Mit "Die alten Zechen an der Ruhr" liegt ein Nachschlagewerk über die Geschichte des Steinkohlenbergbau im rheinisch-westfälischen Industriegebiet vor, das von den ersten Stollen im Raum Witten bishin zum (fast will man sagen leider) auslaufenden High-Tech-Bergbau des ganz jungen 21. Jahrhunderts Entwicklungen abbildet, Geschehnisse aufzeigt und so ein interessantes Panorama der geschichtlichen Entwicklung des Ruhrgebiets zeichnet. Es ist aus meiner Sicht Geschmackssache, wie detailliert man als Leser hier inhaltlich einsteigen will; schließlich liefert das Buch neben dem allgemeinen Text auch kurze "Lebensgeschichten" aller Ruhrzechen! Ein Mammut-Vorhaben, von den Eheleuten Hermann liebevoll durchgeführt und in den jüngsten Ausgaben mit Unterstützung von Co-Autoren vervollständigt - dass sich da der ein oder andere Fehler einschleicht oder gewisse Dinge schnell mal ünerholt sind, ist kaum vermeidbar. Viel entscheidender sind für mich die vielen hundert Fotos von Schachtanlagen, Wohnvierteln, ganzen Ort- und Landschaften im Revier, von ganz früher bis heute. Es ist einfach, gerade auch für junge Menschen, die den Bergbau nur noch aus Erzählungen der Großeltern kennen, faszinierend zu sehen, wie sehr dieser Industriezweig unsere Region geprägt und zu dem gemacht hat, was sie heute ist: eine riesige, pulsierende Metropolregion! Ganz entscheidend bei der Bewahrung des Kulturguts Bergbau ist der Denkmalschutz, dem das Buch völlig zurecht großen Stellenwert zuweist - in diesem Zusammenhang sind auch die Verweise auf noch vorhandene Baudenkmale des Bergbaus sehr wertvoll. "Die alten Zechen an der Ruhr" ist so auf jeden Fall ein Standardwerk für alle, die sich für die Geschichte des Ruhrgebiets und/oder der Montanindustrie in Deutschland interessieren, wobei die Impressionen, die die vielen vielen Fotos liefern, eindeutig den entscheidende und schönste Aspekt dieser Veröffentlichung darstellen.