Im eigentlichen Sinne ist Blau steht dir nicht" kein Roman, auch kein Matrosenroman". Die romanhaften Episoden über die kleine Jenny auf Usedom werden durchbrochen von einer Ich-Erzählerin, die auf ihren Reisen nach Riga, Odessa, New York und schließlich zurück nach Usedom und Greifswald Eindrücke schildert, die bestimmt sind vom Visuellen und Assoziativem. Und so ist dieses Buch eine eigenartige, aber doch stimmige Mischung aus der Geschichte der kleinen Jenny, die Matrosen liebt, und aus einer erwachsenen Ich-Erzählerin, die sich aufmacht, zu begreifen, was das für eine Sehnsucht ist, die die Matrosenuniformen in ihr geweckt haben. Fotos, die immer wieder in den Text gestreut wurden, lenken vom Lesen und Sich-selbst-ein-Bild-Machen ab, bieten bereits vorgefertigte Bilder zum Vergleich, zum Verharren, zu weiteren Vorstellungen. Und natürlich gehört zu dieser Mischung die Sprache der Autorin, die in ihrer Poesie und Melodie durchaus zu verzaubern weiß.
Blau steht dir nicht" ist keine leicht verdauliche Lektüre. Die Poesie und die Idee, die hinter diesem Buchprojekt steckt, vermag sicher nicht jeden Leser durchgängig zu fesseln. Da es keine wirkliche Handlung gibt, stehen die Eindrücke im Vordergrund. Es wird viel beschrieben, viel assoziiert, es werden viele gut recherchierte Informationen eingestreut. Man erkennt eine sprachgewandte und kluge Autorin, aber man sollte keinen Roman, keine Geschichte im herkömmlichen Sinne erwarten. Wer Sprache mag und eine gewisse Experimentierfreude mitbringt, sollte sich Judith Schalanskys Matrosenroman Blau steht dir gut" auf jeden Fall einmal ansehen. Wer Romane mit gut konstruierten, stringenten Handlungen bevorzugt, wird an diesem hier wahrscheinlich weniger Freude haben.