SCHNITT.DE "blindlings", Filmfest München 2009
"Wolfgang Weigl ist von Haus aus Editor, ausgezeichnet u.a. mit dem Förderpreis Schnitt bei »Film+ 2006« für die Montage des Kurzfilms Fair Trade. In München nun stellte er seinen Debütspielfilm Blindlings vor, den er nicht nur montierte, sondern eben auch inszenierte und mit seiner Firma »Piratenfilm« produzierte ' und zwar ohne Beteiligung von Fernsehsender und Filmförderung. Dieser so entstandene wahre Independentfilm überzeugt mit einer bewundernswerten Konsequenz in Bildgestaltung und Erzählung sowie mit einem sicheren Gespür für spannende Dramaturgie. Blindlings erzählt, wie ein Pärchen, das gerade seine Trennung beschlossen hat, auf dem Weg nachhause frühmorgens mitten in den Bergen mit dem Auto liegenbleibt, und wie es ' getrennt voneinander ' zu Fuß im verschneiten Wald nach Hilfe sucht, sich verläuft und dabei einem unheimlichen Waldschrat begegnet. Der Film kommt in überwiegenden Teilen ohne Dialog aus und erzählt nicht wirklich eine komplexe Geschichte. Umso faszinierender ist es zu beobachten, wie perfekt Wolfgang Weigl den Umgang mit den Bildern beherrscht, aus denen er eine Hochspannung zu komponieren versteht, die einen bis zum Schluß nicht loslassen mag. Unterstützt wird er dadurch von einem brillanten Sound- und Musikkonzept und einer gewagten Fotographie. Bildgestalter Axel König schafft kontrastreiche, extrem farbentsättigte körnige Bilder und wagt immer wieder faszinierende tiefdunkle Stimmungen, die das spärliche Winterlicht als kalt kommentierende Atmosphäre wiedergeben. Der so im besten Sinne des Wortes wunderbar »schmutzige« Look illustriert damit äußerst stimmig das Parabelhafte des Erzählten. War der Wald im deutschen Film einst stolzer Repräsentant heimatlicher Urstimmung, so steht er in Blindlings für Trennung und Vereinsamung. Wie unzählige Märchenfiguren verlaufen sich auch diese beiden im Wald, treffen dort auf Erinnerungen und das vermeintlich Böse. Es ist eine Reise in ihre vergangene gemeinsame Beziehung, von Weigl wie einst "The Blair Witch Project" als Schauermärchen inszeniert, das keiner Schockeffekte bedarf, um trotzdem beunruhigend unheimlich zu sein."