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36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vielschichtige Zukunftsvision., 23. September 2002
Der "Blade Runner" ist mit Sicherheit der mit Abstand bekannteste Roman von Philip Kindred Dick, was er vor allem seiner Verfilmung durch Ridley Scott im Jahr 1982 verdankt. Diesen Film hat Dick leider nie in seiner endgültigen Fassung sehen können, denn er verstarb zu jener Zeit an den Folgen mehrerer Schlaganfälle.Zur Story: Der Androidenjäger Rick Deckard übernimmt den Auftrag, sechs vom Mars auf die Erde geflüchtete Androiden aufzuspüren und zu eliminieren, denn diese haben auf ihrer Flucht mehrere Menschen umgebracht. Vom ausgesetzten Kopfgeld will er sich und seiner depressiven Frau ein lebendiges Tier kaufen, nachdem sein elektrisches Schaf einen Defekt erlitten hat. Denn Tiere sind nach dem letzten totalen Krieg zum absoluten Statussymbol geworden - der radioaktive Niederschlag hat die meisten Tierarten aussterben lassen und die überlebenden selten und kostbar gemacht. Die Androiden auf Ricks Liste gehören jedoch zu einem neuen Typus namens Nexus 6, der äußerlich nicht mehr von Menschen zu unterscheiden ist - lediglich ein Empathietest kann den Unterschied deutlich machen. Hinzu kommt, dass manchen Androiden falsche Erinnerungen eingegeben werden, so dass sie selbst nicht mehr wissen, dass sie Androiden und keine Menschen sind. Die zwischendurch auftauchende Frage "Wer ist Mensch und wer ist Imitation" ist somit vorprogrammiert. Rick Deckards Jagd nach den Kunstmenschen wird eine Jagd nach der eigenen Wahrhaftigkeit und der Sinngebung seines Handelns... Ganz anders als im Film, wird hier nicht allein der Schwerpunkt auf die Androidenjagd an sich gelegt, sondern das psychologische Profil eines Menschen gezeichnet, der in einer zerstörten und aus den Fugen geratenen Welt nach einem sinnerfüllten Dasein strebt. Hier spielt auch die fiktive Religion des Mercerismus eine wichtige Rolle (Mercer ist eine Art Messias, mit dessen Geist die Gläubigen über eine Empathie-Box verschmelzen können), welche der Film komplett auslässt. Letztlich erweist sich die ganze kaputte Welt als ein auf künstlichen Säulen ruhender Fake, mit dem sich die Menschen selbst betrügen, um sie noch irgendwie ertragen zu können. Wer vom Film zum Buch kommt, wird sich über vieles wundern, was hier - in der Vorlage - anders ist, angefangen bei den Rollen der einzelnen Personen über die anders gesetzten Schwerpunkte bis hin zum gänzlich anderen Verlauf und Ausgang der Geschichte. Tatsächlich sind die Storys von Buch und Film zwei verschiedene, die zwar miteinander verbunden sind, jedoch jede für sich als eigenständiges Werk Anerkennung verdienen. Der Film hat diese in jedem Fall bekommen, gilt er doch mittlerweile als Klassiker eines ganzen Genres. Das Buch und sein Autor kommen erst mit der Zeit (letzterer leider nur posthum) in diesen Genuss. Eine Anerkennung ist sicherlich die Neuauflage des "Blade Runners" und vieler anderer Romane und Kurzgeschichten von P. K. Dick (darunter auch "Minority Report") im Heyne Verlag, womit der Autor hierzulande endlich wieder einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird, nachdem das meiste seiner Werke für lange Zeit vergriffen war. An dieser Stelle auch noch einmal Dank an den Haffmans Verlag, der seit kurzem leider nicht mehr existiert. Hier erschien - neben einigen Romanen Dicks - eine komplette und gebundene Gesamtausgabe sämtlicher Kurzgeschichten in zehn Bänden.
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Beleg dafür wie gut Science-Fiction sein kann, 9. September 2008
Ohne Zweifel handelt es sich bei Philip K. Dicks "Blade Runner" um das bekannteste Buch von ihm, was er natürlich in erster Linie der großartigen Verfilmung von Ridley Scott verdankt. Harrison Ford spielt dort die Rolle des Androidenjägers Rick Deckard, der den Auftrag übernimmt sechs vom Mars auf die Erde geflüchtete "Andys" aufzuspüren und zu eliminieren, da sie auf ihrer Flucht mehrere Menschen umgebracht haben.
Scott hat sich bei seinem 1982 erschienen Film eng an die literarische Vorlage gehalten, wenngleich das Buch andere Schwerpunkte legt und seine Story noch düsterer daherkommt. Steht auf der Leinwand vorwiegend die Jagd auf die Androiden bzw. Replikanten im Vordergrund, geht Dick mehr auf das psychologische Profil der Figur Deckard ein, die an ihrem Auftrag zu zerbrechen droht und verzweifelt versucht der nach dem letzten Weltkrieg radioaktiv verseuchten Erde den Rücken zu kehren. In dieser zerstörten, apokalyptischen Welt strebt er nach einem Sinnerfüllten Dasein, ohne selbst mit Sicherheit zu wissen, ob er nicht ebenfalls nur ein Androide ist, dem falsche Erinnerungen eingeben worden sind. Auch seine Beute stellt ihn vor gewisse Schwierigkeiten. Die "Andys" vom Typ Nexus 6 sind äußerlich nicht mehr von Menschen zu unterscheiden. Lediglich ein Empathietest kann den Unterschied deutlich machen.
Rick Deckards Jagd nach den künstlichen Menschen wird somit zu einer Jagd nach der eigenen Wahrhaftigkeit und der Sinngebung seines Handelns. Wer den Film zuerst gesehen hat, wird sich hier sicher über vieles wundern. Nicht nur die Schwerpunkte sind anders gelegt, auch Verlauf und der letztendliche Ausgang der Geschichte gehen einen völlig anderen Weg. Ein Manko? Keinesfalls. "Blade Runner" liest sich wie aus einem Guss und fesselt mindestens genauso wie die Kinofassung. Auf eine eindringende Art und Weise vermittelt Dick dem Leser Deckards Gefühle und lässt einen tief in eine Welt eintauchen, in der man sich mittels künstlicher Emotionsboxen vom trostlosen Alltag abzukapseln versucht. Er zeigt Grenzen auf, die keine zu sein scheinen, stellt den Protagonisten vor Entscheidungen auf die wir selbst keine Antwort kennen. Es ist ein Trip durch die Unterwelt des menschlichen Geistes und wir sind mittendrin. Mehr als einmal haben mich Dicks düstere Visionen der Zukunft (der Roman wurde immerhin bereits 1968 geschrieben) erschüttert und zum Nachdenken angeregt. Das Ende, das Rick Deckard völlig desillusioniert zurücklässt, prägt und setzt ein dickes Ausrufezeichen hinter ein großartiges Buch.
Insgesamt ist "Blade Runner" das, was man einen Klassiker zu nennen pflegt. Stets spannend, immer interessant, durchweg zeitlos und trotz seiner Einfühlsamkeit und ruhigen Erzählweise nie langatmig. Kurzum: Ein Beleg dafür wie gut Science-Fiction sein kann und ein Werk, das Lust auf viel, viel mehr aus diesem Genre macht.
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25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wenn Maschinen zu leben beginnen, 23. Oktober 2005
Philip K. Dicks Meisterwerk „Blade Runner" dürfte jedem halbwegs belesenen Menschen schon einmal untergekommen sein. Nicht nur deshalb weil es einen gleichnamigen Hollywoodfilm gibt der Kultstatus inne hat sondern auch weil mit dem Namen Philip K. Dick eine lange Tradition der amerikanischen Literatur verbunden ist. Dicks Name bürgt für lesenswerte Science Fiction in Reinkultur, ob am Rande des „Okkulten" oder Surrealen, so ist er dabei immer am Puls der Zeit, wenn nicht sogar in zeitlosem Raum. Doch zurück zum Roman. Blade Runner erzählt die Geschichte von Rick Deckard, einem Prämienjäger des auslaufenden 20. Jahrhunderts, der in den strahlenverseuchten Ruinen San Franciscos auf der Jagd nach Androiden ist, um sich damit einen Lebensunterhalt zu verdienen. Mit Laserrohr und Voigt-Kampff Test bewaffnet durchstreift er sein Revier nach entflohenen „Andys". Jeder Abschuss bringt ihm Geld, dass er in ein viel gewünschtes Tier investieren möchte, am liebsten einen Strauß. Tiere sind nach dem letzten Weltkrieg, der fast alle Tierarten ausgelöscht hat, nämlich so was wie Statussymbole, die einem den Platz in der totalitären Klassengesellschaft weisen. Und Deckard will nach oben. Mit der Zeit und mit jedem erledigten Androiden schwindet das Gefühl Deckards für reales Leben, die Grenzen zwischen echtem und künstlichem Leben verschmelzen. Gewissenbisse quälen Deckard, Abgründe tun sich auf, er ist nahe dem Scheitern, bis er Rachel Rosen trifft und sich ein neues Bild seines Lebens eröffnet. Eines das sein Leben verändern wird. Auf eine eindringende Art und Weise vermittelt Dick seinem Leser das Gefühl, dass Deckard erlebt wenn er Herr über das „Leben" ist. Er zeigt Grenzen auf, die keine zu sein scheinen, stellt den Protagonisten vor Entscheidungen auf die wir selbst die Antwort nicht kennen. Es ist ein Trip durch die Unterwelt des menschlichen Geistes und wir mittendrin. Blade Runner ist das was man einen Klassiker zu nennen pflegt, immer spannend, immer interessant, durchwegs zeitlos und dennoch einfühlsam und ruhig. Wie gesagt, ein Klassiker!
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