Salamanca (Spanien), eine Konferenz mit dem amerikanischen Präsident als Gastredner. Plötzlich fallen Schüsse, der Präsident bricht zusammen, Bomben explodieren und Chaos bricht aus. Aber was genau ist eigentlich passiert, was steckt dahinter, wer ist beteiligt, wer ist zufällig Zeuge und wer nur ein unwissendes Bauernopfer?
Genau diese Fragen beleuchtet der Film aus Sicht von 8 Personen und schafft in seiner Machart eine seltene Form von Film. Der Film beginnt um 11:59:56 und die Zeit springt auch mehrfach wieder auf genau diesen Punkt zurück. Anfangs wird die Geduld des Zuschauers schon etwas strapaziert, wenn im Film optisch zurückgespult wird und es wieder von vorn los geht - besonders, wenn es gerade richtig spannend wird. (Man fragt sich ständig, was jemand dort gerade gesehen hat oder was er/sie dort macht!) Aber dafür bringt der Regisseur das grandiose Kunststück fertig, bestimmte Situationen tatsächlich immer wieder aus einem optisch etwas anderen Blickwinkel (10°, 45° etc.) zu zeigen! Eine klasse Umsetzung!
Mit fortlaufendem Film steigt sowohl die Spannung, als auch die Geschwindigkeit der Darstellung und in den letzten 20 Minuten überschlagen sich die Ereignisse förmlich. Aber auch vor dem Showdown/Finale gibt es Schießereien, wilde und aberwitzige Verfolgungsjagden, Schlägereien, Intrigen und jede Menge überraschende Wendungen = je länger der Film, desto spannender wird er!
Bei einem Film, der in dieser Form wirklich schwer umzusetzen ist, kommt es fast zwangsläufig zu kleinen Ungereimtheiten, die man aber verzeihen kann. (Keine Beispiele, um nichts zu verraten!) Einige der involvierten Personen lassen sich intuitiv relativ früh erraten, was ebenfalls schade ist, aufgrund der Perspektiven jedoch vermutlich nicht zu verhindern. Der Spannung schadet das letztendlich aber auch nicht nachhaltig.
Wirklich bedauerlich sind nur fehlende Antworten auf die Fragen, warum bestimmte Personen zu Attentätern werden/wurden und was sie eigentlich mit ihrer Aktion bezwecken bzw. was passiert, wenn sie Erfolg haben/hätten. Hier hätte man den Film noch politischer werden lassen können oder/und mit einer Message versehen können. So aber endet der Film "nur" mit dem Aufeinandertreffen fast aller Beteiligten in einem furiosen Finale. Dennoch handelt es sich bei "8 Blickwinkel" nicht um einen tumben, niveaulosen Knall-Bumm-Film, der nur auf Effekte aus ist!
Als Hauptfiguren agieren Dennis Quaid (grandios! beste Rolle seit laaaangem!) und Matthew Fox als Sicherheitsbeamte, Forest Whitaker als Tourist (solide u. gut wie immer!), William Hurt als Präsident und Edgar Ramirez als "Einzelkämpfer" (sehr überzeugend!). Selbst kleine Rollen sind mit bekannten Gesichtern besetzt. Diese haben jedoch teilweise nur Kurzauftritte oder tauchen nur in einem oder zwei der Blickwinkel auf (bspw. Sigourney Weaver, Zoe Saldana, Richard T. Jones).
Jede Menge rasante Action (inkl. einer der besten Autoverfolgungsjagden der letzten 10 Jahre), Spannung satt und eine geniale, höchst seltene Form der Darstellung machen den Film zu einem echten Highlight. Auch ohne Antwort auf die Fragen nach dem Warum ist der Film sein Geld wert!
Sehr empfehlenswert!
Die Extras auf der Collector's Edition sind zwar durchaus interessant, aber auch recht kurz. Es reicht daher auch die Anschaffung der einfachen Single Disk.
Kleiner Tipp: Wer sich möglichst viele der kleinen Überraschungen und Wendungen erhalten will, sollte den Trailer vorab nicht sehen!