Diese Serie ist einer der Höhepunkt englischen Humors, deshalb möchte ich mir ' obwohl schon einige sehr gute Rezensionen vorhanden sind ' Zeit und Platz dafür nehmen.
Das Set beinhaltet die vier Staffeln der Serie mit jeweils sechs Folgen sowie drei Einzelfolgen, nämlich 'Blackadder's Christmas Carol (frei nach Charles Dickens), The Cavalier Years (Kurzfilm um die Hinrichtung King Charles I. und um Oliver Cromwell) und Back & Forth (Zeitreisegeschichte). Laut imdb gibts nur einen weiteren Blackadder-Sketch, der hier nicht drauf ist, nämlich 'A Royal Birthday Celebrations', und der ist scheinbar nicht so populär. Das alles gibt's im englischen Original (auf deutsch kann dieser Humor ohnedies nicht funktionieren), für die vier Staffeln auch mit englischen Untertiteln. Für die Kurzfilme gibt's leider keine Untertitel, aber das bissl versteht man dann schon.
Grundsätzlich handelt die gesamte Saga von jeweils einem Mitglied der Familie Blackadder (gespielt von Rowan Atkinson), seinem (fast) ständigen Begleiter Baldrick (Tony Robinson)(But my lord, I have been in your family since 1532. - So has Syphilis. Now get out.) und diversen anderen Zeitgenossen, die - je nach gesellschaftlicher Stellung - von Blackadder entweder unterdrückt (Niedrigergestellte), gemobbt (Gleichgestellte) oder hinterhältig umgarnt (Höhergestellte) werden. Wow, das waren jetzt aber viele ().
Die erste Staffel unterscheidet sich stark von den anderen drei, weil in dieser Staffel Edmund Blackadder noch den dümmlichen Emporkömmling darstellt, während er in den anderen Staffeln wesentlich intelligenter als ziemlich alle anderen ist. Umso härter trifft ihn (in 2 bis 4) natürlich, dass die Idioten, um die er sich kümmern muss, sozial höher stehen als er. So versucht er eben, so viel Profit wie möglich aus seinen Kontakten und Möglichkeiten herauszuholen, und das fast nie auf ehrenhafte Weise.
Dass er in der ersten Staffel noch nicht mit dem skalpellscharfen Witz agiert, der den Zuschauer in späteren Folgen manchmal spontan applaudieren lässt, nimmt ihr einiges an Reiz, was aber durch den kompletten Rest der Serie mehr als aufgewogen wird. Zeitlich angesiedelt ist sie nach dem Tod von King Richard III. (1485), wobei hier der Nachfolger des Königs sein Neffe, Richard IV. wird, der wiederum Vater von Edmund Blackadder ist.
In der zweiten Staffel ist Blackadder ein enger Vertrauter der Queen Elizabeth I., die hier als kindische-grausame Herrscherin dargestellt wird. Und hier gibt es bereits jede Menge höllischen Spaß mit seinen 'cunning plans'. In einer tollen Rolle als konkurrierenden Berater der Queen sieht man hier Stephen Fry. (Jeeves & Wooster, Peter's friends)
In der dritten Staffel ist Blackadder der Diener eines unglaublich dämlichen englischen Kronprinzen im 18. Jhdt., zum Brüllen komisch gespielt von Hugh Laurie (Dr. House).
Prince George: Someone said I had the wit and intellect of a donkey.
Blackadder: Oh, an absurd suggestion sir, unless it was a particularly stupid donkey.
In dieser Staffel hat er alle Hände voll damit zu tun, den vom Volk gehassten Prinzregenten vor größten Dummheiten und überhaupt *am Leben* zu erhalten.
Die vierte Staffel ist mein persönlicher Favorit, und zwar nicht nur, was Blackadder betrifft, sondern englische Comedy überhaupt. Sie spielt 1917, im ersten Weltkrieg, und Blackadder ist nun ein Hauptmann, der seine Zeit mit Private Baldrick und Leutnant George (wieder Hugh Laurie) im Schützengraben absitzt. Sein Hauptanliegen ist es, sich vor den irrsinnigen Befehlen seiner Vorgesetzten General Melchett (brillant: Stephen Fry) und allen Kampfhandlungen zu drücken. Mit funkensprühender Eloquenz prallt seine zynische Kriegsmüdigkeit auf die unverständliche Kriegsbegeisterung fast aller anderen, wobei er zwar Opportunist, aber wenigstens nicht verlogen ist.
UND: Ich habe Platoon, Full Metal Jacket, Das dreckige Dutzend, Wege zum Ruhm, Apocalypse now, und wie sie alle heißen, gesehen, aber niemals hat mich die sinnlose Brutalität/brutale Sinnlosigkeit des Krieges tiefer ins Mark getroffen als in der letzten Szene der letzten Folge dieser letzten Staffel. Erschütternd.
Die drei alleine stehenden Kurzfilm sind dann das Tüpfelchen auf dem 'i', aber mehr Platz möchte ich nicht mehr verschwenden; ist eh schon so viel. Aber bitte, bitte, wer englischen Humor mag: Besser als hier wird's nicht mehr. Die Box ist jeden Preis wert.