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4.0 von 5 Sternen
Das weiße Nashorn hinter uns, 28. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Blaue Pillen (Broschiert)
AIDS, besser gesagt HIV aus einer ganz anderen Perspektive, wie wir es aus diversen TV-Filmen, Serien und Kinofilmen gewohnt sind. Nicht um das Sterben an, sondern das Leben mit der Immunschwäche geht es. Peeters hat seine Geschichte innerhalb von nur drei Monaten gezeichnet und getextet, und es ist ein intimes Portrait seiner selbst und von seiner großen Liebe Cati. Man kann nur hoffen, dass die beiden immer noch zusammen sind, trotz aller Widrigkeiten. Vollends involviert war ich ab Seite 109, als das Kondom reißt. Manch einer mag die Situation kennen, aber wohl eher nur bezogen auf die Frage, ob eine Pille für danach in der Notambulanz verordnet werden soll. Bei Fred und Cati geht es um Leben und Tod, zumindest steht das immer im Raum. Die Krankheit und der eigene Körper müssen ständig beobachtet, Veränderungen registriert werden. Auch Catis Sohn hat den Virus, und ihr neuer Freund und er werden allmählich vertrauter. Das alles erzählt Peeters in einem liebevollen Tonfall, versagt sich auch Sentimentalitäten oder Mitleidsgetue - wobei auch das thematisiert wird (vor allem im Gespräch mit dem Mammut). Wie in einem Rausch muss Peeters diese Liebesgeschichte auf Papier gebracht haben, und sie ist noch berührender als "Blankets", weil hier jemand glaubwürdig zeigt, dass starke Gefühle selbst diesen unsichtbaren Widerstand durch eine gefährliche, wenngleich auch kontrollierbare Krankheit aushalten können. Dass es ihnen gelingt, daran hat auch ein Arzt entscheidenden Anteil. An einem gewissen Punkt rät er Fred sogar, was man kaum für möglich halten sollte: Er solle auf ein Kondom verzichten, aber seinen Penis "im Auge behalten" - er meint Wunden oder Abschürfungen. Ganz nebenbei leistet diese Graphic Novel noch etwas ganz anderes: Sie klärt den Leser über ein paar Dinge zum Thema Ansteckung auf und nimmt ein klein wenig die Panik der Gesunden vor dem Kontakt mit infizierten Menschen. Aber bitte nicht denken, es sei dafür gemacht (die AIDS-Stiftung wird nicht vollständig hinter den ärztlichen Aussagen in "Blaue Pillen" stehen können). Es ist einfach eine gute Geschichte und eine Auseinandersetzung mit Ängsten und Bedenken, die man nicht einfach so wegtheoretisieren kann. Eine Aufarbeitung, die so viele Leser wie möglich finden sollte.
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