Eigentlich wollte ich ein völlig anderes Buch lesen. Da dieses aber, obwohl schon vor Ewigkeiten bestellt, immer noch auf sich warten ließ, fing ich an, mich zu langweilen. Durch Zufall stieß ich in der Buchhandlung dann auf "Blood Angel" und da mich der Klappentext ansprach, entschied ich, daß ich es zur Überbrückung bis das andere ankam lesen könne.
Allerdings mußte ich sehr bald feststellen, daß das Buch der Bezeichnung "Fehlkauf" sehr nahe kam. Auf irgendeiner Seite schreibt Justine Wilson: "Was sie damit auszudrücken versuchte, war ihr selbst nicht ganz klar!" Ich finde, daß beschreibt die Autorin sowie das Buch perfekt.
Da ich der Lektüre aber dennoch eine Chance geben wollte, las ich weiter, in Erwartung was da noch so kommen bzw. wie sich die Story entwickeln würde. Doch schon als die böse Dämonin Asha, nach Jahrhunderten in Gefangenschaft aus ihrem Verlies geflohen mit der Absicht die Welt zu zerstören, einen Junkie von der Straße aufließt und mit ihm eine Band gründet, um über ihre Musik die Leute gefügig zu machen, blieb mir das erste Mal der Mund offen stehen.
Ebenso die Situation, als Jess zum ersten Mal auf den grenzdebilen und dadurch komplett lächerlich wirkenden Dämon Del trifft ist derart grotesk, daß ich am liebsten laut aufgelacht hätte.
Justine Wilson schafft es, wirklich kein Klischee auszulassen. Inklusive natürlich der obligatorischen Vergewaltigung als Erklärung dafür, warum Asha so abgrundtief böse wurde.
Ihr Schreibstil bewegt sich leider teilweise auch sehr auf Schund- bzw. Groschenromanniveau. Darüber kann man mit viel Wohlwollen jedoch noch hinweg sehen. Allerdings muß ich sagen, daß angesichts literarischer Ergüsse, wie:
-"...ihr Herz ein geschwollenes Etwas in einem Knochenkäfig!"
-"...Lucas sah die Augen der Frau brechen!"
-"...fühlte sich so leer wie ein ausgebombtes Gebäude!"
-"...seine Stimme splitterte!"
-"...stereotypes Gockelverhalten!"
selbst der Hartgesottenste irgendwann kapituliert.
Man kann sich bis zum Schluß mit keiner der handelnden Personen identifizieren, weder leidet man mit ihnen noch freut man sich mit ihnen. Eigentlich sind sie einem egal, weil die Charaktere farb- und facettenlos bleiben, einfach ohne jegliche Tiefe.
Auch wenn die Grundidee wirklich gut war, wie ich finde, so hat man nur leider nichts daraus gemacht. Beinahe alles ist vorhersehbar und jedes winzige bischen Spannung wird durch die simple Art und Weise, wie die Situation letztlich gelöst wird, im Keim erstickt.
Dieses Buch ist möglicherweise geeignet für eine lange Zugfahrt, bei der man nicht seinen Kopf anstrengen, sondern sich einfach nur irgendwie beschäftigen möchte. Wer allerdings an ein Buch gewisse Ansprüche hat und es schön findet, wenn das gelesene Wort einen bleibenden Eindruck hinterläßt, dem sei hiervon abgeraten. Denn selbst wenn es nur 6 Euro kostet - auch die kann man besser anlegen...!