Das Buch von Helen Castor hat mir sehr gut gefallen. Sie erzählt detailreich die Geschichte der Familie Paston, ihren Willen zum Aufstieg aus kleinsten Verhältnissen (Kleinbauern), von Clement Paston in Norfolk im 14. Jht. bis zum letzten Paston, der 1732 als 2nd Earl of Yarmouth vereinsamt und verarmt, ohne Nachkommen, starb.
C. bindet die Aussagen in den Briefen so in ihre Erzählung ein (die Briefstellen sind in verständliches Englisch übersetzt), daß eine flüssige Erzählung entsteht. Die Personen werden lebendig: Der Leser erfährt z.B. von den Konflikten zwischen Familienmitgliedern, den unterschiedlichen Charakteren, den Sorgen, Hoffnungen und Finanznöten. Er kann den mühseligen, jahrelangen Kampf der Familie um das Erbe von Sir John Fastolf verfolgen, die Suche nach adeligen Fürsprechern, die Rückschläge, das Schicksal unter den Häusern Lancaster und York.
Da die Geschichte der Familie Paston eingebettet ist in die politischen, gesellschaftlichen, sozialen Verhältnisse der damaligen Zeit, handelt es sich nicht nur um ein Portrait der Familie Paston, sondern auch um eine detailreiche Schilderung der damaligen Zeit.
C. berichtet auch, wie die Paston-Briefe aufgefunden wurden und über ihr weiteres Schicksal.
Ich finde, das Buch ist eine sehr interessante, lebendige und fachlich eindrucksvolle Arbeit über die Familie Paston und ihre Zeit.