Hier ist er also, der (leider, leider) wohl schlechteste Inspektor Jury-Roman und die Unglückszahl 13 paßt gut dazu. "Blinder Eifer" fungiert als eine Art zweiter Teil einer lose zusammenhängenden Trilogie, obwohl sowohl "Fremde Federn" als auch der nachfolgende "Gewagtes Spiel" jeweils einen eigenständigen Fall darstellen. Allerdings spielen sie alle in kürzester Zeit hintereinander, was heißt, das jeweils am Ende des jeweils vorherigen Bandes auf den nächsten übergeleitet wird.
Führte schon "Fremde Federn" Jury und Plant nach Amerika, so bricht Jury hier wieder in die neue Welt auf. Jetzt geht es nämlich um den bisher scheinbar natürlichen Tod seiner (indirekten) Auftraggeberin aus dem vorherigen Band, die ebenfalls eventuell Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte, da es zwei ähnliche Todesfälle bei Frauen gibt, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Weil aber alle Todesfälle ähnlich sind, vermuten Macalvie und Jury ein Verbrechen und gehen der Sache nach.
Was sich auf den insgesamt fast 480 Seiten abspielt, ist dann schlichtweg ärgerlich. Grimes bringt es zwar fertig, eine nahezu ungeheure Anzahl von bekannten Figuren aus dem Jury-Kosmos in dem Buch zu verewigen (von Diane Demornay über Polly Praed, Inspektor Lasko, Carol-Anne, die Cripps, Trevor Sly usw.), doch bringt das den Fall nie in Gang. Es dauert bis kurz vor Schluß, ehe die Todesursache endlich geklärt ist, was auch nötig war, denn mit der Ursache ist auch der Täter enttarnt.
Die Zusammenhänge bleiben immer sehr vage, zwischendurch bleibt genug Zeit, daß sich alle Figuren im Blabla ergehen können, Plant sich London ansieht, Jury mit dem Nichtrauchen kämpft und wenig brauchbare Verhöre in Santa Fe und Umgebung durchführt. Einmal mehr wird die USA-Reise mehr zum Urlaubs-Erlebnisbericht, komplett mit schrägen amerikanischen Typen und selbstverständich kuriosen Schauspielern und Agenten. Als der Mörder schließlich noch einmal zur Tat schreitet, ist Jury sogar wieder außer Landes, daß sogar dieser Schluß wie angeklatscht wirkt.
Wer's mag, darf in vielen Theorien und Erinnerungen schwelgen, doch die Mischung tuckert stockend vor sich hin, ohne das ein Kriminalfall draus wird. Gleichzeitig werden schon Ansätze des nächsten Buches eingestreut, als wäre dies interessanter.
Das Ergebnis ist eine extreme Geduldsprobe, bei dem man den roten Faden erst einmal lange suchen muß, um ihn irgendwann mal in der Hand halten zu können und wenn man ihn dann hat, ist er erschreckend dünn.
Offenbar wurde dies aber sogar der Autorin offenbar, denn die nächsten Bücher wurden wieder weniger ausschweifend.
Nächstes Buch: "Gewagtes Spiel"