Was eine geile Scheibe!!!
Im Vergleich zur Live at Monterey deutlich bessere Klangqualität, die man insgesamt schon als annehmbar gut bezeichnen kann. Die fette aber klare Bassgitarre tritt meist deutlich hervor, die zwei Strom-Gitrarren liefern den typischen Sound der End-60er, klar aber doch schon rockig verschmutzt, so ähnlich wie er auch z.B. bei den B52 noch verwendet wurde. Der Gesang wird bestimmt durch Harmonie-, Dialog oder auch Gefecht zw. Frau Slick und Herrn Balin je nach Stimmung und Fortgang des Titels, toll sowas, und reiner Luxus zwei so gute Stimmen in einer Band - wer würde das heute noch machen. Ich finde allerdings, der Gesang von Slick ist etwas zu oft in den Hintergund gemischt, ich hätte ihn gerne fetter vorne gehört. Dann der Schlagzeuger Spencer Dryden, genial und soweit ich das beurteilen kann mit echtem Können, auch vom Jazz beeinflußt. Manchmal erinnert sein Spiel mich irgendwie an Copeland von Police.
Wenn der mal loslegt (was leider nur selten passiert) dann hat das echt Groove, sehr schön z.B. zu hören am Beginn und Ende des ersten richtigen Stücks (Nr.2 auf der Cd) "3/5 of a mile". Leider ist auch das Schlagzeug oft nicht gut genug aufgenommen, so dass Snare und Becken manchmal im Hintergundbrei verschwinden - schade, nungut, man kann nicht alles haben. Für eine Live-Aufnahme aus den Jahren 1968-69 aber insgesamt gut bis sehr gut, da gibt es auch heute noch deutlich schlechtere Aufnahmen.
Die Titel kommen gut daher, und werden bei mehrmaligen hören immer interessanter. Was am Anfang noch etwas chaotisch anmutet z.B. manche Gitarrentöne und -einsätze, bekommt mit der Anzahl der Hörproben irgendwie immer mehr Sinn. Die ersten 3 Titel (nach dem Clergy-Intro) kann ich gar nicht oft genug hören. Der vierte Titel "Rock me Baby" ist ein Blues-Standart (B.B.King usw.), gut vorgetragen, aber nicht so mein Ding.
Dann kommen drei Titel gut abgerockt, für den heutigen Geschmack vielleicht etwas chaotisch, aber eben typisch für J.A. "Turn out the lights" scheint ein kurzes unmittelbar auf der Bühne entstandenes Live-Gimmick zu sein (Rag-Time-Improvisation 50 Sekunden) woran man z.B. auch die vielfältige musikalische Qualität der Musiker erkennt. Bear Melt dagegen geht über 10 Minuten und baut sich langsam auf.
Die folgenden drei Ad-On-Stücke "Today", "Watch her ride" und "Won´t you try" sind wieder super Klasse. Today eine langsame Ballade, die wirklich schön klingt, wobei der dunkle saubere Bass eine mystische Stimmung aufbaut und die Stimmen von Balin und Slick diese Stimmung dann aufklart. Ach gäb es doch heute noch solch verschwenderische Musik im Radio zu hören. Die Leuts der End-60er sind echt zu beneiden.
Das Booklet liefert einige Seiten Text und Infos zu der Band, zu der Entstehung der Aufnahmen und zu den Titeln. Auch nicht schlecht!
Fazit: M.E. zeitlos gute Musik, die meist erst bei mehrmaligem hören immer eingängiger wird, gut genug klinkt und von der Besetzung der Band verschwenderischer Luxus ist. Die Live-Stimmung in den für heuitige Verhältnisse eher kleinen Hallen Filmore West+East kommt toll rüber und die Stimmung der angehenden Hippie-Ära lebt wieder auf. Auch jüngere Ohren könnten bei einigen Titel noch ins staunen kommen. Leider fehlt der Titel "White Rabit", der da bestimmt auch gut noch zu gepasst hätte. Für 5 Sterne würde ich mir auch das geniale Schlagzeug und die Stimme von Slick noch sauberer eingemischt wünschen. Daher nur 4 Sterne und mal bei den Slick-Alben nachgesucht.