Wer ein Autoradio mit gutem RDS-Radioempfang, Wiedergabe von selbstgebrannten Musik-CDs (auch CD-R und CD-RW), MP3-CDs oder MP3-Dateien vom USB-Stick ohne viel Schnick-Schnack drumherum in der 100-Euro-Klasse sucht, sollte sich das Blaupunkt Madrid 210 mal ansehen.
Ausstattungsdetails siehe oben in der Produktbeschreibung, ich beschränke mich hier mal auf die Besonderheiten, die mir positiv oder negativ aufgefallen sind.
- Der Einbau -
Geliefert wird das Radio mit einem abnehmbaren Bedienteil, Aufbewahrungsbox aus Plastik für dieses, ISO-Einbaurahmen zum Fixieren im Radioschacht, ein paar Befestigungsschrauben und eine gedruckte Bedienungs- und Einbauanleitung in mehreren Sprachen, auch Deutsch. Vorverstärker-Anschlüsse für vier Kanäle mit Cinch-Stecker sind ebenso zu finden. Ein Adapterkabel passend zum eigenen Fahrzeug liegt NICHT bei und muss zusätzlich bestellt werden.
Normalerweise sollte ein vorhandener dreiteiliger ISO-Radiostecker passen, aber VORSICHT: Die Kabelbelegung kann trotz passendem Steckers abweichen!! So sind z.B. bei VW und Opel die Anschlüsse für Dauer-12V und Zündschloß-12V vertauscht. Dadurch vergisst das Radio nach dem Abstellen seine Einstellungen.
Außerdem hat Blaupunkt die Kontakte 1 und 3 nun mit Subout belegt. Dies kann mancher Autoelektronik schaden, die diese Kontakte anderweitig nutzen!! Im Zweifel die Kabelbelegung beider Seiten genau studieren oder lieber den Fachmann ranlassen.
Ein- und Ausbau gehen im ISO-Radioschacht recht einfach. Spezialwerkzeug zum Rausziehen ist nicht mehr nötig.
Das Bedienteil lässt sich leicht aufstecken und abnehmen. Der USB- und AuxIn-Anschluss auf der rechten Seite gehört nicht zum Bedienteil, breite USB-Sticks könnten diesem aber im Weg stehen. Die USB-Buchse ist durch eine aufklappbare Gummikappe geschützt. Die schwarze Aufbewahrungsbox für das Bedienteil aus Plastik ist ziemlich groß. Ich finde diese für unterwegs unhandlich.
- Im Einsatz -
Ein- und Ausschalten erfolgt über (längeres) Drücken des Drehknopfs. Nach dem Einschalten braucht das Radio 5 Sekunden, ehe der erste Ton rauskommt. Es merkt sich aber die zuvor eingestellte Lautstärke und Musikquelle. Die Wiedergabe setzt an der letzten Stelle fort, sofern das Medium noch da ist.
Auch wenn die Zündung aus ist, kann das Radio eingeschaltet werden (entsprechende Verkabelung vorausgesetzt). In diesem Modus beendet es sich aber nach einer Stunde von alleine, um die Autobatterie zu schonen. Beim Ausschalten lässt sich das Autoradio ein paar Sekunden Zeit, um noch Goodbye zu sagen.
Der Lautstärkeregler ist zum Glück ein Drehknopf und kein lästiger Wippschalter, den man wiederholt drücken muss. Die Lautstärke lässt sich sowohl fein dosiert als auch zügig laut und leise stellen. Die anderen Tasten sind auch für "Wurstfinger" groß genug und einigermaßen gut zu ertasten. Neben der 4-Wege-Wippe auf der rechten Seite sind am unteren Rand 5 Stationstasten sowie links die Tasten MENU, DISPLAY und SOURCE vorhanden.
In der Werkseinstellung klingt das Autoradio etwas mau. Aber das ist flott über die Klangprofile oder 3-Band-Equalizer korrigiert. Einstellbar sind außerdem Bass, Treble, Balance links/rechts, Fader vorne/hinten, sowie Subout und Loudness. Leider sind diese Einstellungen nicht direkt abrufbar, sondern im Menü verteilt. Mit der Links/Rechts/Hoch/Runter-Wippe lassen sich alle Einstellungen leicht ändern, an manchen Stellen kommt auch der Lautstärkeregler für die Auswahl zum Einsatz.
Die Anzeige ist weiß -naja- hellblau auf dunklem Grund. Der Lautstärkeregler leuchtet dezent blau, die anderen Tasten sind rot beleuchtet. Entgegen den Vorgängermodellen sind die Farben nicht mehr wählbar. Die Helligkeit ist bei Tageslicht ausreichend, mit Einschalten der Fahrzeugbeleuchtung lässt sich die Anzeige dimmen (abhängig von der Verkabelung).
Die Anzeigezeile ist mit 15 Zeichen recht lang. Die Texte werden in 14-Segment-Zeichen dargestellt, die an alte LED-Uhren erinnern. Die Lesbarkeit ist deshalb nicht so schön wie bei Punktmatrix-Anzeigen, es werden nur Großbuchstaben und einige Sonderzeichen dargestellt. Schaut man von schräg oben auf das Display (was beim Autofahren meist der Fall ist), zerfließen die Buchstaben von Lauftexten etwas (Nachleuchten), was das Lesen etwas mehr erschwert - schaut man senkrecht darauf, ist dieser Effekt verschwunden.
Der Wechsel der Musikquelle erfolgt über die SRC-Taste, reihum FM1, FM2, FMT, MW, LW, CD, USB, AUX. Die Quellen CD, USB und AUX werden nur aufgelistet, wenn auch ein Medium eingelegt bzw. angestöpselt ist. Die Senderebenen FM2, FMT, MW und LW können im Menü wegkonfiguriert werden, das macht die Suchreihe wieder angenehm kurz. Wer zusätzlich über das Autoradio SD-Karten lesen oder iPods steuern will, sollte sich lieber die größeren Brüder San Francisco und Toronto holen.
- Radio -
Das Radio kann sowohl UKW (mit RDS-Sendersuche), Mittelwelle und Langwelle empfangen, Verkehrsfunk und Programmtypauswahl werden auch unterstützt. Der Empfang hinterlässt bisher einen guten Eindruck. Natürlich macht eine gute Antenne mehr aus als ein Empfangsteil. Der automatische Senderwechsel dank RDS erfolgt meist unauffällig. In der Anzeige wird anfangs die Frequenz und danach der Sendername (sofern mitgesendet) angezeigt. Weiterer RDS-Texte werden nicht dargestellt.
Ein manueller Senderwechsel erfolgt über die Wippe rechts/links, für einen Suchlauf länger gedrückt halten. Eine direkte Frequenzeingabe ist nicht möglich. Es können bis zu 3x5 UKW-Sender, 5 MW- und 5 LW-Sender auf Stationstasten gespeichert werden. Dazu einfach die neue Stationstaste länger gedrückt halten.
- CD -
Das Autoradio frisst sowohl Audio-CDs (CDDA) als auch selbstgebrannte CD-R und CD-RW Scheiben (ISO 9669 Level 1+2, Joliet), sofern diese nach dem Brennen abgeschlossen (finalisiert) wurden. Titel von Audio-CDs werden nur noch als Tracknummern angezeigt, CD-Text wird leider nicht mehr unterstützt (mag in Zeiten von MP3-CDs entbehrlich sein, aber trotzdem schade).
Von CD werden auch MP3- und WMA-Dateien (ohne DRM-Schutz) gelesen. Diese werden leider nicht nahtlos aneinander (gapless) abgespielt, was bei Konzertmitschnitten oder Hörbüchern stören kann. Außerdem sollte man die Stücke in passender Reihenfolge mit durchnummerierten Dateinamen a la "01 Genesis - No Son Of Mine.mp3", "02 Genesis - I Can't Dance.mp3", o.ä. ins Verzeichnis legen, wenn man auf die gewünschte Reihenfolge Wert legt. Playlists wie *.m3u oder *.wpl werden leider ignoriert, ebenso Tracknummern aus den ID3-Tags (das Programm MP3Tag hilft beim Sortieren und Umbenennen der Dateien).
Für die Anzeige werden die Metadaten der Musikstücke wie Titel, Artist und Album als Lauftext verwendet. Hier macht sich die längere Anzeigezeile mit 15 Zeichen bezahlt, aber ewig lang sollten die Texte trotzdem nicht werden.
Nach dem Einlegen einer neuen CD dauert das Einlesen einige Sekunden. Das Autoradio durchsucht die Verzeichnisse auf dem Medium nach MP3- oder WMA-Dateien, vom obersten Root-Verzeichnis beginnend. Unterverzeichnisse sind auch möglich. Die Titelauswahl erfolgt mit der Wippe rechts/links, das Verzeichnis wird mit hoch/runter gewechselt. Innerhalb eines Musikstücks kann man zurück- und vorspringen, dazu die Wippe links/rechts länger gedrückt halten. Titel lassen sich in zufälliger Reihenfolge (Verzeichnis oder ganzes Medium) abspielen. Gilt ebenso für das wiederholte Abspielen von Titeln.
Sucht man einen bestimmten Titel, kann man mit der Taste LIST die Verzeichnisstruktur durchstöbern. Die aktuelle Wiedergabe wird davon nicht gestört. Alternativ kann man auch mit dem Lautstärkeregler flott durch Titellisten scrollen - diese angenehme Hilfe muss aber zuvor einmal im Menü eingeschaltet werden (Fast-Browsing).
Wer bisher lieber mit AAC-Dateien oder anderen Codecs gearbeitet hat, wird seine Musiksammlung auf MP3 oder WMA konvertieren müssen. Dieses Autoradio ignoriert alle anderen Dateitypen.
- USB -
Egal ob USB-Speicherstick oder USB-Kartenleser für SD- oder andere Arten von Speicherkarten: Wie oben bei den Daten-CDs werden MP3- und WMA-Dateien (ohne DRM-Schutz) abgespielt. Die Massenspeicher müssen allerdings mit dem Dateisystem FAT16 oder FAT32 formatiert sein, NTFS mag dieses Autoradio nicht. Das erste Einlesen dauert einige Sekunden, je nach Datenmenge. Auswahl und Durchsuchen der Titel erfolgt auch wie oben. Allerdings erscheinen die Verzeichnisse und Musikdateien unsortiert. Genauer: Sie werden in der Reihenfolge aufgelistet, wie sie im FAT-Dateiverzeichnis eingetragen sind. Im Windows Dateiexplorer lässt sich dies nicht kontrollieren, dazu muss man schon die Eingabeaufforderung (DOS-Box) bemühen und dort den Befehl "dir" auf dem entsprechenden Laufwerk ausführen.
Laut Herstellerangabe dürfen auf SD-Karten bis zu 1500 Dateien oder Unterordner je Verzeichnis stehen, USB-Medien dürfen bis zu 20.000 Dateien oder Verzeichnisse umfassen. Ich hab die Limits noch nicht überprüft...
16GB-Speicherkarten am USB-Port scheinen für dieses Gerät kein Problem zu sein.
- Fazit -
Wer ein schlichtes aber solides Autoradio mit RDS, CD und USB-Anschluß ohne viel Schnick-Schnack drumherum sucht, ist bei diesem Produkt gut aufgehoben.
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