Zwei Jahre nach Erscheinen des konzeptionell dem Wasser zugeordneten Progressive-Überfliefers Leviathan, steht nun das Konzeptalbum "Blood Mountain" in den Regalen. Es ist thematisch der Erde und deren Mythen, Gestalten und Legenden zugeordnet. Allein das Coverartwork von Paul A. Romano ist ein echter Hingucker und begleitet den Musikhörer illustrativ in die erdverbundenen Geschichten Mastodons.
Die Erwartungen waren hoch nach dem Überraschungsalbum "Leviathan". Sie konnten über die Maßen erfüllt und sogar übertroffen werden. Melodiöser, dichter, homogener und straffer geht die Band zu Werke. Beweis dafür ist bereits der zügige Opener "The Wolf Is Loose", der einen erstaunlich breakreichen Mittelteil besitzt. Anders das verträumt dramatische "Crystal Skull". Hier regiert das altbewährte Mastodon-Rezept, das mit Siebziger Jahre-Einsprengseln gehörig aufgemotzt wurde und die eine oder andere Überraschung bereit hält. Breakreich rast danach das Mastodon-Universum in nicht mehr nachvollziehbare Gefilde, schafft es aber dennoch die berühmte Brücke der Eingängigkeit zu schlagen ("Capillarian Crest", "Circle Of Cysquatch", "This Mortal Soil"). Besonders "Capillarian Crest" und "Circle ..." haben es in sich und bedürfen besonderer Zuwendung. Dermaßen krasses habe ich nicht einmal von Atheist oder Death gehört. "Circle Of Cysquatch" geht sogar ein Stück weiter, indem drastisch gescratchte Gesangsamples wahnwitzig durch die Musikfusion aus Jazz und Metal jagen und den Soundkosmos dichter gestalten als er ohnehin schon ist. Mit dem Instrumental Bladecatcher setzt sich der klangvolle Irrsinn fort, wobei neben den harmonischen Gitrarrenleads von Brent und Bill extreme Samples gesetzt werden, die sogar aufgeschlossenen Grind- und Splattercorefans gefallen würden. Besonders lässig wirkt dagegen das sich steigernde Stück "Colony Of Birchmen", welches die alptraumhaften Bilder des Textes musikalisch kraftvoll umsetzen kann. Irgendwie erscheint besonders dieser Song dem surrealistischen Ecriture Automatique verschrieben zu sein, wo bruchreiche Wechsel unbewusste Schnelligkeit und Verlangsamung entgegen gestellt und durch Harmonien verbunden werden. Nur nach dem letzten Stück "Pendulous Skin" hätte sich die Band die lange Pause mit der kleinen klanglichen Albernheit sparen können. Aber vielleicht zeigt auch dies, dass sich die Band nicht so ernst nimmt, wie allerorten gedacht wird. Die atemberaubende Dramaturgie hält in allen Stücken aberwitzig an, wo dem Zuhörer kaum Luft und Erholung gelassen werden. Außer bei der gemütlichen Ballade "Pendulous Skin" am Albumschluss.
Im höchsten Grade wird bei diesem schwer verdaulichen Output der Fan gefordert, überrascht und nach mehrmaligem Hören in das Klang- sowie Traumuniversum eingelassen um hinterher nicht mehr rausgelassen zu werden. So packend und unübertrefflich war bisher noch kein Album, das ich hörte. Detailreich mit Erinnerungen und Breaks bestückt, kann es unbedarften Zuhörern schnell auf die Nerven gehen. Es baut sich für jenen schnell auf, der sich dafür öffnen will. Aber da renne ich bei Mastodon-Fans offene Türen ein. Alle anderen, die sich diesem meisterlichen Kunstwerk nähern möchten, sollten unbedingt nach Risiken und Nebenwirkungen ihren Experten des Vertrauens fragen.