Eigentlich ist es eine traurige Überraschung, dass man Laudanum nicht in jedem Plattengeschäft findet. Insbesondere "Blinded" hat Qualitäten wie ein guter Wein.
Vorab sollte gesagt sein, dass Laudanum nichts für jeden Tag ist. Wer mit vollem Hasskonto im Auto seine Zeit im Stau absitzen muss, wird sicherlich genauso wenig gefallen an der Musik haben, wie jemand der ordentlich abrocken will. Aber meines Erachtens macht genau das eine gute Platte zur Preziose. Einen guten Wein trinkt man ja auch nicht jeden Tag, sondern zu einem bestimmten Anlass oder einfach, wenn einem danach ist! Und genau hier liegt auch die wohltuende Abgrenzung zum "Konserven-Pop", der einem dieser Tage scheinbar immer öfter begegnet.
"Blinded" gehört für mich zu einem ruhigen Abend mit besagtem Wein und einer Portion innerer Ruhe. Sind diese Dinge vorhanden, eröffnet sich nach längerem Hören eine Tiefe in die man stundenlang abtauchen kann. Laudanum schafft es dabei abwechslungsreich zu sein, ohne zu nerven und ohne permanenten Stimmungswechsel. Völlig unaufgeregt werden verschiedenste Themen musikalisch bearbeitet und geformt. Mit jeder Wiederholung eines Titels erkennt man neue Ideen und Blickwinkel.
"Blinded" fühlt sich in meinem CD-Regal neben Saint-Etienne, Apotygma Berzerk, Hooverphonic und Dazerdoreal sehr wohl. Alles kleine Namen mit großen Attitüden. Vielleicht macht dieser Umstand diese Platten alle auch zu etwas besonderem und vielleicht ist es gerade deahalb so gut, dass man "Blinded" nicht an jeder Ecke findet - und vielleicht sollte ich diese Zeilen dann konsequenter Weise wieder löschen...