen Elementen gewichen. Zum anderen werde ich beim Hören der neuen Tracks das Gefühl nicht los, daß POWERWOLF bereits beim Schreiben der Songs diesmal ein extrem großes Augenmerk auf die Livetauglichkeit gelegt haben. So gut wie jedes Stück beinhaltet Abschnitte, die geradezu für die Interaktion mit den Fans beim Konzert geschrieben wurden.
Weiterhin ist 'Blood Of The Saints' an Eingängigkeit kaum mehr zu überbieten. Die Songs bleiben direkt in den Gehörgängen kleben, was hin und wieder den Eindruck erwecken könnte, manche Stücke seien in ihrer Struktur 'zu einfach' gestrickt. Dieses Gefühl wird meiner Meinung nach allerdings durch die hervorragenden Arrangements, die Qualität der Musiker und den exzellenten Gesang von Atilla (der sich im Vergleich zum Vorgänger vor allem in Punkto stimmlicher Vielfalt nochmals immens gesteigert hat) mehr als ausgeglichen. Die Songs sitzen einfach, wirken wie aus einem Guss. Hört man das Album an einem Stück, so präsentiert sich in der knappen Dreiviertelstunde der Laufzeit eine homogene Einheit, die stimmig ist und vor allem jede Menge Hör- (und Mitsing-) Spaß bietet.
Und die Wölfe bleiben sich auch auf dem aktuellen Longplayer absolut treu, ohne dabei langweilig zu werden. Knalliger Melodic Power Metal trifft auf das bekannte lyrische Konzept um Werwölfe, Horror- und religiöse Themen, wie immer augenzwinkernd garniert, mit viel (schwarzem) Humor und einer gehörigen Portion Ironie. Neben den musikalischen Qualitäten, ist für mich gerade dieses 'sich-selbst-nicht-bierenst-und-Klischees-und-Konventionen-auf-die-Schippe-nehmen' eine der größten Stärken von POWERWOLF.
Hier die Bewertung der Tracks im Einzelnen:
1. Opening: Agnus Dei
Düster-klassische Einführung mit viel Pathos, einer bedrohlichen Kirchenorgel und evil spoken Words. Ansprechende Einleitung, die Lust auf das Album macht. 8/10
2. Sanctified With Dynamite
...Satani, Satani... Was für ein furioser Einstieg! POWERWOLF machen von Beginn an keine Gefangenen und knallen dem geneigten Hörer einen erstklassigen Opener um die Ohren, der bereits sämtliche Trademarks der Band in Maximalqualität enthält. Eine extrem eingängige mitreißende Melodie, eine Drum-Kanonade zum Hirn-Wegschädeln, ein Mitsing-Chorus vom Feinsten. 'Sanctified With Dynamite' ist der zukünftige Live-Klassiker - Höchstnote! 10/10
3. We Drink Your Blood
Und hier ist sie, die neue Bandhymne der Wölfe (nun ja, für mich zumindest teilt das Stück sich diese Position mit 'Catholic in the Morning ' Satanist At Night'). Vorab bereits als offizielles Video veröffentlicht, ist 'We Drink Your Blood' ein Midtempo-Stampfer der Extraklasse, der definitiv zu den besten fünf POWERWOLF Songs ever gehört. Man kann gar nicht anders, als zu diesem Groove heftigst die Nackenmuskulatur zu strapazieren und den Chorus lauthals mitzusingen. Neben dem Opener ein weiterer Song, der on Stage zum Evergreen werden wird. 'We drink Your Blood' eignet sich perfekt zum Together Standing und Fists In The Air Rising. Metalherz, was willst du mehr?! 10/10
4. Murder At Midnight
Mit jedem Durchlauf entwickelt sich 'Murder At Midnight' mehr zu einem meiner absoluten Favoriten auf 'Blood Of The Saints'. Nach der atmosphärischen Einleitung kommt ein ordentlicher Temposchub und treibt die schaurig-schöne Interpretation des Jack The Ripper Themas richtig gut voran. Neben der eingängigen Melodie und den vordergründigen Gitarren lebt 'Murder At Midnight' vor allem von Atillas variabler Gesangsleistung. Natürlich darf auch hier der bereits in der Studioaufnahme eingebaute Live-Mitklatsch-und-die-Fans-zum-Selber-Singen-Animier-Part nicht fehlen. 10/10
5. All We Need Is Blood
Kirchenorgeluntermalt hat 'All We Need Is Blood' fast schon Schunkelqualität, rofl! Erinnert mich ein wenig an die Dschinghis Khan Einlage 'Werewolfes Of Armenia' auf dem Vorgängeralbum. Allerdings hat der Track auch jede Menge Power und eben diesen Rhythmus, bei dem man mit muß'
Wie schon bei den voran gegangen Songs fällt es einfach ungemein schwer, sich dem Groove zu entziehen - die Füße bewegen sich von selbst im Takt, und auch der Kopf nickt automatisch: Blood-Blood-Blood! Kurz-knackiger Party Metal at its best. 9/10
6. Dead Boys Don't Cry
In einer Kritik zum Album schreibt ein Rezensent, daß 'Dead Boys Don't Cry' einen gräßliche Refrain besitzt, bei dem er ständig an THE CURE denken muß. Nun, genau diese Anspielung auf den Überhit 'Boys Don't Cry' von Robert & Co ist mit Sicherheit beabsichtigt, ich jedenfalls konnte mir bereits beim Lesen des Songtitels ein Schmunzeln nicht verkneifen. Textlich eine amüsante Werwolf-Story, präsentiert sich 'Dead Boys Don't Cry' musikalisch als fetzige Speedgranate, die sofort ins Ohr geht und sich festbeißt. 9/10
7. Son Of A Wolf
Schon wieder eine wahre Midtempo-Dampfwalze vor dem Herrn! HALLELUJA! Mitsingtauglich von vorn bis hinten ist 'Son Of A Wolf' mein persönlicher Gute-Laune-Track auf 'Blood Of The Saints'. Amen. 10/10
8. Night Of The Werewolfes
Und weiter geht die Party! 'Night Of The Werewolfes' ist schnörkelloser Heavy Metal und kommt herrlich oldschoolig daher. Ein Kracher, der an die guten alten Zeiten erinnert und zeigt, daß auch POWERWOLF letztlich nichts anderes sind als PURE FUCKING METAL! Horns Up! 10/10
9. Phantom Of The Funeral
Keineswegs schlecht, ist 'Phantom Of The Funeral' für mich der schwächste Song des aktuellen Albums, wenn man dann überhaupt von schwach sprechen kann. Aber Track wirkt auf mich einfach ein wenig uninspiriert. However, eine ordentliche Portion Speed und Groove heben auch dieses Stück weit über den Durchschnitt. 8,5/10
10. Die, Die, Crucified
In der Kürze liegt die Würze - das darf für das nächste Stück ruhig wörtlich genommen werden. Hier kommt die 'Blood Of The Saints'- Live-Hymne Nummer Drei! Nennt mich Simplicissimus, aber 'Die, Die, Crucified' rockt die Bude wie nur was! Da steppt der alte Luzifer, und Erzengel Gabriel glotzt blöde! 10 Pommesgabeln für diesen Geniestreich der Einfachheit! 10/10
11. Ira Sancti (When The Saints Are Going Wild)
Den Abschluß des Albums bildet mit 'Ira Sancti' der bislang längste Track' in der Bandgeschichte der Wölfe, was sich allerdings durch die Tatsache, daß man ab einer Laufzeit von viereinhalb Minuten letztlich ein integriertes Outro zu hören bekommt, wieder ein wenig relativiert. Sei's drum, der letzte Song braucht ein paar Durchläufe mehr, um richtig zu zünden, entpuppt sich aber dann als bombastischer Rausschmeißer, der allein schon wegen des Wortspiels 'WHEN the saints are going wild, THEN the saints are going wild' seine Punkte verdient hat. 9/10
Produktion
Glasklarer, satter Metal-Sound dröhnt auf 'Blood Of The Saints' aus den Boxen. Da gibts nix rumzukritteln! 10/10
Artwork und Verpackung
Das neue POWERWOLF-Album kommt in einem superstylischen, stimmigen und äußerst ansprechenden Mediabook, das einen sehr hochwertigen Eindruck hinterläßt. Vom Coverdesign über das Layout bis hin zu den Fotos stimmt hier wirklich alles. Die POWERWOLF-Clock aus der Limited Edition kommt zwar aus China, ist aus Plastik und besitzt kein Schweizer Präzisionsuhrwerk, weiß für den Aufpreis von ca. 7 ¤ aber trotzdem zu gefallen und wird sicher die ein oder andere Wolfshöhle stilecht zu verschönern. 9/10
Bonus CD: THE SACRILEGE SYMPHONY
Die Im Mediabook enthaltene Bonus CD 'The Sacrilege Symphony' bietet fünf Mal POWERWOLF im rein klassischen Gewand. 'Rise Your Fist, Evangelist', 'In Blood We Trust', 'Sanctified With Dynamite', 'Ira Sancti' und 'Moscow After Dark' wurden von den Wölfen und Dominic G.
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