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Blackbox. Unerwartete Systemfehler.
 
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Blackbox. Unerwartete Systemfehler. [Broschiert]

Benjamin von Stuckrad-Barre , Benjamin von Stuckrad- Barre
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Produktinformation

  • Broschiert: 348 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462029576
  • ISBN-13: 978-3462029574
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 12 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (50 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 940.008 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Benjamin von Stuckrad-Barre
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Aus der Raucherecke

Benjamin von Stuckrad-Barres Textsammlung «Blackbox»

Und dann kam plötzlich das internetgläubige Dot.com-Jahrtausend, wo es reichte, in seinen Business-Plan einen Terminus technicus aus der Computerwelt zu schreiben, und schon bekam man das benötigte Risikokapital. Für «Blackbox» hat Benjamin von Stuckrad-Barre seine Schublade geleert oder vielmehr all seine Dokumentenordner ausgedruckt und als strukturelle Klammer über jeden Text eine Vokabel aus dem Index der Hilfsdatei seines PC geschrieben, wird schon passen. Das erste der 17 Stücke ist eine experimentierende Collage aus Cyber-Vokabular, das eine vage seelische Befindlichkeit einer schemenhaften Personengruppe beschreibt. Windows 98 wird zum Fenster der Seele. Hier sucht Stuckrad-Barre noch nach einer originellen Form. Der Rest des Buches ist konventioneller Erzählstoff, der durch Titel wie «strg s», «soundfiles» oder «dialogfelder» auf Zeitgeist getrimmt ist. Das Layout verleiht den Texten eine moderne Benutzeroberfläche mit trendy Icons. Vielleicht vergibt Microsoft für so etwas Stadtschreiberposten im Silicon Valley. Als Retro-Gimmick gibt es noch Marginalien in Form eines Daumenkinos. Blättert man das Buch schnell von hinten durch, sieht man ein Flugzeug abstürzen. Blättert man lesend nach vorne, sieht man ein Buch abstürzen. Das Motto des Autors: «Runter kommen sie alle, my art will go on.» On verra bien. Insgesamt will dieses genialische Gehabe eines Avantgarde-Dandys nicht so recht zu der zwar flotten, aber marktkonformen Prosa eines turbokapitalistischen Realismus passen. Der grösste formale Mehrwert liegt bei dem Popautor an der Produktoberfläche.

Die Texte sind grösstenteils Kurzgeschichten, geschrieben in jenem lockeren Parlando, das in jedem Lifestyle-Magazin mühelos die redaktionelle Durststrecke zwischen dem Fitness-Programm und den Einkaufs-Tipps überbrücken würde. Das junge, werbewirksame Zielpublikum wird dranbleiben, und folglich gibt es auf Stuckrad-Barres Homepage unter der Rubrik «Einkaufsregal» auch T-Shirts (Girlie, S). Hier und da liest man ein schönes Bonmot, doch ein paar schlagfertige Oneliner machen noch kein gutes 15 000-zeiliges Buch. Das ist zwar manchmal amüsant, melancholisch und irgendwie auch süss, aber das waren Heinrich Bölls «Ansichten eines Clowns» auch. Um es mit Stuckrad-Barres eigener Ästhetik zu formulieren: «. . . wenn einen Musik nicht mehr ein klein wenig überfordert, verliert sie an Kraft.» Die Banalität des öffentlichen Geredes und die Tropismen des Medienalltags versucht er durch ihre Abbildung im Massstab 1:1 zu entlarven: die Geburt der Prosa aus dem Geist der Floskel. Ein paar Instant-Gedichte öffnen kurz das Mikro für O-Ton. Dabei könnte man mit einer seiner Personen einwenden: «Dann kann ich auch mit den Nachbarn reden.» Stuckrad-Barre geizt nicht mit seiner Meinung, die ein weites Feld beackert, dabei aber vorrangig um die Antipoden Coolness und Peinlichkeit kreist. So sieht die Welt aus der Perspektive der Raucherecke eines progressiven humanistischen Gymnasiums aus.

Die ergiebigste stilistische Ressource dieser Texte sind unerwartete Vergleiche aus der Produktwelt: «Man kommt an den Strand, um sich auszuruhen, und dieses Ausruhen ist anstrengender als ein beim Isostar gewonnener Actionurlaub mit zwei sportbegeisterten Irren aus jedem Bundesland.» Die ständigen Einschübe zwischen Artikel und Substantiv werden allerdings zum rhetorischen Tick und bremsen den Satzfluss wie eine schlecht aufgebohrte Tomy-Tubenöffnung die in fettigen Kringeln austretende Kräuterremoulade. Was den Romantikern der aufgehende Mond und den Expressionisten die hochtourige Maschine sind der Popliteratur die Regalbestände der Shopping-Malls.

30 Prozent des Buches bestehen aus einem realsatirisch gemeinten Boulevard-Stück, in dem der «Popautor» den Medienhype um seine vermeintliche Beziehung mit der «Comedy-Queen» Anke Engelke karikiert. Saubere Wäsche trägt Stuckrad-Barre in der C&A-Reklame, schmutzige wäscht er in seinem Buch. Auf knapp 100 Seiten wird die «Blackbox» zur Waschtrommel. In dieser ausufernden Klatschkolumne bekommt jeder sein Fett weg, bis auf Harry Rowohlt, der ist lieb und brummelig, wer kennt ihn nicht? Obwohl man Stuckrad-Barres Talent zu Bandenbildung und strategischen Männerfreundschaften bewundern muss, erledigt Prinz August von Hannover solchen Gossip schneller und interessanter. Am meisten scheint der Autor davon fasziniert zu sein, ähnliche Probleme wie Kurt Cobain zu haben.

Das letzte Stück aus der «Blackbox» ist sehr gut für seine Altersklasse. Es heisst «Neustart». Das klingt nach einer vielversprechenden Zukunft. Sicher, the show must go on, doch hoffentlich findet Stuckrad-Barre demnächst bei Erscheinen des Dialogfeldes «Sollen diese Dateien/Ordner wirklich in den Papierkorb verschoben werden?» etwas öfter den Mut, auf «Ja» zu klicken. Eine Blackbox ist ein etwas seriöserer Apparat als eine Mailbox. Und ein Buch auch.

Stephan Maus

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 28.08.2000
Ziemlich süffisant geht Tobias Timm mit dem Autor und seinem Werk um. Immerhin gesteht er ihm zu, nachdem er sich lang und breit über die Selbstinszenierungen des jungen Autors und seiner "Party- und Medienprosa" ausgelassen hat, dass dies womöglich sein erstes "echtes Buch" sein könnte. Zumindest geht es "tieftraurig und tragisch" zu in den acht Geschichten, die hier präsentiert werden. Die meisten davon findet der Kritiker nicht besonders gelungen. Er nimmt den Anspruch des Schriftstellers wahr, sich in seinem Schreiben nicht nur mehr selbst darzustellen, sondern "den Lebenswelten anderer zu widmen", aber recht eingelöst findet Tobias Timm das noch nicht. Neudeutsches "Computervokabular" gemischt mit "Partyjargon", Selbstgespräche von nicht immer so interessanten Zeitgenossen, ein langatmiges "Dramolett" über sich selbst als Popstar und Opfer haben den Kritiker nicht überzeugt. Interessanter findet er die beiden Geschichten: "Vom netz" über einen Verlierer (oder loser, wie es heute heißt) und "standarddokument", eine Geschichte über einen erfolgreichen Talkshowvermittler, der am Ende auch nicht glücklich wird. Alles in allem sieht Tobias Timm immer noch zwei Möglichkeiten offen für Stuckrad-Barre: entweder ist dies jetzt ein Auftakt für ihn als Schriftsteller – oder es wird bald ein schnelles Verschwinden hinein in die eigene "Late-Show" geben.

© Perlentaucher Medien GmbH

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Wirklich literarisch?, 14. September 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Blackbox. Unerwartete Systemfehler. (Broschiert)
Obgleich ich erst zwanzig Lenze zähle und somit eigentlich auch zur typischen Zielgruppe des Autors gehören dürfte, so kann ich Frau Buschheuer doch nur Recht geben. Auch ich bin schon zu alt für derartige Kapitelüberschriften... Der von uns allen hochgeschätzte SPIEGEL gestand Stuckrad-Barre nach zahllosen Verrissen seiner vorherigen Werke zu, schlußendlich auf dem richtigen Wege zu sein, schön... Es ist schon richtig, dass hier jemand, der sich bisher recht erfolgreich als zwanghaft arroganter Rüpel profiliert hat, versucht, einen "tiefschürfenden" Literaten abzugeben. Jedoch schreibt der Autor so, als habe ihm das feuchtwarme Klima Sri Lankas zu arg zugesetzt. Immer wieder erschleicht einen beim Lesen das Gefühl, dass Herr von Stuckrad-Barre beim Schreiben dieses Werkes wesentlich mehr Arbeit investieren musste als bei seinen anderen Veröffentlichungen. Die 100 Seiten starke "Mediensatire" ist doch auch nur eine Spiegelung der Spiegelung und wirkt spätestens nach 20 Seiten ermüdend, wenn nicht gar einschläfernd. Die Frage ob ein sog. "Popliterat" lieber bei seinen Leisten, also bei meinungsbetonten 100Zeilern und amüsanten,mit einem Ich-Erzähler ausgestatteten Romanen bleiben sollte, wage ich hier jedoch zu verneinen. Herr von Stuckrad-Barre hat ein scharfes Auge für die scheinbare Realität, er schafft es in vielen Auszügen seine Leserschaft (und damit meine ich nicht nur die weiblichen Teenager, die sich ja angeblich vornehmlich zu seinen Lesungen einfinden) zu fesseln, jedoch sollte auch er den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Blackbox empfinde ich vielleicht auch deshalb nur so verstörend (oh ja, auch ich verwende dieses Wort), weil es diesem Buch an einer gewissen Stringenz mangelt. Mediensatire neben einem Dialog, neben einem Geständnis einer Essgestörten, neben Kurzgeschichten...mag schon sein, dass sie alle einen unterschiedlichen Ausblick auf die jetzt(...)-Realität liefern, die Frage bleibt jedoch nach dem grossen Kausalzusammenhang...aber an dem sind schließlich auch schon andere gescheitert. Vielleicht muss und sollte es diesen auch garnicht geben. Vielleich hat uns ein "Popliterat" verlassen, jedoch bleibt uns noch immer die Hoffnung, dass er uns an seinen Reisen teilhaben lässt. Ich jedenfalls werde Blckbox nochmal lesen; vielleicht hat Herr von Stuckrad-Barre somit doch einen Teil des Weges schon gemeistert...Er schreibt zumindest keine wegwerf Literatur. Und so schliesse ich den Vorhang und lasse alle Fragen offen...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen amüsant, aber doch nicht VERSTÖREND (Klappentext), 6. September 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Blackbox. Unerwartete Systemfehler. (Broschiert)
Der Popkleckser hat ein neues Buch geschrieben, sicherlich ein A-Event für Leute mit altersbedingten Hautproblemen. MTV und amazon präsentieren die Tour, und man fragt sich, ob es eine Vorgruppe oder, haha, einen Vorleser geben wird. Vor allem aber fragt man sich, ob der Rummel gerechtfertigt ist. Nun, das Buch ist besser, weil unterhaltsamer, weil abwechslungsreicher als "Soloalbum" oder "Livealbum". Offenbar hat der Autor erkannt, dass er keinen wirklich guten Romancier abgibt und darum sein neues Buch in Einzeltexte verschiedenster Gattungen aufgeteilt. Das geht natürlich nicht ohne Budenzauber: Die Texte heißen wie Computerprogramme (Strg S, Dialogfeld, Neustart usw. - will uns der Künstler für die kalte Bitwelt sensibilisieren?), am Rand gibt's ein Daumenkino von einem abstürzenden Flugzeug, und das Cover ist wieder einmal wunderhübsch gestaltet, KiWi ist da kreativ. Jedenfalls: BSB (so soll er heißen) hört auf, ein arroganter Kotzbrocken zu sein. Er wird zum etwas sensibleren, indirekten Kotzbrocken. Statt furchtbar sarkastischer Kommentare nun mehr Dialoge und Monologe von Leuten, die er verachtet. Und schnell erkennen wir die Sprechblasen aus den Interviews mit Semipromis wieder und verachten sie auch. Eine etwas billige Zwangsverbrüderung mit dem Autor, aber er reitet so sehr auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner rum, dass man nicht anders kann. Wen er und dass er verachtet, ist nicht weniger deutlich (fürs nächste Buch würde ich mir statt Abgrenzung auch mal etwas BEKENNTNIS, zu was auch immer, wünschen), aber es verkommt nicht zur langweiligen Rebellion aus Selbstzweck. Alltagssituationen werden beobachtet, abgeschrieben, infolgedessen (in Folge dessen, infolge dessen) zur Kunst erklärt, und wir fühlen uns alle abwechselnd ertappt und verstanden ("Jawoll, der Mann hat recht. Genauso isses!"). Insgesamt: Lektüre für die letzte Viertelstunde des Tages. Die Gefahr des Festlesens ist vorhanden, aber sie ist nicht sehr groß.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Nein, wirklich nicht, 6. Oktober 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Blackbox. Unerwartete Systemfehler. (Broschiert)
Ich war ein Verfechter seiner Kunst, doch sie wird nicht weitergehen, wie er das so kühn behauptet. Dieses Buch ist der erste Gähner, hoffentlich schafft Stuckrad-Barre es, weitere zu vermeiden. Dieses ganze Anke-Engelke-Name-Dropping ist so verdammt nervtötend, ich habe mich schlichtweg geärgert, es bis zum Ende gelesen zu haben. Tut mir wirklich leid, aber dieses Buch ist keine Glanztat. Vielleicht sollte sich der Autor ein wenig mehr Zeit lassen, neue Ideen zu sammeln. Die Grundidee und Aufteilung des Buches ist ja noch innovativ, und auch nur dafür gibts den 2ten Stern!
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