Mag ja sein, dass die Brüder Schwarz mir in der Vergangenheit ein paar angenehme Stunden in verschiedenen Clubs bereitet haben. Mag ja sein, dass sie immer noch zu den guten DJs gehören. Mag auch sein, dass sie schon die eine oder andere tolle Geschichte gemischt oder produziert haben.
Aber dass ausgerechnet diese Compilation "Lieblingslieder" bringen soll, dass sie gar zur "Feier" aufgelegt sein soll, das kann eigentlich nicht sein. Die Musik, die es hier zu hören gibt, die ist elektronisch, ja. Tanzbar ist sie ganz überwiegend nicht. Und zur Feier des Tages in einem Club taugen sie schon mal gar nicht. Es reihen sich aneinander: Düster traurige Elektronika von der Nachtseite ' oder B-Seite. Introspektiv, grüblerisch, am ehesten für Kopfhörer geeignet.
Der Opener gibt die Stimmung vor: Sebastian Telliers "Black Douleur" bringt genau das, was der Titel verspricht, Schwärze und Schmerz. Die nächsten fünf Nummern halten sich an das eingeführte Thema, langsam, trocken, vergrübelt, kalt. Schlicht schrecklich die Vokalbeiträge, ob es das runtergedrehte Gestammel auf Osvaldos "Stella Called" oder die verklemmten Knödelgesänge auf Cortney Tidwells "Stars" sind. Mit Marianne Faithfulls "Broken English" kommt dann ein 25 Jahre alter Depressions- und Anklageklassiker noch zu erinnernden Ehre - immerhin interessant kaputte Stimme und nette alte Analog-Synthies...
Danach ein paar Nummern mittelmäßige elektronische Düsternis ' bis hin zum absoluten Tiefpunkt des Albums, Track 13. Da muss ich gar nicht den Hersteller mit einer Nennung ehren, es reicht das Zitat eines Textteils: "Well, that's enough, f..ck!" Auch die letzten fünf Nummern reißen es nicht mehr heraus, das Trauerspiel setzt sich fort: Keine Wärme hier, keine Freude. Was ist nur mit den Brüdern Schwarz los, fehlen denen irgendwelche Substanzen zu Stimmungsaufhellung?
Ach ja, die zweite CD bietet ein paar ausgewählte Tiefschwarz-Titel aus den letzen Jahren, jeweils ergänzt um einen Remix. Will ich mir gar nicht mehr anhören, das Material gibt es zur Not ja auch anderswo. Immerhin, für Leute die daran noch Interesse aufbringen, da könnte sich das Album durchaus lohnen, und deswegen gibt es zumindest einen zweiten Stern.
Lohnend ist diese Compilation aber wohl vor allem für Leute, die gerne zuhause den großen Kopfhörer aufsetzen, um mal so richtig runter zu kommen, richtig tief in die dunkle Kälte. Dazu ist "Blackmusic" wirklich bestens geeignet. Leider habe ich keinen großen Kopfhörer, und auch keine Lust auf Depressionen...