Erst durch die perfekte Harmonie von Bild und Musik, konnte Aronofkys wunderschöner Horrortrip zu dem Meisterwerk werden, was es nun ist. Wie auch bei den Vorgängerwerken von Aronofky, war Clint Mansell für den Score verantwortlich. Er dürfte bekannt sein, durch seine Zusammenarbeit mit dem Kronos Quartett an "Requiem For A Dream", mit dem bekannten und genialen Hauptthema. Für "Black Swan" wählte Mansell klugerweise eine Mixtur aus Score und Tchaikovkys "Swan Lake". Leider konnte die Musik nicht für den Oscar nominiert werden, gerade wegen der zu nahen Anlenung an das Original. Aber ein anderer Weg wäre auch niemals so kraftvoll gewesen. Hätte Mansell einen komplett, eigenständigen Score komponiert, wäre der Bezug zum Stück "Schwanensee" verloren gegangen.
Mansell ist bei "Black Swan" eigentlich nicht an Themen gebunden. Wie gesagt, "eigentlich"...
Die Themen stammen zu 90 % aus "Schwanensee", allen voran das weltbekannte Stück zur Schwanenkönigin. Zudem arbeitet der Komponist sehr viel mit der Musik des Prologs, besonders für die Höhepunkte im Film. Aber Filmmusikfans dürfen nicht denken, dass "Black Swan" eine leicht veränderte Version von Tchaikovkys Original ist, nein. Mansell variiert und formt die Stücke um, mal stärker, mal dezenter. Auch wenn die letzten Stücke des Scores hauptsächlich aus dem Original bestehen, so wirkt der Höhepunkt des Scores und des Films doch trotzdem auf eine ganz andere und kraftvolle, nahezu atemberaubende Weise!
Dies liegt natürlich an der Vorarbeit von Mansell. Zwar behandelt seine Musik im Prinzip das selbe Thema und die selbe Geschichte, wie "Schwanensee", aber hier geht es viel verstörender zur Sache! Mansells Scoreanteil schwebt zwischen Melancholie, Erotik und Wahnsinn. Wer "Requiem For A Dream" kennt, der wird wissen, wie nervenaufreibend seine Musik sein kann. In "Black Swan" ist dies nicht anders.
Da gibt es einige Highlights zu nennen: "Lose Yourself" ist das Motiv für Ninas sexuellen Trieb, den sie ausleben will. Der zarte und verruchte Klang dieses Stücks ist grandios und untermalt perfekt die intimen Szenen. In "Opposites Attract" wird dieses Motiv noch weiter ausgebaut und umwerfend zum Höhepunkt gebracht (im wahrsten Sinne...).
Ein weiteres Beispiel und vor Allem ein Beweis für Mansells großartige Leistung ist "Night Of Terror", ein lautes, verstörendes und alptraumhaftes Stück und das volle acht Minuten lang!
Eine Berg- und Talfahrt durch Ninas Alpträume und Halluzinationen. Im Film sind die Bilder schon sehr krass, aber die volle Wirkung von Ninas Horror kommt erst durch die Musik voll zur Geltung!
Wie gesagt sind die letzten Titel die wichtigsten Höhepunkte aus "Schwanensee", was aber auch perfekt zum Film passt. Zuerst ist die Musik sehr schön, zerbrechlich, wird dann immer lauter und verstörender und am Ende wird sie richtig opulent und wechselt in die Originalmusik aus "Schwanensee", so wird das Gefühl von der großen Premiere am Ende noch verbessert. Und hier kommt der Score zu seinem wunderschönen und brachialen Finale ("Perfection"). Ich liebe den Höhepunkt des Schwanenköniginthemas! Es ist zwar das Finale des Stücks selber, aber hier bekommt es eine ganz andere Wirkung und man sitzt am Ende mit Tränen in den Augen, wenn Nina letztendlich fällt.
Zum Schluss bekommen wir mit "A Swan Song (For Nina)" die wundervollen End Credits, wieder eine Mischung aus Original und Score, mit einem klirrenden Ende...
Wer den Film gesehen hat, wird den Score noch viel intensiver erleben! Ein Meisterwerk, trotz der Mischung aus dem Original "Schwanensee" und Mansells Score. Wirklich schade, dass der Soundtrack nicht nominiert wurde, verdient hätte er es. Aber wozu brauchen wir Oscars, wenn wir schon wissen, dass der Score großartig ist?
Erleben Sie "Schwanensee", wie noch nie zuvor! Erleben Sie "Black Swan"!