Prost Mahlzeit: "Garantiert geschmacklos" verspricht der Film der deutschen Werbezeile nach zu sein, doch die Story klingt viel eher abgeschmackt: Zwei einfältige Serienkiller hier, ein paar Kannibalen da, garniert mit Splatter und schwarzen Humor und einem uralten Opferkult - das hört sich weniger nach origineller Haute Cuisine als vielmehr nach der faden Pampe einer Provinz-Imbissbude an. Doch auch Eintopf kann durchaus schmecken, wie "Blood Diner" beweist - wenn die richtigen Zutaten im Topf landen.
Und mit solchen will Chefköchin respektive Regisseurin Jackie Kong nicht geizen. Denn: "Blood Diner" ist weniger Horrorfilm als vielmehr Gore-Parodie, und als solche persifliert der Streifen auch Dramaturgie und Stilmittel des Splatterkinos: Rücksichtslos wird mit Gedärmen, Gliedmaßen und Fleisch um sich geworfen, mit menschenfleischgierigen Untoten kommt der klassische Zombiefilm zum augenzwinkernden Handkuss, und auch der Kannibalenfilm darf mit frittierten Köpfen und fragwürdigen Vegi-Burgern nicht fehlen. Allein die völlig abstruse und aberwitzige Idee mit dem vegetarischen Restaurant, die das ekelige Menschenfresser-Motiv auf die Schaufel nimmt, kann überzeugen: Finger werden in die Fritteuse geworfen und als Gemüsesticks serviert, die Kundschaft schmeckt natürlich nicht die Wahrheit heraus, im Gegenteil finden die Gerichte reißenden Absatz. Eklig und widerlich? Gewiss, doch da "Blood Diner" in erster Linie als Funsplatter funktioniert und auch als solcher gesehen werden will, kann man sich mancher Angriffe auf das Zwerchfell nicht erwehren, zumal die Splattereffekte hübsch trashig aussehen. Natürlich immer vorausgesetzt, man kann über überzogene Gewaltdarstellung lachen ...
Doch auch abseits des reinen Blutvergießens wird alles parodiert, was auch nur annähernd in einem Exploitationfilm Platz fände: Im Ring brilliert ein Wrestler namens Hitler - Schnurrbart und einschlägige Armbinde inklusive -, und zappelige Nazi-Gitarristen, die aussehen wie Charlie Chaplin in "Der große Diktator", heizen Party-Zombies ordentlich ein - und dann wäre da ja noch Onkelchens Gehirn im Einmachglas, das mit den entführten Mädels gerne mehr machen würde als sie nur fachkundig zu zerteilen, sprächen da nicht körperliche Defizite eindeutig dagegen. Den Pfeffer liefern Jackie Kongs Lehrjahre: Die Regisseurin hat über die Porno-Branche im Filmgeschäft Fuß gefasst, und die gesammelten Erfahrungen kommen ihr bei "Blood Diner" zugute. Viel nacktes Fleisch tänzelt vor der Kamera auf und ab, gibt sich pubertierenden Dummköpfen hin oder befindet sich kreischend vor psychopatischen Imbissbudenbesitzern auf der Flucht.
Was dem Film einen gewissen Reiz verleiht, ist der krude Eigensinn, mit dem der dramaturgische Kochlöffel geschwungen wird: Nicht wenige Szenen wirken brutal und mit miesen Schnitten zusammengelötet, manche Szenenwechsel erscheinen willkürlich und achtlos gesetzt. Die grobschlächtig und plump wirkende Dynamik, die sich daraus ergibt, zaubert dem Zuschauer hier und da ein leichtes Augenrollen oder ein gemäßigtes Schmunzeln aufs Gesicht; man hat das Gefühl, der Film gehe soweit in seinem parodistischen Charakter, dass er sogar handwerklich schlecht und dilettantisch wirken wolle. Gleichzeitig liegt hier aber auch der Hund begraben: Die Dynamik hinkt stellenweise auffällig, was sich zum Teil auch lähmend auf die Gags auswirkt. Darüber hinaus wird der Zuschauer in manche Szenen brutal und ohne Vorwarnung hineingestoßen und hat gerne mal seine liebe Not, sich zu orientieren. Ein Beispiel: George befindet sich auf dem Weg zum nächsten weiblichen Ersatzteillager, als er mit seinem Van einen beleibten Biker über den Haufen fährt. Im Rückspiegel bemerkt er, dass der Biker trotz Frontalzusammenstoß noch bei bester Gesundheit ist, und legt prompt unter irrem Gelächter abwechselnd den ersten und den Rückwärtsgang ein und funktioniert seinen Van kurzerhand in ein Nudelholz um; überflüssig zu erwähnen, wer als Teig herhalten durfte. Der Zuschauer kann sich zum einen ein Lächeln nicht verkneifen, da die Situation einfach abgedreht und albern daherkommt; gleichzeitig schüttelt er aber auch den Kopf, weil die Szene einfach in der Luft hängt und wirkt, als hätte sie sich an dieser Stelle in den Film verirrt. Nicht zuletzt dadurch steht sich "Blood Diner" allzu oft selbst im Weg, so dass es trotz zweifellos vorhandenen Potentials nicht zum unvergesslich schrägen Funsplatter mit Kultprädikat reicht.
Die Kaufversion der DVD beinhaltet den deutschen sowie den Originalton jeweils in Stereo, Untertitel werden keine geboten. Die deutsche Synchro ist im Grunde mehr als dürftig, doch irgendwie kann sie gerade noch so die Kurve kriegen, dass sie den Trash-Faktor positiv unterstützt. Die Bonusinhalte sind nicht der Rede wert, mehr als eine magere Trailershow hat der Silberling nicht zu bieten; hier hätte man sich mehr gewünscht. Nach Angaben von Epix liegt der Kaufversion der DVD ein Wendecover bei.
Fazit: Kurzweiliges und bissiges Nonsense-Softporn-Funsplatter-Patchwork alter Schule, zum Schmunzeln, Kopfschütteln und sich Ekeln, doch für mehr reicht die zünftig-derbe Schlachtplatte leider nicht.
Bild- und Tonqualität können nicht beurteilt werden, da es sich um eine Presse-DVD handelt, die von der Kaufversion abweichen kann.