"A Blaze In The Northern Sky" markiert gleich zwei wichtige musikalische Ereignisse: zum einen wäre das die Abkehr der Norweger Darkthrone vom Death Metal, der noch auf dem Vorgängeralbum "Soulside Journey" praktiziert wurde; zum anderen wurde damit (noch vor der Aufnahme des für die Szene nicht minder wichtigen "De Mysteriis Dom Sathanas" von Mayhem) gleich ein Referenzwerk der zweiten Black-Metal-Generation geschaffen, dessen Nachwirkungen bis heute deutlich spürbar sind. Genau diese Nachwirkungen sind es auch, die innerhalb der Szene bis in die Gegenwart für Diskussionsstoff sorgen. Diese Auseinandersetzungen beschäftigen sich vor allem mit der Frage, wie Black Metal klingen MUSS, die sich aber aus meiner Sicht bei der wohl extremsten aller Musikrichtungen von selbst ad absurdum führt.
Die Platte startet mit einem zähen Brocken, in den eines der besten Black-Metal-Intros überhaupt gleich integriert wurde: "Kathaarian Life Code" ist ein 10minütiger, schwerer Song, der sämtliche Trademarks der Band und eigentlich der gesamten damaligen Szene vereint. Raserei und schleppendes Midtempo, unterlegt von flirrenden Gitarren, einem zeitweise einsetzenden Double-Bass-Gewitter und einem Sänger, dessen hasserfülltes, zeitweise tatsächlich unmenschlich wirkendes Organ wie ein weiteres Instrument in das Lied eingebaut wurde. Nichtsdestotrotz finde ich den Opener etwas schwächer als die übrige CD, er ist aber dennoch deutlich im oberen Bereich der Wertungsskala angesiedelt.
Die restlichen fünf Songs beinhalten keinen einzigen Ausfall und genießen für mein Dafürhalten zu Recht Klassikerstatus. Vor allem der Titelsong, dem man die Punk-Wurzeln des Black Metal stellenweise recht deutlich anhört (ein Fingerzeig auf die Zukunft von Darkthrone?) und der mit einem sehr guten Gitarrensolo endet hat es mir neben dem mit fiesem Gesang, extrem guten Gitarren und interessanter Basslinie ausgestatteten "Paragon Belial" angetan. Aber auch "In The Shadow Of The Horns" (verhältnismäßig eingängig), "Where Cold Winds Blow" und "The Pagan Winter" wissen vorbehaltlos zu überzeugen, sodass am Ende nur die Höchstnote stehen kann. Neueinsteigern sollte aber auch klar sein, dass das, was man hier zu hören bekommt absolut nicht "schön" ist. Die CD ist düster und furchteinflößend, immer wieder eingestreute Samples und bösartiger Sprechgesang lassen das Gefühl eines vertonten Alptraums aufkommen. Wer durch eine solche Beschreibung neugierig geworden ist, sollte unbedingt ein Ohr riskieren - vorbeikommen kann man an dieser Platte als potentieller Black-Metal-Hörer kaum.
Ein Wort noch zur im Zusammenhang mit Darkthrone immer wieder angesprochenen Produktionsseite: in meinen Ohren gibt es an "A Blaze In The Northern Sky" in diesem Bereich nicht viel auszusetzen (vor allem im Vergleich zu den unmittelbaren Nachfolge-Werken). Auf entsprechender Lautstärke und mit brauchbaren Boxen kommt der Ton für meinen Geschmack sogar sehr differenziert zur Geltung und lässt bei wiederholtem Hören viele Details erkennen, die trotz sehr rauem Sound nicht untergehen. Diese Art von Klang, der heute oft kopiert wird, um so "nekro" wie möglich zu sein, wird aus meiner Sicht nur von den Originalen erreicht - alle anderen, die es versuchen, scheitern kläglich daran und gehen im matschigen Sound unter.