Für mich ist Banks ja der unbestrittende Großmeister der modernen SF, auch wenn ich mich mit diesem Buch auf den ersten 70-100 Seiten etwas schwer getan habe, ist es doch ein echter Banks und sehr lesenswert.
Nach "Die Spur der Toten Sonne/Exsenssion", der erste Kultur-Roman von Banks - und das warten hat sich gelohnt.
Das Buch unterschiedet sich etwas von den bisherigen Kultur-Romanen da die BG (Besondere Gegebenheiten) und der Kontakt nicht die Rolle spielen wie man es gewohnt ist. Auch sind die Hauptpersonen des Buches keine Kultur-Angehörige, dadurch ist die Namesgebung nicht so komplex wie in anderen Kultur-Romanen.
Es passiert eigentlich nicht sehr viel in diesem Buch, eigentlich kann man es als soziologische Abhandlung über Gesellschaften im allgemeinen und der Kultur im Besondern verstehen. Die Kultur wird trotz ihrer überlegenden Technik und erstrebenswert erscheinenden Sozialstruktur als dekadentes Auslaufmodell gezeichnet, dass dem Untergang geweiht ist (auch wenn dieses sich wohl noch einige 1000 Jahre hinziehen wird). Das ist auch der Plot des Buches, eine andere Rasse versucht sich auf recht hinterlistige und drastische Art und Weise an der Kultur zu rächen, da diese einen Bürgerkrieg mit mehreren Millaraden Toten (der aber nur 3 Tage gedauert hat) bewußt herbeigeführt hat. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.
Wer noch nie einen Kultur-Roman gelesen hat, wird mit diesem Buch nicht sehr glücklich werden. Wer jedoch schon einige Kultur-Romane gelesen hat, wird dieses Buch auch als willkommenes Hintergrundwissen über die Kultur schätzen. Banks schreibt wie immer sehr blumig und verschachtelt zwingt den Leser aber jedes noch so unwichtige Detail aufzunehmen (entgegen vielen anderen SF-Bücher die den Leser geradezu zum Überlesen ermutigen). Er stellt komplizierteste Gesellschaftsstrukturen da und pfelgt wie in "Einsatz der Waffen" einen recht ungewöhnlichen Erzählmodus (Vergangenheit und Gegenwart werden innerhalb von einem Kapitel gemischt).
Ein sehr politisches Buch (ich denke Banks will mit der Kultur auch unsere Gesellschaft vorführen und auf den Prüfstand stellen), aber auch ein sehr spannendes Buch, dass von abgedrehten Ideen geradezu strotzt (besonders die lenkbaren Bahemothauruns haben es mir angetan).
Auf jeden Fall eines der Highlights des Herbst 2003.