Der Popkleckser hat ein neues Buch geschrieben, sicherlich ein A-Event für Leute mit altersbedingten Hautproblemen. MTV und amazon präsentieren die Tour, und man fragt sich, ob es eine Vorgruppe oder, haha, einen Vorleser geben wird. Vor allem aber fragt man sich, ob der Rummel gerechtfertigt ist. Nun, das Buch ist besser, weil unterhaltsamer, weil abwechslungsreicher als "Soloalbum" oder "Livealbum". Offenbar hat der Autor erkannt, dass er keinen wirklich guten Romancier abgibt und darum sein neues Buch in Einzeltexte verschiedenster Gattungen aufgeteilt. Das geht natürlich nicht ohne Budenzauber: Die Texte heißen wie Computerprogramme (Strg S, Dialogfeld, Neustart usw. - will uns der Künstler für die kalte Bitwelt sensibilisieren?), am Rand gibt's ein Daumenkino von einem abstürzenden Flugzeug, und das Cover ist wieder einmal wunderhübsch gestaltet, KiWi ist da kreativ. Jedenfalls: BSB (so soll er heißen) hört auf, ein arroganter Kotzbrocken zu sein. Er wird zum etwas sensibleren, indirekten Kotzbrocken. Statt furchtbar sarkastischer Kommentare nun mehr Dialoge und Monologe von Leuten, die er verachtet. Und schnell erkennen wir die Sprechblasen aus den Interviews mit Semipromis wieder und verachten sie auch. Eine etwas billige Zwangsverbrüderung mit dem Autor, aber er reitet so sehr auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner rum, dass man nicht anders kann. Wen er und dass er verachtet, ist nicht weniger deutlich (fürs nächste Buch würde ich mir statt Abgrenzung auch mal etwas BEKENNTNIS, zu was auch immer, wünschen), aber es verkommt nicht zur langweiligen Rebellion aus Selbstzweck. Alltagssituationen werden beobachtet, abgeschrieben, infolgedessen (in Folge dessen, infolge dessen) zur Kunst erklärt, und wir fühlen uns alle abwechselnd ertappt und verstanden ("Jawoll, der Mann hat recht. Genauso isses!"). Insgesamt: Lektüre für die letzte Viertelstunde des Tages. Die Gefahr des Festlesens ist vorhanden, aber sie ist nicht sehr groß.