In letzter Zeit habe ich wenig Bücher mit solcher Spannung gelesen, wie diesen viktorianischen Roman von Thomas Hardy. Im Mittelpunkt steht die junge, hübsche Elfride Swancourt, die als Tochter eines verwitweten Pastors in einer abgeschiedenen Gegend Westenglands lebt. Sie ist in der Tat das, was wir heute "blauäugig" nennen, impulsiv, warmherzig und vertrauensvoll, und gerät dadurch mit den rigiden Moralvorstellungen der Zeit in Konflikt. Das Problem des Romans gleicht dem der Romane Jane Austens: Wie findet ein Mädchen der Mittelschicht bzw. des Landadels den richtigen Mann? Ist es der junge Archikrkt aus einfachem Hause, oder eher der Redakteur aus London? Die damit verbundenen Probleme ergeben sich aus den gesellschaftlichen Gegebenheiten und den Charakteren.
Diese sind alle komplex gezeichnet, die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten genau dargestellt, wobei nichts Klassenkämpferisches anklingt. Der Erzähler reflektiert gelegentlich über seine Personen, was aber nicht stört, weil der Leser dadurch mehr Klarheit über sie erhält. Hervorzuheben sind auch die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen. Die Handlung ist ungeheuer spannend, das Ende unerwartet, aber zwingend. Hardy nimmt alle Fäden, die er gesponnen hat, wieder auf und verknüpft sie meisterlich. Ein sehr empfehlenswertes Buch.