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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ungewöhnliche Autobiographie, ein Lese- und Sehvergnügen,
Rezension bezieht sich auf: Blankets (Taschenbuch)
„Aus unseren Lebkuchenformen betrachteten wir die Schatten, wie sie sich so lang wie möglich machten, und das Licht, das vom Himmel fiel und den Schneeteppich zum Glühen brachte." In seiner Autobiographie „Blankets" kann Craig Thompson von vielen derart schönen Momenten erzählen. Für zwei Wochen besucht er als Jugendlicher Raina, seine erste große Liebe. Im winterlichen Michigan der frühen 90er Jahre erleben beide eine Zeit, in der sich die Umwelt ausblendet und eine Decke (englisch: Blanket) aus Schnee den gewohnten Anblick verschwinden lässt. Hier, im Wald im Schnee liegend, hat Craig - ein nachdenklicher Einzelgänger - keine Berührungsängste, keine moralischen Bedenken. Aber so nah wie in diesen Lebkuchenformen kommen sie sich nicht immer. Oft zögert er, Raina zu berühren. Ist es Sünde? Die Frage plagt ihn wegen seiner fundamentalistisch-christlichen Erziehung immer wieder. Schon als Knirps werden ihm die Höllenqualen, die den Sündern drohen, veranschaulicht - jetzt bildet dieser religiöse Psychoterror eine Grenze zwischen Raina und ihm. Sie ist kein Außenseiter wie Craig, lebensfroher und realistischer. Als er ihre Augen „geheimnisvolle, kleine Teiche, in denen man versinken kann" nennt, warnt sie ihn lachend: „Gleich versinkst du in deinem eigenen abgedroschenen Gesülze." Thompsons umfangreicher Comic-Roman beeindruckt inhaltlich und graphisch. Zwei Gefahren hat der Autor dieser sehr persönlichen graphic novel souverän umgangen: Erstens wirkt die schwärmerische, leise, weltentrückte Liebe von Craig und Raina nicht kitschig. Zweitens sind Craigs religiöse Skrupel nachvollziehbar, nicht lächerlich, wobei man sich als Leser dennoch wünscht, dass er sich von ihnen befreien kann. In seinen schwarzweißen Zeichnungen komprimiert Thompson gelungen das Geschehen, Details sprechen für das Ganze. Eindrucksvoll auch, wie sich manche experimentell illustrierte Passagen - zum Beispiel eine Nacht von Craig und Raina, die er in surrealen Bildern zeichnet - in das Gesamtwerk einfügen. Bei allem Anspruch bleibt diese ungewöhnliche Autobiographie ein Lese- und Sehvergnügen. Dabei hat Thompson wegen religiös motivierter Zweifel beinahe das Zeichnen aufgegeben: „Träumen & Zeichnen ... die profansten und selbstsüchtigsten aller weltlichen Beschäftigungen!", denkt er als Jugendlicher und verbrennt alle Zeichnungen. Die Entscheidung war - Gott sei Dank! - nicht endgültig. So konnte der herausragende illustrierte Roman „Blankets" entstehen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Comic... ganz, ganz nahe an Literatur...,
Von Vainamoinen (Koblenz) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Blankets (Taschenbuch)
Es ist schon ein Wagnis: Ein autobiographischer Roman in Comicform. Autobiographisch, wirklich? Gerne wird Craig Thompson das einfach so abgenommen. Zuweilen wechselt er aber unversehens die Erzählperspektive, zeigt Szenen, die er selbst niemals mitbekommen haben kann (Szenen aus dem Leben von Rainas Vater und Mutter). Einige seiner Schicksalsschläge wirken auch nicht nur im wörtlichen Sinne überzeichnet. Ein anderes Problem ist die Veröffentlichung des Buches selbst - glaubt man den Worten und Bildern buchstäblich und Strich für Strich, so ist mit Erscheinen ein kaum kittbarer Bruch mit seinen Eltern verbunden. So muss man als Leser auch immer rätseln, was wahr ist und was Fiktion - was aber keineswegs Kritikpunkt ist, sondern in der Tat zur "literarischen" Interpretierbarkeit des Buches beiträgt.Thompsons Bildsprache ist nicht neu. So konzentriert und intensiv wie in "Blankets" allerdings konnte man sie noch in keinem Comic sehen. Gefühle werden durch expressionistische Experimente (z.B. "Verwischen" des Kopfes als Ausdruck für schmerzhafte Erinnerungen) und bildhafte Vergleiche (ein gehasstes Feldbett in einer dunklen Kammer bekommt gruselige Augen und Zähne) dargestellt; über visuelle Leitmotive wie die allgegenwärtige "Decke", das "Singen" und die "Seenot" hat der Zeichner volle Kontrolle - "Blankets" ist ohne Zweifel ein bildgewaltiges und allegorisches Werk. Zur Geschichte selbst müssen die wertenden Adjektive vorsichtig gewählt werden. Ist Thompsons Lebensgeschichte "banal"? Sicher nicht. Die Urängste des Teenagers, seine Leiden in Liebe, Religion, Familie und Schule, seine Einsamkeit, das Finden seines eigenen Selbst, sind weder langweilige noch unwichtige Themen. Neu sind sie allerdings auch nicht. So passt vielleicht der Terminus "abgegriffen" - ein altes Thema wird uns auf neue Art präsentiert. Ist Craigs Geschichte "inkonsequent" erzählt? Sicher auch nicht. Die Anonymität, in der etwa seine Mutter und sein Bruder verschwinden, ist gewollt, zeigt uns die Grenzen der Perspektive des Autors auf, der insbesondere die Teenager-Zeit seines Bruders einfach nicht mitbekommen hat. So wundert es nicht, wenn dieser Bruder auf lange Strecken des Buches ausschließlich in Kindheits-Rückblenden oder (und hier wird der Leser wirklich mit der Nase auf eine zugrundeliegende Erzählabsicht gestoßen!) nur von hinten gezeigt wird. Oder die Mutter anfangs nur in Ausnahmemomenten ein Gesicht bekommt (meistens dann, wenn es um christliche Erziehung geht). Statt "inkonsequent" mag allerdings das Wort "ausschweifend" passen. Für eine eingehende Charakterisierung auch seiner Nebenfiguren verweilt Thompson sehr gerne in Momenten, die für die eigentliche Handlung eher zweitrangig sind. Mit scharfer Beobachtungsgabe zeigt er etwa den Vater und die mongoloiden Adoptivkinder der Familie seiner Freundin Raina. Nicht immer kann man sich des Eindrucks erwehren, dass sich Thompson in der Darstellung der fremden Familie festfährt; unbestritten ist dagegen, dass das Panorama dieser Familie letztlich in sich geschlossen und an sich erzählwürdig ist. Was Craig Thompson allerdings wirklich angekreidet werden kann, ist ein spezifisch autobiographisches Problem. Ein Autor eines vollkommen fiktiven literarischen Werks kann versuchen, am Ende einen "Sinn", ein "Fazit", eine "Endsituation" oder gar eine "Auflösung" aus den beschriebenen Geschehnissen zu stricken. Bei echten Lebenserfahrungen wirkt das immer etwas bemüht, und eben das unterläuft leider auch Thompson. Die "Endsituation" des Verhältnisses zu seiner Familie wirkt aufgesetzt und angesichts früherer Erfahrungen fast absurd; das angedachte Fazit "Hey, aber für eine Weile habe ich Spuren hinterlassen" ist nicht nur für den Leser unbefriedigend, sondern kann es auch für den Autor nicht sein. So fehlt diesem grandiosen Werk letztlich doch noch ein Stern zur Perfektion. Raum also für aufstrebende Comic-Autoren, das epochale "Blankets" vielleicht doch noch zu übertreffen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie wunderbar...,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Blankets (Taschenbuch)
...kann eine Geschichte erzählt werden? Das habe ich bei der Lektüre dieses großartigen Werkes stets gedacht. Die zarte Liebesgeschichte wechselt sich ab mit kurzen Szenen aus der Kindheit des Erzählers. Dies geschieht so flüssig und geschickt, daß die verschiedenen Zeitebenen voll Harmonie zueinander stehen.Keine Sekunde konnte ich das Buch aus der Hand legen bis ich zur letzten Seite kam. Und obwohl meine Kindheit und Jugend von gänzlich anderen Eindrücken und Erfahrungen geprägt war, hat mich diese Erzählung so berührt, daß mir das Herz brach und ich unter Tränen der Rührung Abschied nahm. Ich beneide jeden, der die kathartische Erfahrung der Lektüre dieses Werkes noch vor sich hat. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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