Torch, vielen heute kaum noch bekannt, der Altmeister des deutschen Rap, legt hier ein Album vor, das sich seinen Aussagen nach nicht nach Standards wie Technik oder Mode richtet. Das tut es in der Tat nicht, sondern setzt einfach neue. Frederick Hahn, wie Torch mit bürgerlichem Namen heißt, beweist, daß Hiphop mehr zum Ausdruck bringen kann als Marihuana-Fanatismus oder Partystimmung, indem er in seinen intelligent strukturierten Stücken seinen Schwerpunkt auf Philosophie, Politik und Gefühle setzt, Themen, die für manchen anderen Rapper tabu sind oder solchem zumindest sauer aufstoßen. Torch dagegen erzählt seinen Hörern ehrlich und ausdrucksstark von Liebe ("In deinen Armen"), Leidenschaft ("Blauer Samt"), Weltschmerz ("Gewalt oder Sex", "Heute Nacht"), Selbstsuche ("Wer bin ich?", "Auf der Flucht") oder träumerischem Eskapismus ("Zeig mir den Weg"), kein bißchen ist die Härte oder Gefühlsverdrängung, die sonst im heutigen deutschen Hiphop oft zu finden ist, hier spürbar. Stattdessen erzählt er Geschichten von sich und nimmt seine Hörer völlig in den Bann mit der Tiefe seiner Gedanken. Darüber hinaus weicht Torch oft von der normalen Strophe-Refrain-Liedform ab und bevorzugt es in manchen Stücken ohne Unterbrechungen seine Gedanken zu äußern, verzichtet so dort auf Kehrverse, wo es dem inhaltlichen Konzept nichts bringt und das Stück höchstens eingängiger und somit platter machen würde. Das ganze bringt er mit der technischen Fertigkeit zu Gehör, die man nur durch die jahrelange Erfahrung erwirbt, die Torch aufzuweisen hat. Sein ganz individueller Flow, der wenig auf die Mode der Zeit gibt, verleiht somit den Stücken eine zusätzliche persönliche Note. Darüber hinaus featured er bevorzugt in Deutschland unbekannte DJs und Rapper, die eine sinnvolle Bereicherung für das Album bedeuten (Samy Deluxe feat. Eißfeldt & Das Bo würde langsam niemanden mehr vom Hocker reißen). Zur Auflockerung dieses an Bedeutungsschwere reichen Albums finden sich aber auch einige eher Spaß-orientierte Stücke, wie "Als ich zur Schule ging" oder "Rote Wellen". Das beste deutsche Hiphop-Album seit Jahren.