...alles nur arme Schlucker.'' ~ Koji ~
Mit einem fulminant sechsundzwanzigsten Band hat der Virtuose des graphischen japanischen Romans erneut zugeschlagen. Dem Leser wird das herannahende Ende bewußt, auf das Samura mit seinen Mangaepos zusteuert. So mancher Kollege schriftlicher Werke kann sich eine Scheibe an Samuras Charakterwelt abschneiden, die allesamt ein breites Emotionsspektrum in uns hervorrufen; Figuren die nur allzu menschlich agieren, schlechte und gute - je nach Ansicht - Seiten haben und Ambitionen & Begierden frönen. Neben dieser Abhebung auch unterhalb seiner Mangakakollegen, zeichnet sich Samura auch durch eine unnachahmliche Feder aus.
Die wunderschönen, zum Großteil proportionsgetreuen Zeichnungen vollenden die sagenhafte Geschichte um den unverwundbaren Ronin und seine Begleiterin. Doch wie der jüngste Band erneut beweißt, richtet sich der Fokus nicht mehr nur auf diese ursprünglichen Hauptprotagonisten: und es funktioniert reibungslos, alleine, weil mehr als förderlich diese beiden Charaktere beleuchtet wurden, und es zu schade wäre (und der Notwendigkeit dient), die anderen interessanten Mitstreiter zu präsentieren.
Das Cover ist ein wenig fehlgeleitet, da abgebildete, kämpferische positionierte Hyakurin eine kaum zu erwähnende Rolle einnimmt, aber auf den nächsten Band vorbereitet. Mit an ihrer Seite, Giichi. So sind auch jene die Okkupanten der letzten Mangaseite.
Dieses Manga beginnt da, wo der letzte aufgehört hat: nachdem Shira (der wohl einzig verhaßte eindimensionale Soziopath) starb, lecken die Geprügelten ihre Wunden, nur um sich nach spärlichen Geplänkel zu spalten. So nehmen sich auf Rins Bitten Tanpopo & Meguro dem gebeutelten Renzo an, während Magatsu Anotsus Spur folgt. Währenddessen sorgt Habaki für ein Erschwertes Vorankommen für Anotsu und seine Leute.
Ryo, die mit der Erlaubnis ihres Vaters (samt vier Männern), die Verfolgung von Koji aufnimmt, ahnt bereits um eine potentielle ausgelegte Falle - wie auch alle anderen. Im Wald kommt es zum Showdown, wobei Ryo sich einem angehenden Deserteur gegenübersieht. Doch der Gelehrte und Bergmensch Koji kommt Ban(shin) zuvor.
Währenddessen begeben sich auch Rin & Manji auf den Weg nach Hitachi: kaum ohne Geld und durch Rins Erfrierungen behindert. Derweil hat sich auch Ryo durchgeschlagen, nur um von Mitake -der rechten Hand Habakis-, aufgelesen und unter Arrest gestellt und nach Haus zu verfrachten werden - wäre da nicht Ryos Dickschädel und eine Zusammenstoß mit den zwei ehemaligen Mugai-Ryu-Mitglieder. Habakis aufgeteilte Gruppe Rokki-Dan hetzen mittlerweile Abayama, sehen sich aber einem außerplanmäßigen Szenario konfrontiert.
Damit verlasse ich die Inhaltsexkursion und gehe zu allgemeinen Pfaden über.
So hat Ryo einen seltsamen Charme, erinnert an eine Charaktermischung aus Doa & Rin.
Sie wird sicher neben weniger Hauptprotagonisten eine der Überlebenden zum Mangaende sein. Die siebzehnjährige Halbweise ist gewitzt, willensstark und hat eine sehr energische u. beherzte Art - nur die Naivität läßt auf ihre Jugend schließen. Wie schon Mitake so schön formulierte: ,, Das ist der Weg der Todgeweihten - aber das ist nicht dein Weg!'' Ein angehendes Pendant von Magatsu? Genauso werden Rin & Manji früher oder später getrennte Wege einschlagen.
Die Randbewegung, verteilt auf wenigen Bildchen, unseres Hauptgespanns stört nicht. Dafür werden filigran andere Personen portraitiert. Auch Anotsu teilt hier Rins und Manjis Schicksal, findet kaum Samuras Beachtung. Gewitzt und jüngste weibliche Sympathieträger in 'Blade', stellen die Shinobimädels dar, welche uns dieses Mal verwehrt bleiben; sind diese einzig am Anfang zu sichten. Die Slapstickeinlagen von Meguro steuern zum Auflockerungsteil des Mangas bei. Ebenso wie Magatsu, Anotsu, Rin, Hyakurin, Ryo u.a., sieht man in ihr eine später Überlebende.
Im Grunde hätte man erneut Habakis illegitime Tochter als Coverfigur setzen müssen, was aber jüngst erst geschah. Als zweite Wahl, die allerdings nicht zu den Schwertschwingern gehört, käme Koji Kashin, Anotsus ,,Apotheker'', in Betracht. So nimmt er eine gewichtige Rolle im vorliegenden Band ein. Aber es ist ja nichts Neues, wenn ein Einbandcover nicht unbedingt den Inhalt abdeckt.
Was uns zum zukünftigen
Blade of the Immortal 27 bringt, auf dem einem alle bekannten & signifikanten Itto-Ryu Gesichter entgegenblicken. Ein Hinweis auf eine kommende Konfrontation aller Parteien und das nahenden Ende? Auf jeden Fall symbolisch, da einige Abgebildete entweder verschieden oder ausgetreten sind - was ja auch letztlich nichts aussagt. Außerdem bleibt Habaki nur noch (drei?) Tage des Ultimatums. Wie dem auch sei, der Kreis schließt sich allmählich und alle Beteiligten laufen aufeinander zu.
Schwer vorstellbar, daß Rin nach all den Erfahrungen und der fortschreitenden Entwicklung, noch immer in der Lage ist ihr damaliges Ziel durchzusetzen. Sie mag auf Anotsu zusteuern, aber anders als eventuell angedacht. Aber dies liegt in weiterer Ferne.
Anbei bemerkt der aufmerksame Leser, das nicht zensierte Swastika Manjis, das der Verlag mal unberührt ließ - also nicht retuschiert. Danke.
Ausgezeichnet, schaffte es der Manga 2008 (produziert v. Bee Train Studio) zu einer dreizehnteiligen Animeadaption.
Kurzum: Dieser Band gefällt durch die erneute Storyfinesse und den wie immer gelungenen Kampfszenen sehr gut. Ungeachtet der japanischen Mentalität, folgen die Protagonisten menschlichen Beweggründen, deren Sympathiezustimmung dem Leser obliegt. Einfach nur empfehlenswert, vor allem f.d. mittlerweile erschöpften Blade-Fan, der es kaum bis Oktober abwarten kann. Und es wird heiß, soviel kann ich verspoilert sagen!
Fünf Sterne für diesen Band.