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Produktinformation
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Überhaupt, der Jazz. Von ihm hat Murakami sein Gespür für den melancholischen Klang abgeschaut, für die richtige Dramaturgie, für die gekonnte, scheinbar sinnleere Abschweifung. In Blinde Weide, Schlafende Frau gibt es reihenweise Selbstmörder, deren Freitode aufgrund fehlender Abschiedsbriefe und ebenso fehlender Motive rätselhaft bleiben, Glückliche Lieben, die einfach im Sand verlaufen, um irgendwann kurz und halbherzig wieder aufgegriffen zu werden, und immer wieder wundervolle Wechsel zwischen Realismus und Phantastik: etwa da, wo ein Mann nachts mit seinem scheinbar selbstständig gewordenen Spiegelbild zu kämpfen hat -- wobei sich am nächsten Tag herausstellt, dass es an besagter Stelle gar keinen Spiegel gab.
Selbst in jenen Erzählungen, in denen scheinbar Psychologie ins Spiel kommt, dient sie Murakami nur als Vorwand für die stets überraschende Beschreibung einer Stimmung oder eines unbewusst verfehlten Lebens. In der vielleicht besten Erzählung des Bands, Der Affe von Shinagawa, geht eine Frau, die ständig ihren Namen vergisst, zur Psychologin. Mit zunächst noch konventionellen Methoden entlockt ihr die Seelenärztin eine Geschichte aus der Kindheit, in der eine Klassenkameradin der Patientin kurz vor ihrem Freitod ihr Namensschild mit der rätselhaften Bemerkung überließ, dass kein Affe es klauen dürfe. Der Affe wird gefunden. Inzwischen hat er nicht nur das Namensschild der Klassenkameradin, sondern auch jenes der Patientin gestohlen. Er kann sprechen und offenbart der Frau die wahren Gründe ihrer Vergesslichkeit. Sie ist geheilt. Zurück bleibt ein melancholischer Abschlussklang -- und das Gefühl, große Literatur gelesen zu haben, in der jeder Ton getroffen ist. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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