Nachdem der BlackBerry-Hersteller RIM jahrelang gewachsen ist - Gerüchte sprechen inzwischen von über 18.000 Mitarbeitern, kann Handy-Entwicklung so aufwändig sein? - orientiert sich die Firma nun neu und will im Tablet-Markt mitmischen. Komplett neue Entwicklung also und als OS nicht etwa das Linux-basierte Android, sondern QNX.
Die Presse scheint Apple und Android zu lieben und RIM abgeneigt gegenüber zu stehen, anders kann ich mir die vielen unobjektiven Berichte nicht erklären. Haben Sie welche davon gelesen? Falls nicht, man kann sie folgendermaßen zusammenfassen: 1) Das Playbook hat nur W-LAN, kein 3G... Katastrophe!!! 2) Es gibt wenig Apps... schrecklich!!! Schwaches Bild, was unsere "Medien" hier abliefern, denn sowas kann man auch schreiben, wenn man das Gerät nie gesehen hat. Deshalb hier jetzt stichpunktartig einige interessante Details.
Pro:
- Super Verarbeitung, stabiles und hochwertiges Gerät
- Tolle Bildqualität, auch und gerade bei HD-Videos (selbst wenn der Screen nicht 'full HD' ist wie manche bemängeln, bei der Größe irrelevant!)
- Sehr gute Lautsprecher, die trotz ihrer geringen Größe nicht "quäken"
- Einfache Bedienung, gutes Konzept mit dem Touch-empfindlichen Bereich um den Bildschirm herum, macht vieles einfacher
- Webbrowser ist sehr schnell und die Webseiten sehen wirklich aus wie auf einem PC, inklusive Flash-basierten Inhalten.
- Die Kamera macht gute Bilder, selbst in Innenräumen besser als ich erwartet hätte, und zeigt keine Verwacklungseffekte.
- Das mitgelieferte Autorennspiel macht wirklich Spaß und zeigt auch grafisch, was im PlayBook steckt. Ein ähnliches Spiel auf einem Android-Tablet sah jedenfalls deutlich simpler aus.
- Wenn man unterwegs ist, Verbindung ins Internet per Bluetooth mit dem Handy, also keine zweite SIM-Karte, kein zweiter Vertrag etc., was von einigen als Nachteil dargestellt wurde ist für mich ein Vorteil.
- Thema Apps: Klar gibt es weniger als fürs iPad, aber mal ehrlich, viele Apps sind blöde, nutzlose Spielereien, nur wenige nützlich. Da das PlayBook noch neu ist, wird es im Laufe der Zeit von beiden mehr geben. Ich habe bis jetzt jedenfalls noch nichts vermisst.
- Video-Conferencing möglich dank zum User gerichteter Kamera
Es war eine sehr gute Entscheidung von RIM, auf QNX zu setzen, ein Quantensprung im Vergleich zum alten BlackBerry-OS. Äußerst stabil, schnell, Multitasking natürlich, und sehr sicher. QNX ist Basis für viele Festeinbau-Navis z.B. von Mercedes, kein Wunder dass es so gut ist. Es wird außerdem auch viel in der Medizintechnik und Industrie-Automatisierung genutzt. Man setzt hier also keineswegs, wie manche behaupten, auf etwas "völlig neues" sondern auf ein bewährtes System.
Kontra:
- Besitzen Sie ein BlackBerry-Telefon? Dann können Sie mit dem Playbook ab jetzt Ihre E-Mails auf dem größeren Bildschirm lesen und mit der gut bedienbaren Touch-Tastatur beantworten. Anlagen wie PDF, Powerpoint, Word, Excel lassen sich ansehen, teils auch bearbeiten. Alles super, doch wer kein BlackBerry-Telefon hat, muss über den Web-Browser auf seine Mails zugreifen. Und der speichert noch nichtmal die Zugangsdaten!
- Boot-Zeit: Schaltet man das PlayBook in Standby, ist es jederzeit sofort wieder verfügbar, aber ein paar Prozent Akku verliert es über Nacht dann doch. Schaltet man es komplett aus, braucht der Neustart einfach zu lange... rund eine Minute! QNX hat schon vor 2 Jahren gezeigt, das man es in unter 5 Sekunden booten kann (entsprechende Videos finden sich auf YouTube). Gut, das war eine einfachere Applikation, dennoch: Mit einer DualCore 1 GHz CPU hätten 10-15 Sekunden drin sein können. So bleibt nur der Standby und das regelmäßige Aufladen... was aber in Nordamerika wohl eher als normal empfunden wird als in Europa, wo man das Bedürfnis hat, ein Gerät wirklich ausschalten zu können.
Das waren aus meiner Sicht aber auch schon die Kontra-Punkte. Wegen ihnen gibt's auch nicht die vollen 5 Sterne.
Insgesamt ist das PlayBook ein super Gerät, leicht überall hin mitzunehmen, zuverlässig (hatte noch keinen Absturz o.ä.), schnell und sehr gut zu allem zu gebrauchen, wofür man so ein Tablet eben nutzen kann.