7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Roman ist unglaublich spannend, 5. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Blacklist (Gebundene Ausgabe)
Saras Paretsky elfter Krimi ist die Fortsetzung der bunten Karriere der Privatdetektivin V.I. Warshawski. Ihre Ermittlungen führen sie dieses Mal in die reichen Vororte Chicagos. Hinter den Fassaden der gehobenen Gesellschaft entdeckt sie viele kleine und große Geheimnisse, die gerne unter dem Deckmäntelchen der Vornehmheit geblieben wären.
Die Autorin setzt sich mit dem Verfolgungswahn der Amerikaner nach dem 11.9. auseinander und führt uns die Unreflektiertheit der amerikanischen Gesellschaft vor Augen. Auch Parallelen zu der Kommunistenverfolgung und den Berufsverboten in den 50er Jahre scheinen auf.
Der Roman ist unglaublich spannend und beschreibt in vielen Details, die manchmal auch mühsame Puzzle-Arbeit der Heldin auf. Der Roman gibt uns einen Einblick in die Zeit der McCarthy Ära, und zeigt uns, wozu auch heute eine Regierung fähig ist, wenn man sie lässt.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein klein wenig zu viel Politik, sonst hervorragend!, 12. Juni 2004
Rezension bezieht sich auf: Blacklist (Gebundene Ausgabe)
Geraldine Graham, die Mutter von Darraugh Graham (einem langjährigen Klienten), lebt in einer vornehmen Wohnanlage für Ältere im noblen Vorort New Solway und meint während schlafloser Nächte im an die Wohnanlage angrenzenden Larchmont Hall nächtliche Aktivitäten beobachtet zu haben, obwohl die Residenz bereits seit längerer Zeit leer steht.
V.I. wird daraufhin von Darraugh Graham beauftragt, diesem nachzugehen.
Während V.I. eines Nachts auf dem Gelände von Larchmont Hall Nachforschungen anstellt, stolpert sie über ein junges Mädchen, welches seine Identität nicht preisgeben will und abstreitet, etwas mit den nächtlichen Vorkommnissen zu tun zu haben. Der Teenager macht sich nach kurzem Gerangel auf und davon, ohne dass V.I. herausbekommen hätte, um wen es sich handelt.
Durch das Gerangel fällt V.I. in einen Teich, in dem sich die Leiche eines Afro-Amerikaners befindet.
Wie sich später herausstellt, handelt es sich bei dem jungen Mädchen um die sechzehnjährige Enkelin eines liberalen Publizisten, den V.I. bereits seit ihrer Studienzeit rückhaltlos bewundert.
Bei der im stinkenden Teich von Larchmont Hall gefundenen Leiche handelt es sich um den Journalisten Marcus Whitby. Whitby wollte ein Buch über Kylie Ballantine schreiben: Kylie Ballantine, eine Tänzerin, Choreographin, Anthropologin und Autorin war in das Federal Negro Theater Project involviert, wurde in der McCarthy-Ära unamerikanischer Aktivitäten beschuldigt und verlor ihren Job an der University of Chicago.
Ganz nebenbei wird auch noch ein untergetauchter ägyptischer Jugendlicher gesucht, der in den Nachwehen des 11. September nur allzu leicht als Terrorist gebrandmarkt wurde. Es handelt sich dabei um den siebzehnjährigen Benjamin Sawadi, der in der Vina Fields Academy - einer Schule für Kinder von Superreichen -als Tellerwäscher gearbeitet hatte.
Während ihrer Ermittlungen dringt V.I. immer weiter in das Milieu der Superreichen im vornehmen New Solway ein und entwirrt dabei mühevoll ein nahezu hermetisches Geflecht von Verbrüderung, Täuschung und Enttäuschung, ideologischen Fehden (liberal versus konservativ), Verrat und Betrug, das sich bereits über einen Zeitraum von etwa fünfzig Jahren hinzieht und verdichtet hat.
Die Fehden scheinen ihren Ursprung in der McCarthy-Ära zu haben. Daher gestalten sich die Ermittlungen als äußerst schwierig, denn diejenigen, die V.I. helfen könnten, sind nicht willens ihr zu helfen oder aber tot...
Es ist sehr schwierig, „Blacklist" angemessen zu rezensieren, denn der Roman ist nicht nur sehr vielschichtig, sondern auch voll von Politik (Kommunistenhatz, Liberalismus und Konservativismus, Rassenpolitik) und Referenzen zur aktuellen Situation in den USA (9-11, Patriot Act, Krieg in Afghanistan etc.). Darüber hinaus erstreckt sich die Geschichte - wie bereits erwähnt- auf einen Zeitraum von ungefähr 50 Jahren, was es nicht nur für V.I. sondern auch für die geneigte Leserschaft schwierig macht, die Puzzlesteinchen zu einem kompletten Bild zusammenzufügen.
„Blacklist" ist an sich sehr spannend, aber nicht gerade einfach zu verdauen: Die Leserschaft stolpert mit V.I. im übertragenen Sinne von einem Hindernis zum nächsten, nur um kurz vorher abzubremsen und dann das Hindernis erst im zweiten oder dritten Anlauf zu nehmen.
Die Referenzen zur aktuellen politischen Situation in den USA verdeutlichen V.I.'s liberalen Standpunkt und legen unzweifelhaft dar, welche „Freiheiten" sich die amerikanischen Behörden aufgrund des Patriot Act nehmen können.
Die Wurzeln des Mordes an Marcus Whitby liegen in der bereits mehrfach erwähnten McCarthy-Ära, einem der schwarzen Kapitel der amerikanischen Geschichte. Die zu der damaligen Zeit begangenen Vertrauensbrüche sind im Kontext sicherlich auch für Nicht-Amerikaner nachvollziehbar (wenn auch m.E. nicht gerade bewundernswert).
Für mich als durchaus geschichtsinteressierte Europäerin, die nach der McCarthy-Ära geboren wurde, ist zwar V.I.'s liberaler Standpunkt sehr interessant, aber all die Fakten und politischen Extreme ziemlich erdrückend.
Da V.I. aber hartnäckig ermittelt, ihre eigenen Probleme, Sorgen und Ängste bekämpft und sie für mich immer noch die Protagonistin aller weiblichem „Gumshoes" ist, habe ich sie trotz allem gern auf dieser Zeitreise begleitet. Ein kleines bisschen weniger Politik hätten diesem ansonst wirklich hervorragenden Buch 5 Sterne gebracht.
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