Bei Belphegor konnte man sich in den letzten Jahren ziemlich sicher sein, dass vom Erscheinen des einen bis zu dem des nächsten Albums höchstens ungefähr anderthalb Jahre vergehen können, und so kommt auch "Blood Magick Negromance" zu einem Zeitpunkt, als der Vorgänger "Walpurgis Rites - Hexenwahn" gerade 15 Monate alt ist. Dass eine solche Veröffentlichungsdichte auf Kosten der Qualität gehen kann, merkte ich beim eben erwähnten 2009er Werk das erste Mal - und zwar sehr deutlich. Die meisten Lieder ratterten einfach so an mir vorbei, ohne dass etwas hängen blieb und insgesamt wirkte "Walpurgis Rites..." auf mich wie eine Version für Arme des Albums "Pestpokalypse VI" von 2006.
Dementsprechend skeptisch erwartete ich dieses Album hier, immer von der Angst begleitet, man könne "Blood Magick Necromance" ohne weiteres auch "Pestapokalypse VI Volum 4" nennen. Doch ich habe mich glücklicherweise getäuscht, denn "Blood..." klingt anders als seine Vorgänger, was sicher auch daran liegt, dass diesmal in einem anderen Tonstudio aufgenommen wurde. Wobei "anders" hier nicht heißt, Belphegor machten jetzt ganz andere Musik. Die Mischung aus Black- und Death Metal, die die Band seit rund 10 Jahren spielt, bleibt auch auf dem neuen Longplayer erhalten. Allerdings klingt das Stück eben im Gegensatz zu "Walpurgis Rites" nicht wie ein Aufguss seiner Vorgänger. So lässt man sich zum einen mehr Zeit in den Liedern, Atmosphäre zu erzeugen und Instrumentalpassagen einzubauen, wodurch diese dann länger als von Belphegor gewohnt sowie auch "epischer", wenn auch etwas weniger eingängig sind als früher. Außerdem wirken die Lieder nicht mehr so auf die Refrains konzentriert, was der Abwechslung und der Gesamtqualität der Platte zugutekommt.
Bei all dem Lob dürfen aber auch die durchaus vorhandenen Schwächen des Albums nicht vergessen werden. So hat sich in Sachen Texte gar nichts getan, sie erinnern sehr an die der Vorgänger. Besonders deutlich wird das, wenn einige Wortgruppen in genau der Form wie schon auf andern Alben vorkommen. Einige mögen nun meinen, Belphegors Stil schließe große Abwechslung aus und diese sei ohnehin überflüssig. Mich würde es aber trotzdem freuen, ließ man mal den "Sado Messiah" in der Tasche und käm mit was Neuem. Aber gut, die Texte werden für viele sicher kein Kritikpunkt sein. Allerdings fehlt mir bis jetzt ein "Übersong" auf der CD, der wirklich aus der Menge heraussticht. Das ist wohl die größte Schwachselle. "Discipline Through Punishment" ist momentan mein Favorit, auch wenn ausgerechnet auf ihn nicht die oben gelobten Verbesserungen zutreffen. Schließlich ist er eigentlich nur ein simpler Midtempo-Song im Stile von "Bluhtsturm Erotika", aber er bleibt einfach im Ohr hängen und ist sehr atmosphärisch. Leider wird das Lied jedoch durch den dämlichen Text auf die witzige Schiene geschoben, was der Musik nicht richtig gerecht wird. Die anderen Songs können auch durchwegs überzeugen, Aussetzer gibt es keine.
So ist Blood Magick Necromance kein Höhepunkt in der Diskografie der Österreicher und reicht nicht an "Lucifer Incestus" usw. heran, kann mich aber weit mehr überzeugen als die meiner Meinung missglückte letzte Platte.