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Produktinformation
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Überhaupt, der Jazz. Von ihm hat Murakami sein Gespür für den melancholischen Klang abgeschaut, für die richtige Dramaturgie, für die gekonnte, scheinbar sinnleere Abschweifung. In Blinde Weide, Schlafende Frau gibt es reihenweise Selbstmörder, deren Freitode aufgrund fehlender Abschiedsbriefe und ebenso fehlender Motive rätselhaft bleiben, Glückliche Lieben, die einfach im Sand verlaufen, um irgendwann kurz und halbherzig wieder aufgegriffen zu werden, und immer wieder wundervolle Wechsel zwischen Realismus und Phantastik: etwa da, wo ein Mann nachts mit seinem scheinbar selbstständig gewordenen Spiegelbild zu kämpfen hat -- wobei sich am nächsten Tag herausstellt, dass es an besagter Stelle gar keinen Spiegel gab.
Selbst in jenen Erzählungen, in denen scheinbar Psychologie ins Spiel kommt, dient sie Murakami nur als Vorwand für die stets überraschende Beschreibung einer Stimmung oder eines unbewusst verfehlten Lebens. In der vielleicht besten Erzählung des Bands, Der Affe von Shinagawa, geht eine Frau, die ständig ihren Namen vergisst, zur Psychologin. Mit zunächst noch konventionellen Methoden entlockt ihr die Seelenärztin eine Geschichte aus der Kindheit, in der eine Klassenkameradin der Patientin kurz vor ihrem Freitod ihr Namensschild mit der rätselhaften Bemerkung überließ, dass kein Affe es klauen dürfe. Der Affe wird gefunden. Inzwischen hat er nicht nur das Namensschild der Klassenkameradin, sondern auch jenes der Patientin gestohlen. Er kann sprechen und offenbart der Frau die wahren Gründe ihrer Vergesslichkeit. Sie ist geheilt. Zurück bleibt ein melancholischer Abschlussklang -- und das Gefühl, große Literatur gelesen zu haben, in der jeder Ton getroffen ist. --Thomas Köster
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein durchschnittlicher Murakami,
Rezension bezieht sich auf: Blinde Weide, schlafende Frau (Gebundene Ausgabe)
Als Murakami-Fan der ersten Stunde habe ich mich natürlich wie ein kleines Kind über die neue Sammlung des Japaners gefreut (auch wenn es sich bei den einzelnen Beiträgen um alte Geschichten handelt). Doch leider wurden meine Erwartungen nicht ganz erfüllt. Grundsätzlich ist alles da, was man von dem Autoren kennt: Skurrile Einfälle, eine blumige Sprache, Einzelgängerische Charaktere, eine melancholische Grundstimmung und der Eindruck, man befände sich irgendwo auf dem schmalen Grat zwischen der Realität und einer entrückten Traumwelt. Und doch fehlt etwas. Die Geschichten wirken meist unfertig, fragmentarisch, und im Vorwort schreibt Murakami dann auch, dass einige dieser Kurzgeschichten später in Romanen eingearbeitet wurden, wo sie eben perfekt passen. Nebst diesen älteren Geschichten, befinden sich in 'Blinde Weide, schlafende Frau' auch fünf brandneue Kurzgeschichten, die in Japan sogar als Einzelband erschienen sind. Doch auch diesen Geschichten fehlt etwas, sie wirken distanziert und irgendwie kühl. Es gibt aber auch Highlights im Buch (zumindest für mich), bei denen Murakami zur Zeit der Entstehung in Topform war: Im Jahr der Spaghetti / Tony Takitani / Aufstieg und Fall von Knasper / Der Affe von Shinagawa.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Geschichten aus drei Jahrzehnten - von perfekt bis mäßig,
Von
Rezension bezieht sich auf: Blinde Weide, schlafende Frau (Gebundene Ausgabe)
"Blinde Weide, schlafende Frau" ist mit Abstand der umfangreichste auf Deutsch vorliegende Erzählband Haruki Murakamis. Neben einem Vorwort, in dem Murakami erklärt, wie unterschiedlich er mit (seinen) Romanen und Kurzgeschichten umgeht, bietet das Buch 24 Kurzgeschichten auf 400 Seiten. Diese stammen aus 3 Dekaden (von 1983-2005) und weisen dementsprechend natürlich inhaltlich wie qualitativ eine enorm große Bandbreite auf.Inhaltlich sind sie aber alle sehr murakamiesk :). Mal sind es alltägliche, aber sehr berührende und intelligente Geschichten über zwischenmenschliche Beziehungen (Tipp: Ein modernes Volksmärchen für meine Generation - aus der Vorgeschichte des Spätkapitalismus), die den Boden des Rationalen nie verlassen. Dem stehen surreale, teilweise schon absurde Geschichten gegenüber, die den Leser zur einen Hälfte absolut verzaubern und zur anderen verwirren. Qualitativ gesehen ist die Bandbreite ebenso weit gefächert: einige der Geschichten gehören mit zu den besten, die Murakami geschrieben hat, viele (!) reichen aber nicht an seine anderen heran. Der Anteil an Geschichten, bei denen der Funke auf MICH nicht übergesprungen ist, war bisher bei keinem anderen seiner Erzählbände so groß. Dabei kann ich nicht einmal genau sagen, woran es lag. Es fehlte ihnen irgendwie an dieser für Murakami so typischen Magie ... wer Murakami kennt, wird wahrscheinlich wissen, was ich meine, ohne dass ich es gerade besser beschreiben kann ;). Sprachlich weisen sie alle den für Murakami so typischen schlichten und lakonischen, aber trotzdem intensiven Stil auf; alle Geschichten sind flüssig und einfach zu lesen. Aus dem Vorwort erfährt man, dass Murakami einige der Geschichten später in seine Romane eingebunden hat. Wer mit seinem Werk vertraut ist, der wird sie in abgeänderter Form in "Naokos Lächeln" (Glühwürmchen), "Sputnik Sweetheart" (Menschenfressende Katzen) und "Mister Aufziehvogel" (Im Jahr der Spaghetti) wiederfinden. Letztendlich empfehle ich allen Murakami-Anhängern, einmal einen tieferen Blick in das Buch zu werfen. Wenn auch viele Geschichten nicht in der Art überzeugen können, in der es seine anderen tun, so stößt man doch auf ein paar echte Schätze. Allen, die bisher noch keine Murakami-Anhänger sind, also noch die Qual der Wahl haben und gerade auf der Suche nach Kurzgeschichten sind, würde ich raten, zuerst "Nach dem Beben" (für mich die besten Kurzgeschichten überhaupt!) oder "Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah" zu lesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einfach wunderbar!,
Rezension bezieht sich auf: Blinde Weide, schlafende Frau (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich mag ich ja keine Erzählungen - außer sie sind von Haruki Murakami. Der Name bürgt wirklich für Qualität und das zeigt sich in diesem Buch einmal mehr. Erzählungen vom Beginn seiner schriftstellerischen Karriere und neue Stücke füllen die Seiten auf die bekannt abwechslungsreiche und malerische Art. Phantasiegebilde beschreibt er auf so natürliche und verständliche Weise, dass ihre Daseinsberechtigung nicht anzuzweifeln ist. Mit einfachen Worten erweckt er Charaktäre zum Leben, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Immer lässt er seinen Lesern einen gedanklichen Spielraum und zieht sie somit gekonnt in seinen Bann! Dieses Feuerwerk an Ideen war wunderbar zu lesen und ich bin traurig, dass ich schon am Ende angelangt bin! Ein Muss für jeden Murakami Fan!
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