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Die Blitze des Zeus. Tagebuchaufzeichnungen eines Schlaganfall- Patienten.
 
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Die Blitze des Zeus. Tagebuchaufzeichnungen eines Schlaganfall- Patienten. [Taschenbuch]

Eugen Baursch
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 196 Seiten
  • Verlag: Buchverlag Andrea Schmitz; Auflage: 3. Aufl. (12. März 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3927442143
  • ISBN-13: 978-3927442146
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,9 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

SCHLAGANFALL MAGAZIN / Stiftung DEUTSCHE SCHLAGANFALL HILFE 2/99

Tagebuchaufzeichnungen eines Schlaganfall-Patienten ("Die Blitze des Zeus"/2. Auflage von Eugen Baursch)

Buchbesprechung von Mirko Filip

Sprache und Kommunikation sind die zentralen Instrumente unserer Zivilisation. Ohne das geschriebene und gesprochene Wort würde »unsere Welt« nicht mehr funktionieren. Was aber passiert, wenn ein Mensch schlagartig seine Sprache und somit den Kontakt zur Außenwelt verliert?

Als erfolgreicher Autor von Romanen, Novellen und Hörspielen hat Eugen Baursch sein ganzes Leben dem geschriebenen Wort gewidmet. Beim Verfassen einer neuen Kurzgeschichte erleidet er knapp 70-jährig einen schweren Schlaganfall mit rechtsseitiger Lähmung und Aphasie. Am Morgen nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus macht er die grausamste Feststellung seines Lebens: Er kann nicht mehr sprechen. Die Wörter und Begriffe stauen sich vor einem Gitter in seinem Hals. Seine Gedanken und Gefühle kann er plötzlich nicht mehr verbalisieren. Trotz seiner bedrohlichen und hoffnungslosen Situation beugt sich Eugen Baursch nicht der Sprachlosigkeit, sondern setzt alles daran, seinen Gesundheitszustand so schnell wie möglich zu stabilisieren. Schließlich war die Sprache sein Leben, sein Beruf, sein geliebtes Hobby. Mit ausgedachten Kreuzworträtseln und Wortspielen unterzieht sich Eugen Baursch einer schonungslosen »Selbsttherapie«. Immer wieder versucht er, sein Sprachverständnis zu reaktivieren und baut mit Hilfe einer Logopädin seinen Wortschatz langsam wieder auf. Bereits einen Monat nach der Akutbehandlung beginnt er schließlich damit, seine Gedanken und Gefühle in Form von Tagebuchaufzeichnungen niederzuschreiben. Alle Ängste, Fragen und Nöte, die ihn nach diesem einschneidenden Erlebnis beschäftigen, hält er in seiner aphasischen Sprache fest und beschreibt auf bisher unvergleichbare Art den Verlauf seiner Genesung. Mit Hilfe eines Computers und einer unendlichen Selbstdisziplin entstehen »Die Blitze des Zeus.«

Ein Erfahrungsbericht der besonderen Art

Bereits beim ersten Durchblättern fällt auf, daß man es hier mit einem ganz besonderen Erfahrungsbericht zu tun hat. Auf den jeweils linken Seiten des Buches findet der Leser die Tagebuchaufzeichnungen von Eugen Baursch, die er kurz nach Verlassen der Klinik nieder geschrieben hat. Im originalen »aphasischen« Wortlaut - unkorrigiert und ungekürzt - wird jeder der insgesamt zweiundzwanzig Krankenhaustage dokumentiert. Aufgrund der schweren Sprachstörung sind die Sätze oftmals lang, verschachtelt und ineinander verschränkt. Manche Satzteile sind verdoppelt und falsch kombiniert, die Grammatik und die Reihenfolge der einzelnen Silben sind fehlerhaft: »Ich suchte mein Wissen zu finden, wie ich hoffe das von damals nicht verloren war nicht.« Auf den rechten Buchseiten wird der Text etwa neun Monate nach dem Schlaganfall noch einmal vom Autor nacherzählt und kommentiert. Zu diesem Zeitpunkt ist sein Sprachvermögen wieder weitestgehend hergestellt und gesund. Die später verfaßten »Nachempfindungen« dienen einerseits dem besseren Verständnis (der Originaltext wirkt auf den sprachgesunden Menschen oftmals wie ein unverständliches Wort-Wirrwarr) andererseits unterstreichen sie sehr eindrucksvoll die rasante Genesung des Autors innerhalb kürzester Zeit. Darüber hinaus sind diverse Übungsblätter aus der Sprachtherapie und handgeschriebene Aufzeichnungen des Autors in den Text eingebunden. Sowohl die Originalaufzeichnungen, als auch die Therapie-Übungsbögen übernehmen eine sehr wichtige Funktion, die dieses Buch bisher einzigartig macht: Mit ihrer Hilfe gelingt es, dem Leser nicht nur die aphasische Sprache näher zu bringen, sondern ihn direkt mit den Nöten und Schwierigkeiten eines Aphasikers zu konfrontieren. Dadurch wird das Buch »Die Blitze des Zeus« nicht nur sehr eindringlich und direkt, sondern auch schmerzhaft und belastend. Das unbeschreibliche Dilemma, indem sich ein Autor »ohne Sprache« befindet, kann erst mit diesem schriftstellerischen und gestalterischen Kunstgriff greifbar gemacht werden.

In der Welt eines aphasiekranken Menschen

In diesem Zusammenhang hat Eugen Baursch nicht ganz Unrecht wenn er im Vorwort schreibt, sein Buch sei eine Zumutung für den Gesunden. Aber genau das ist das Geheimnis, das Fesselnde und Einzigartige seiner Tagebuchaufzeichnungen. Durch die unkorrigierte Wiedergabe seiner Gedanken ist es dem Leser zumindest ansatzweise möglich, sich in die Welt eines aphasiekranken Menschen zu versetzen und die Probleme und Ängste nachzuvollziehen. Durch die Identifikation mit der Krankheit, derer man sich als Leser kaum entziehen kann, erfährt man aber auch ebenso viel Freude und schöpft gemeinsam mit dem Autor neue Hoffnung für die Zukunft: Im zweiten Teil des Buches »Heimkehr in den Alltag« wird der Leser Zeuge, wie Eugen Baursch sein »neues Leben« bewundernswert meistert und auch in schwierigen Situationen nicht resigniert. Dieser Teil enthält auch keine »Nachempfindungen« mehr; der Leser ist nun auf sich gestellt und muß sich mit der aphasischen Sprache »gnadenlos« auseinandersetzen. Das Verstehen der Originalaufzeichnungen stellt kein Problem mehr dar, denn die sprachlichen Fortschritte des Autors sind zu diesem Zeitpunkt deutlich vorangeschritten. Nur noch einige sprachliche Unebenheiten lassen die schwere Krankheit vermuten. Abgesehen davon: »Eine Überarbeitung zu gutem Deutsch«, so Eugen Baursch »würde den Leser um dieses außergewöhnliche Lesevergnügen berauben.« Bei der vorliegenden Ausgabe handelt es sich um die zweite Auflage. Diese ist gegenüber der Ersterscheinung um einige kurze Kapitel ergänzt, die den weiteren Genesungsverlauf und das Leben viereinhalb Jahre nach dem Schlaganfall beinhalten. Hier bringt der Autor seine Fähigkeiten als Journalist und Romancier wieder voll zum Ausdruck. So passiert es an einigen Stellen im Text, daß sich der Leser ein Schmunzeln auf gar keinen Fall verkneifen kann - der Autor benutzt die Sprache wieder als Stilmittel, als »Spielzeug«. Nicht nur die letzten Seiten von »Die Blitze des Zeus« verdeutlichen den unvergleichbaren Ehrgeiz und die eindrucksvolle Willensleistung, mit denen Eugen Baursch den Weg vom totalen Sprachverlust zu einem sinnerfüllten Leben zurückfindet. Die Blitze des Zeus - ein Dokument von eindringlicher Echtheit, das sowohl für Fachleute und Sprachgesunde, als auch für Aphasiker ein großer Gewinn ist.

W. Scheuermann / dgs, Die Sprachheil-arbeit

Dieses Buch empfehlen wir ganz besonders! (Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe, Rems-Murr e.V.)

Professor Dr. Huber (Uniklinik Aachen) empfiehlt dieses Buch Fachleuten, Sprachgesunden und Aphasikern gleichermaßen, denn jeder wird es auf seine Weise mit Gewinn lesen. Dieser Empfehlung schließe ich mich gerne an.


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Buchdoktor HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Der Autor erlitt mit knapp 70 Jahren einen Schlaganfall mit Teillähmung und Aphasie. Noch bevor die Diagnose Wernicke-Aphasie gestellt wird, erlebt der Patient sich als fremd in der eigenen Muttersprache, merkt, dass die Wörter sich wie vor einem Gitter in seinem Hals stauen. Er beginnt Ordnung in seinem Kopf zu schaffen, indem er trotz des Eindrucks, nicht sprechen und nicht schreiben zu können, sich vom ersten Tag im Krankenhaus an Notizen macht. Baursch versucht, eine Liste aller Bundeskanzler und Bundespräsidenten aufzustellen und beschließt am vierten Tag seiner Krankheit, um 5.00Uhr aufzustehen, damit er gewaschen und rasiert ist, wenn die Schwester ihre Morgenrunde beginnt. Ebenso ehrgeizig wie an der Wiedererlangung seiner motorischen Fähigkeiten arbeitet der Patient am Neuerlernen der Sprache. Beim ersten Besuch einer Logopädin am Krankenbett wird Baursch klar, in welch chaotischem Zustand sich sein Sprachvermögen befindet. Der Patient hat größte Probleme damit, Drei-Wort-Sätze zu sprechen. "Die Buchstaben, taten, was sie wollten", stellt er fest. Doch die Hoffnung, dass sich Nervenenden neu verknüpfen lassen, gibt der Autor nicht auf und erledigt sorgfältig die von der Logopädien aufgegebenen Hausaufgaben.

Die protokollierten Erfahrungen Eugen Baurschs sind ein einzigartiges Dokument. Der Autor stellt seine Aufzeichnungen in "aphasischer" Sprache, die während seines 25-tägigen Krankenhausaufenthaltes entstanden, unbearbeitet auf die jeweils linke Buchseite und ergänzt die Texte auf der rechten Buchseite mit seiner nachempfundenen Erinnerung. Die für den ungeübten Leser beinah unverständlichen Satzkonstruktionen dokumentieren seine Erkrankung, seine Gefühle und seinen erstaunlichen Genesungsprozess. Die Abbildungen der Originalarbeitsblätter vermitteln gesunden Lesern die beklemmende Einsicht in die Welt eines erwachsenen Patienten, der täglich die Zeitung liest und am politischen Geschehen Anteil nimmt, während er sich parallel dazu mit Vater-und-Sohn-Geschichten seine Alltagssprache zurück erobert. Vom Tag der Entlassung aus dem Krankenhaus an sind Baurschs Aufzeichnungen unbearbeitet. Einige Worte tun noch immer, was sie wollen, doch der Autor hat die Sprache und seine Fähigkeit, zu schreiben, zurückgewonnen.

Eugen Baursch gibt uns Einblick in die Situation eines Aphasikers. Das Gefühl, anderen Menschen sprachlos ausgeliefert zu sein, als er zum CT in ein entferntes Krankhaus gebracht, dort nicht wieder abgeholt wird und sich niemandem verständlich machen kann, schildert der Autor sehr eindringlich. Wie beängstigend auf den Patienten der bürokratische Ablauf und der Kampf um die Kostenerstattung für eine stationäre logopädische Therapie wirkt, haben die damals zuständigen Sachbearbeiter wohl kaum erfasst. Man kann nur hoffen, dass Baurschs Aufzeichnungen in der Mediziner- und Krankenpflegeausbildung zukünftig die Perspektive der betroffenen Patienten vermitteln werden.
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