Was für ein frischer Wind im Horror-Splatter-Comedy-Genre!
*ACHTUNG, EVENTUELLE SPOILER IN DER FOLGENDEN HANDLUNGSBESCHREIBUNG*
Grundschullehrer und überzeugter Vegetarier Archie Andrews lebt in einer Welt in der Nahen Zukunft (genauer gesagt: 2 Wochen nach dem JETZT). Die Benzinpreise sind inzwischen in astronomische Höhen gestiegen, und einen 50-Liter-Tank zu füllen kostet rund 400.-- Dollar!
In einem Prolog erfahren wir, dass aufgrund dieser Umstände keiner mehr Auto fährt. Im Autokino liegen alle auf Decken rum, und die Strassen werden hauptsächlich von Fahrrad- und Rollschuh-Fahrern bevölkert.
Zwar haben jugendlich noch immer sexuellen Verkehr in Autos, nur dass sich diese auf einem Autofriedhof befinden...
Archie - ganz der engagierte Weltverbesserer - versucht in dieser schweren Zeit in seiner kleinen Wohnung einen Motor zu bauen, welcher mit Weizengrass läuft. Allerdings scheint dies nicht so richtig zu funktionieren...bis ihm eines Tages ein Missgeschick passiert und ein Tropfen seines Blutes in den Motor gerät. Plötzlich fängt das Ding an zu laufen, als gäbe es kein Morgen.
Kurzentschlossen baut Archie den Motor in sein Auto ein, nur um festzustellen, dass er überhaupt kein Weizengrass benötigt sondern nur Blut. Er macht sich also auf die Jagd und erlegt unter Weinkrämpfen diverse Tiere (wobei er ihnen tatsächlich verspricht, sie nicht zu essen...er will ja nur das Blut!), nur um zu merken dass das Auto offenbar nur nach Menschenblut verlangt. So kommt es, dass Archie - augenscheinlich hauptsächlich um die sexuellen Avancen der heissen Denise (welche offenbar SEHR stark aufs Autofahren abfährt) in Empfang nehmen zu können - immer skrupelloser vorgeht, um sein Auto zu "betanken".
Es dauert nicht lange und schon tauchen an allen Ecken Regierungs-Agenten auf, welche immer wieder versuchen das Auto in die eigenen Finger zu bekommen.
*HANDLUNGSBESCHREIBUNG FERTIG - AB HIER KEINE SPOILER MEHR*
Bevor ich zu meinem Urteil komme, eines vorweg:
Der Film ist eindeutig mit sehr wenig Budget, dafür aber mit umso mehr Tatendrang realisiert worden! Dies habe ich sehr stark in meine Bewertung einfliessen lassen, oder anders gesagt würdige ich hier eher den inhalt, als die Machart.
Effekte gibt es nur sehr wenige (vieles passiert im Off), und wenn mangels Geld ein Vegetarier- sowie ein ein Fleisch-Laden jeweils lediglich aus einer schätzungsweise 2 Quadratmeter grossen Holzbude bestehen, macht man sich einen Spass daraus das auch offen zu zeigen. Doch auch wenn es nur sporadisch vorkommt, so sind die Splatter-Einlagen durchaus solide realisiert worden.
Die Darsteller sind ein durchmischtes Völkchen, welches teilweise überzeugt, und teilweise eher weniger. Inmitten dieser Unbekannten Damen und Herren befindet sich allerdings ein Name, welcher nicht wirklich unbekannt ist: Anna Chlumsky. Es handelt sich dabei um die süsse Vada aus "My Girl" 1 & 2, welche den grossen Durchbruch aus irgendeinem Grund nicht geschafft hat. Hier gehört sie - als Verkäuferin von vegetarischen Waren names Lorraine - neben Katie Rowlett - als nymphomanisch veranlagte Fleischwarenfachverkäuferin Denise (die beiden "Läden" stehen übrigens auf einem kleinen Platz genau gegenüber) - zu den überzeugendsten Beteiligten. Auf der negativen Seite fällt dabei Archie-Darsteller Mike Brune auf, wobei seine überzogene und weinerliche Art hier im Grunde ganz gut zum Kontext passt.
Am meisten Kritikpunkte gibt es allerdings in Sachen Kamera und Schnitt, denn teilweise wird über längere Zeit ein sehr suboptimaler Bildauschnitt gewählt und viele Schnitte wirken deplaziert. Hat man sich aber einmal an die Inszenierung gewöhnt, stört dies kaum noch und man kann sich dem herrlich schwarzen Humor voll und ganz hingeben!
Teilweise wirken die Gags zwar etwas verkrampft, aber es gibt auf der anderen Seite der Medaille dermassen viele - schon fast geniale - Ideen, dass man auch dies nicht zu stark gewichten kann. Dazu der klar vorhandene satirische Ansatz, welcher Politiker wie Ölindustrie gleichermassen angiftet, sowie diverse Splatstick-Einlagen, und fertig ist ein bitterböser aber dennoch sehr gelungener Spass für aufgeschlossene Filmfans.
Fazit:
Wer schon bei "Freak Out" seinen Spass hatte, sollte sich unbedingt auch mal "Blood Car" ansehen! Auch, wenn die beiden Filme inhaltlich herzlich wenig miteinander zu tun haben, so haben sie doch einen ähnlichen Charme und vergleichbare Production Values.
Aber auch allen anderen "Allessehern" sei diese fiese, kleine Perle des Independent-Filmes ans Herz gelegt. Und mal Hand aufs Herz: was kann bei einer Horrorkomödie mit viel nackter Haut, Blut, "political incorrectness", frechen Sprüchen, witzigen Ideen und einem ganz bösen Schluss schon schief gehen?
Ich für meinen Teil hatte jedenfalls grossen Spass und werde mir den Streifen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon bald wieder ansehen.
Somit vergeben ich sehr gerne, sehr gute 4 von 5 Sternen!