Als ich 12 war, kreuzte der Blinde Passagier meinen Weg. Zuerst als Single, dann als LP. Ich kannte zwar (den) "König von Deutschland", aber erst Rios zweites Soloalbum öffnete mir das Herz und damit Türen in Dimensionen, die ich nie zuvor gesehen hatte. Diese Texte, diese Energie in der Musik und in der Stimme, das kannte ich nicht. Und hab ich seither auch selten woanders gefunden.
"Blinder Passagier" setzt schon mit dem Titelstück Maßstäbe in Sachen Pop mit Tiefgang, ohne dass es wie bei "Rio I." den Weg auf die schlimmsten Sampler der Nation gefunden hätte (und das ist gut so). Kommentare zu den politischen und sozialen Zuständen der Zeit wechseln sich ab mit dem Zauberhaftesten, was an Balladen möglich ist: "Der Sommer kommt" luftig zu dir, "Lass mich schlafen" zieht sich zurück, und ein "Stiller Raum" ist alles, was am Ende bleibt. Und die Welt dreht sich trotzdem weiter. Dazwischen geht's bis zum Morgen "Runter zum Hafen" und von dort "Übers Meer", wo die Sehnsucht brennt und die Hoffnung lebt.
"Blinder Passagier" ist im Vergleich zum Vorgänger eher scheu und zurückhaltend, aber gerade das liebe ich daran, und wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde ich dieses Album nehmen, nicht das mit den großen Hits. ;o)
Simsalamander Simasalabim!