Nach dem letzten, schwachen Alex-Cross-Roman AVE MARIA mussten die deutschen Fans zwei Jahre warten, bis nunmehr der neueste Fall des Polizeipsychologen bei uns veröffentlicht wurde. Schon der Titel lässt einem die Nackenhaare zu Berge stehen. Heißt der Roman im Original schlicht CROSS musste im deutschen natürlich ein etwas reißerischer Titel her und so wurde aus Cross BLOOD. Sei es drum. Viel interessanter war die Frage, ob es James Patterson gelingt, seiner bekanntesten Serienfigur die Klasse früherer Romane zurückzugeben. Leider muss man auch diese Frage mit Nein beantworten.
In seinem zwölften Fall muss sich Alex Cross mit dem Fall beschäftigen, den er bisher nicht gelöst hat: den Mord an seiner Frau Maria, die zu Beginn seiner Karriere von einem Heckenschützen erschossen wurde. Nunmehr treibt ein brutaler Serienvergewaltiger in Washington sein Unwesen und viele Indizien führen auf den Fall von damals.
Wie gewohnt hetzt James Patterson seine Leser auch durch diesen Roman. Satte 122 Kapitel auf 379 Seiten! War jedoch diese Kapitelkürze bei den ersten Fällen von Alex Cross ein Garant für Tempo und Spannung, so ist dieses Stilmittel in seinen neuen Werken nur noch dafür verantwortlich, dass der Roman jede Tiefe vermissen lässt. Im Stakkatostil werden die Veränderungen in Alex Cross Leben erzählt. Er quittiert den Dienst beim FBI. Er macht sich als Psychologe mit einer eigenen Praxis selbstständig. Nebenbei wird seine derzeitige Freundin Kayla schwer verletzt und beschließt Washington zu verlassen. Bei allen Ereignissen hat man das Gefühl, dass sie nur am Rande erwähnt werden. Patterson nimmt sich für nichts und niemanden Zeit.
Kritiker werfen James Patterson vor, dass er seine Romane am Reißbrett entwirft. Leider muss man sich nach den jüngsten Werken dieser Meinung anschließen. BLOOD liest sich wie alle anderen Alex-Cross-Romane auch - nur schlechter! Die Jagd nach dem Täter hat man in dieser Form schon elfmal gelesen. Von daher bietet der Roman nichts Neues. Nur das diesmal sowohl überraschende Wendungen, als auch Spannung fehlen.
Fazit: James Patterson klont sich mit diesem Werk selbst. Bei vier bis fünf Veröffentlichungen pro Jahr und mittlerweile drei Romanserien (Alex Cross, Club der Ermittlerinnen und Maximum Ride) ist klar, dass irgendwann die Qualität auf der Strecke bleibt. Leider ist James Patterson mit seiner Masche sehr erfolgreich, denn obwohl seine letzten Werke allesamt nicht gut waren, schossen sie auf die ersten Plätze der New-York-Times-Bestsellerliste. Da ich ein großer Fan der früheren Patterson-Romane bin, würde ich mir wünschen, dass er sich auf seine früheren Stärken besinnt und nicht mehr einen Fließbandroman nach dem anderen abliefert!