1971 beendete Joan Baez mit der Doppel-LP "Blessed Are..." ihre 11 Jahre währende Zugehörigkeit zu Vanguard. Das Album war ein würdiges Abschiedsgeschenk an ihr langjähriges Label. Damit wurde Baez' erster Karriereabschnitt abgeschlossen, der nach Meinung vieler Kritiker ihr bester war.
Die Songs dieses Albums spielte sie wiederum in Nashville mit den besten dortigen Musikern ein. Produzent war diesmal Norbert Putnam, der dem Countrygefühl einen rockigeren Ansatz verpasste. Nachdem Baez bereits zu den Alben "Joan" und "One Day at a Time" je zwei eigene Songs beisteuerte, waren es diesmal gleich neun, die sowohl textlich als auch musikalisch recht überzeugend waren. Wirklich erstklassig gelangen ihr der Titelsong, mit schönem Kontrast zwischen akustischen Gitarren und Orchester, das flotte "Outside the Nashville City Limits", das herrliche "The Hitchhiker's Song" und das überraschend instrumentierte "Fifteen Months". Mit "Three Horses" versuchte sie sich an einem Songgedicht à la Dylan, das sie alleine zur akustischen Gitarre vortrug. Mit über 7 Minuten geriet es dann doch ein wenig zu lang. Hübsch waren "Milanese Waltz/Marie Flore", das von einer Begebenheit bei einem Konzert in Arles erzählt, und "When Time is Stolen". "Gabriel and Me" ist ein berührendes Schlaflied für ihren kurz zuvor geborenen Sohn. Nur bei "Last, Lonely and Wretched" geriet die Melodie ein wenig zu flach.
Publikumsfavorit des Albums wurde ihr Cover von "The Night They Drove Old Dixie Down" von der Band, dessen Refrain von einem Chor gesungen wurde. Die Singleauskoppelung wurde ihr größter Erfolg in den Charts. Ganz stark waren auch ihre Cover von "The Salt of the Earth" (Rolling Stones) und "The Brand New Tennessee Waltz" (Jesse Winchester), dessen Heimweh sie ganz gut rüberbrachte. Der Beatles Cover "Let It Be" geriet zwar ein wenig zu kitschig, aber Paul McCartneys Komposition ist so genial, dass da kaum was schiefgehen kann. Dem Sänger/Songschreiber Mickey Newbury huldigte sie gleich dreimal und zwar mit "Angeline", "The 33rd of August" und dem besten Song des Albums (zumindest für mich), "San Francisco Mabel Joy". Ganz bemerkenswert auch Kris Kristoffersons "Help Me Make It Through the Night" mal aus weiblicher Sicht.
Trotz einiger Längen ist es großartige Musik und ein tolles Album, das seinen Platz in der Geschichte der populären Musik wahrlich verdient hat.
Der Erstausgabe des Doppelalbums war eine Single beigefügt, die Joan Baez allen Farmarbeitern der Welt widmete. Sinnigerweise wählte sie dafür Woody Guthries "Deportee" und "Maria Dolores". Die CD-Neuausgabe enthält diese beiden Stücke auf einer 2. CD und dazu noch eine Liveaufnahme.
Die Zeichnung am Cover stammt von Baez' damaligem Ehemann David Harris.