Nachdem er sein letztes Abenteuer nicht ganz unbeschadet überstanden hat, gönnt sich der englische Physiker und Hobby-Archäologe Professor Mortimer eine Genesungspause. Doch diese wird jäh unterbrochen. Ihm werden spektakuläre Funde der Überresten einer versunkenen Zivilisation gemeldet. Das Besondere der Stätten: Sie liegen Tausende von Kilometern voneinander entfernt in Afrika und der Antarktis - und die Altersanalyse zeigt als Ergebnis 350 Millionen Jahre an. Mortimer verliert keine Zeit und macht sich auf nach Ostafrika um den angeblichen Ursprung der Menschheit zu erkunden - ohne auf seine obskuren Verfolger zu achten.
Mit «Das Heiligtum von Gondwana» erscheint nun das 18. Abenteuer des Duos Captain Blake und Professor Mortimer, welches vom verstorbenen, belgischen Comic-Schöpfer E.P. Jacobs in den 1940er Jahren erfunden wurde und nun von Autor Yves Sente und Zeichner André Juillard weitergeführt wird. Die auf den ersten Blick abstruse Handlung um eine Millionen von Jahren alte Kultur wird nachvollziehbar erklärt und bleibt bis zum Ende, das mit einer ungeahnten Wendung zu überraschen vermag, spannend. Erfrischend charmant wirkt auch das in den 1950er-Jahren angesiedelte Szenario, bei denen im Gegensatz zu vielen aktuellen Publikationen mal keine Antihelden mit Charaktermängeln, sondern gestandene, britische Gentlemen die Hauptrolle spielen. Grafisch bleibt der vorliegende Band im Rahmen der frankofonen Comic-Tradition, was sich im klaren Strich, der erdigen Farbgebung und den eher kleinformatigen Panels äussert. Diese sind auch das grösste Manko des Comics. Aufgrund der zahlreichen Panels wirken die Seiten oft überfrachtet und das starre, abwechslungsarme Schema führt beim Lesen manchmal zu Ermüdungserscheinungen. Trotz dieser Abstriche bleibt «Das Heiligtum von Gondwana» eine äusserst lesenswerte Abenteuer-Geschichte, die auf intelligente Art unterhält und aufgrund der moderaten Gewaltdarstellungen auch jüngeren Leser zumutbar ist. (Sasa Rasic bei Comic-Check)