Die Idee ist kühn. Michael Degen, Autor der Bestseller-Biographie "Nicht alle waren Mörder", macht in seinem ersten Roman einen Hund zur Hauptfigur. Und zwar nicht irgend einen Hund, sondern Adolf Hitlers heiß geliebten Schäferhund Blondi.
Diese Blondi stattet Degen nicht nur mit menschlichem Verstand aus, er gibt ihr auch eine Vorgeschichte: In all ihren früheren Leben war Blondi nämlich eine Jüdin. Sie war Zeuge aller Gräuel, die ihrem Volk über Jahrhunderte angetan wurden, erlebte die Knechtschaft in Ägypten, lebte in Babylon und Cordoba und starb einen letzten grausamen Tod in der Gaskammer von Auschwitz.
Jetzt liegt sie, in ein Hundefell gezwängt, zu Füßen des schlimmsten Täters der Menschheitsgeschichte und rechtet mit ihrem Gott. Ihre zentrale Frage: "Warum trifft es immer uns Juden?"
Michael Degen, das zeigt sich in diesem Buch, ist nicht nur ein profunder Kenner der jüdischen Religionsgeschichte, er ist auch ein brillanter Autor.
Sein genialer Kunstgriff besteht darin, sich Hitlers tatsächlich verbürgte Affenliebe zu Blondi zunutze zu machen. Denn der Hund, das ist historisch belegt, war das einzige Lebewesen, das in Hitlers Schlafzimmer übernachten durfte.
Was Blondi dort, bei den Lagebesprechungen, bei geheimen Gesprächen zwischen "Onkel Adolf" und seinen Getreuen oder bei großen Abendessen erlebt, beschreibt Degen mit atemberaubender Phantasie und skuriler Komik.
So beobachtet Blondi beispielsweise unter Tisch, dass die Füße der geladenen Gäste eine ganz andere Sprache sprechen, als die Speichellecker oben am Tisch.
Irre komisch ist das, fulminant geschrieben und von unfassbarer Phantasie.
Fazit: Ein anspruchsvoller Roman, der so phantasievoll wie kurzweilig ist.