Vorne im Buch steht ein Zitat von Raymond Chandler. Deshalb habe ich das Buch gekauft, ich glaubte, es sei in bester Chandler-Tradition geschrieben.
Irrtum.
Der Roman beginnt scheinbar vielversprechend: Ich habe Ihren Drink vergiftet und in zehn Stunden sind Sie tot", behauptet eine Blondine am Flughafen gegenüber dem biederen Reporter Jack. Sie allein hat das Gegenmittel.
Das liest sich wie ein Versprechen auf einen tollen, spannenden Krimi. Dies Versprechen wird aber keinesfalls eingelöst. Stattdessen erzählt Duane Louis eine hanebüchene Geschichte. Die Blondine hat in einem Forschungslabor gearbeitet und nun sind ihr Nanomaschinen injiziert worden, die sich in ihrem Körper wie Viren vermehren, und sobald sie allein ist, explodiert ihr Gehirn. Sie braucht also immer jemanden in der Nähe. Sobald drei Meter Abstand zwischen ihr und einem anderen Menschen sind, fliegt ihr Kopf in die Luft.
Eine Weile hofft der Leser, dass sie einfach irre ist und in einen Wahn verstrickt, aber dann explodieren im Roman ständig Köpfe. Ich habe die Toten nicht gezählt...
Es gelingt Duane Louis nicht, irgendeine Figur mit Leben zu erfüllen, sie bleiben alle Pappkameraden, die durchs Leben tapsen und nur schwer nachvollziehbare Dinge tun.
Nehmen wir nur mal die Blondine. Gibt es nicht andere Möglichkeiten, einen Mann an dich zu binden und dafür zu sorgen, dass er sich nicht mehr als drei Schritte von dir entfernt, als ihm Gift in einen Drink zu schütten? Aber sie hat, wie alle anderen Figuren im Buch, keine Freunde, keine Verwandten, niemand ist einem vernünftigen Argument zugänglich, alle Menschen reagieren nur auf Gewalt, Druck oder Erpressung.
Leider finde ich dies in letzter Zeit häufig bei amerikanischen Autoren. Wenn sie nicht mehr in der Lage sind, die Wirklichkeit zu beschreiben, erfinden sie absurde Techniken, Maschinen oder wie John Katzenbach, gleich einen ganz neuen Staat mit neuen Gesetzen. Aber das alles ersetzt eben keine gute Geschichte, keine glaubwürdigen Charaktere und keine durchdachte Dramaturgie.
Blondes Gift ist einfach nur ärgerlich. Es ist auch kein Krimi und kein Thriller - das alles ist nur Hochstapelei, genauso wie die Nennung von Raymond Chandler.