Als Kinokind der 80er gehöre ich noch der Generation an, die den "Blade Runner" in seiner (ich nenne es mal so) Ur-Fassung im Kino gesehen hat. Nach den Vorab-Previews in den USA in den 80ern hatte der "director's cut" beim Testpublikum so gefloppt, daß man sich zu einer Überarbeitung entschloss. Aus Schnittabfällen von "Shining" (Luftaufnahmen vom Waldgebiet entsprechen denen der dortigen Startsequenz) bastelte man ein Happy End zusammen und gab der Handlung einen (im Sinne der Romanvorlage widersinnigen) Epilog, indem Deckard mit seiner Liebsten irgendwie in die Wälder abhaut (was in Anbetracht der zerstörten Natur des Planeten Stirnrunzeln verursachen sollte...). Der Off-Komentar durch Deckard spricht dazu die letzten Worte vor dem Abspann: "Wir wussten nicht, wieviel Zeit uns beiden bleiben würde... - aber wer weiß das schon?". Romantisch ist das schon irgendwie, daher bevorzuge ich trotz aller Gegenargumente diese Fassung, die sich im Übrigen durch die kontinuierlich erklärenden und kommentierenden Äußerungen Harrison Fords (ähnlich dem Stile der Detektivkrimis a la Chandler) von der seither verbeiteten DC-Version unterscheidet. Auch die inhaltliche Nuance der Möglichkeit, Deckard sei selbst Blade Runner und Replikant in einem, ohne sich dessen bewußt zu sein, wurde zum ersten Kinostart unterschlagen. Die Traumsequenz mit dem Einhorn (im "director's cut wiedereingefügt), von der Deckard zu niemandem spricht, und deren Entsprechung sich ihm dennoch in der letzten Szene in Form eines Origami-Exemplars, hinterlassen von seinem Verfolger, aufdrängen muss, gewinnt so einen ganz anderen Kontext. Unterm Strich habe ich mich, nachdem ich diese Version so oft gesehen habe, mit dem "Director's cut", der komplett neu synchronisiert worden ist, nie anfreunden können, und empfehle jedem Freund des Films den Vergleich beider Fassungen. Bei der VHS Kassette bleibt zu bemängeln, daß, wie damals üblich, die Seiten des CS Bildes gekappt worden sind, um auf den guten alten 3:4 Bildröhren bildfüllend zu sein...