Während die Schauplätze der neun Erzählungen ganz unterschiedliche sind - so der Thurgau, New York, die Natur Schwedens oder ein italienisches Ferienhaus bei drückender Hitze -, gleichen sich die Ich-Erzähler dagegen auf markante Weise. Sie haben keinen starken inneren Antrieb, scheinen einsam, auch wenn sie mit einer Frau zusammen sind, und teilnahmslos. „Der ist tot.", meint etwa das Mädchen Stefanie lakonisch, als sie den Leichnam ihres Freundes im Wasser treiben sieht („Am Eisweiher").
Es gibt zwar Momente, in denen das Glück greifbar scheint. In den entscheidenden Augenblicken versagen aber Stamms Figuren. Sie erweisen sich als unfähig, ihre spontanen Gefühle mitzuteilen. Entweder finden sie die falschen, oder gar keine Worte. In „Was wir können" hat der Ich-Erzähler „einen Moment lang Lust, mir ihr [Evelyn] zu schlafen." Nur war es das dann auch.
Glück widerfährt den Menschen nur, wenn sie den Geschehnissen passiv gegenüber stehen, wenn sie sich ihnen ausliefern. Das sind unvermittelte Augenblicke, in denen jedes gesprochene Wort zuviel wäre. Dementsprechend heisst es auch in den dem Erzählband vorangestellten Zeilen von Esther Mathews: „If there be one thing I can't talk of / That one thing do be love."
Es ist eine zutiefst einsame Welt, die der Autor hier zeichnet. Das spiegelt sich auch in der Eismetaphorik („Blitzeis", „Eisweiher") wider. Stamm vermag seine Charaktere durch kleine, scheinbare unbedeutende Details zu zeichnen. Er beschreibt mehr und lässt die Dinge für sich sprechen, als dass er erklärt. Man begegnet etwa Evelyn aus „Was wir können", die spätabends noch in den Briefkasten schaut, obwohl sie ihn doch längst geleert hat. Zu ihrem 30. Geburtstag bekommt sie später einen Dildo geschenkt, schaut ihn aber nur peinlich berührt und unbeholfen an und lässt ihn in der Verpackung liegen.
Peter Stamms Sprache ist schlank, macht selten Ausrufezeichen an der Oberfläche. Einige der Erzählungen sind diesbezüglich fast zu weit getrieben und stossen an die Grenze des Verständlichen. Es wäre aber verfehlt zu sagen, sie seien missglückt. Gute Literatur setzt nicht voraus, dass der Autor seinem Leser auf die Nase bindet, was sich in den Köpfen seiner Figuren abspielt. Wer mit einer solchen Erwartungshaltung liest, der wird Peter Stamm und seinen Erzählungen nicht gerecht.