Nach 10-jähriger Vorbereitung wagte sich Darren Aronofsky 2010 an den klassischen Konflikt zwischen Eros und Tugend: Eine Prima-Ballerina soll in einer modernen Umsetzung von "Schwanensee" zunächst eine tugendhafte und schließlich eine sinnliche Frau verkörpern.
INHALT
Die junge Solotänzerin Nina (Natalie Portman, 29), zerrissen zwischen dem Leistungsdruck ihrer Mutter und dem Anspruch des Choreographen Thomas Leroy (Vincent Cassel, 44), soll also in dieser Neuproduktion sowohl den weißen als auch den schwarzen Schwan tanzen.
Den Part des weißen Schwans, die Reinheit und Tugend, kann sie nach einem Leben, das völlig der Perfektion und Leistung gewidmet war, grandios umsetzen - aber Thomas versucht, in ihr auch die Sinnlichkeit und Triebhaftigkeit zu wecken, die für die Ausstrahlung des schwarzen Schwans ausschlaggebend ist. Ausgerechnet Ninas Zweitbesetzung Lily (Mila Kunis, 27) verkörpert genau diesen Typ, was Thomas Nina auch vorhält. So entsteht eine Konkurrenzsituation, die letztlich Nina in psychotische Phantasien treibt.
Rollen und Wirklichkeit verschmelzen für sie zu einer fantastischen Scheinwelt: wird Nina die Reinheit der Jugend und die Sinnlichkeit der reifenden Frau in sich vereinigen können?
WÜRDIGUNG
Was die Macher und Schauspieler eng verbindet, ist ihre Nähe zum Ballett und ihre ungeheure Leistungsbereitschaft.
Mila Kunis verfügte über Tanzerfahrung aus ihrer Kindheit. Für den Film wurde sie drei Monate lang 5 Stunden pro Tag trainiert. Natalie Portman trainierte sogar ein Jahr lang - lange Zeit auf eigene Kosten - in gleicher Intensität, zum Beginn des Drehs nahm sie 20 Pfund ab. 111 von 139 Tanzszenen konnte sie selbst realisieren - 28 Szenen wurden von der Tänzerin Sarah Lane übernommen.
Bei den Dreharbeiten lernte Natalie Portman den Ballett-Tänzer Benjamin Millepied kennen und ist nun mit ihm verlobt. Im Juni 2011 brachte sie ihren Sohn Aleph Portman-Millepied zur Welt.
Selbst Cassel hatte in jüngeren Jahren Tanzunterricht...
Manchem Kritiker war Darren Aronofskys Film zu realistisch, von einer Bekannten habe ich ähnlich Kritik in Bezug auf die Szenen gehört, in denen Nina sich verletzt oder durch das Tanztraining verletzt wird. Anderen wird gerade solches einen realistischen Zugang zum Ballett ermöglichen, einen ungeschminkten Blick hinter die Fassaden, der diesen Film von aalglatt schönen Produktionen angenehm abhebt.
Obwohl "Black Swan" ein großer Erfolg war, ist er mehr als künstlerischer Film für Menschen mit einer gewissen Neigung zum Ballett und Interesse an der Entwicklung von Menschen in Extremsituationen zu charakterisieren.
AUSSTATTUNG & TECHNIK
Die 2011er Blu-ray der 20th Century Fox kommt in einem Set von zwei Discs (Blu-ray und DVD) plus "Digital Copy" [1] und BD-Live. Für ein Werbeblättchen fand sich auch noch Raum in der Hütte, nicht aber für ein Wendecover. Der Film wird im Format 2,40:1 gezeigt (Original-Format 2,39:1). Die Spieldauer beträgt 108 Minuten.
Bis ins Hauptmenü kämpft man sich durch vier Trailer (Casino Jack, Conviction, Never Let Me Go, und Street Kings 2) durch, die man allerdings abschalten kann. Wenn der Film nicht so großartig wäre, müsste man für diesen Unfug allerdings schon eine Abwertung vornehmen.
5.1 DTS-Tonspuren:
- Deutsch
- Italienisch
- Spanisch
- Portugiesisch
- Lateinamerikanisches Spanisch
Der englische Originalton liegt in 5.1 DTS HD Master Audio vor.
Untertitel in den o.a. Sprachen sowie in Brasilianisch, Finnisch, Schwedisch, Norwegisch, Chinesisch traditionell oder vereinfacht, Dänisch, Türkisch, Griechisch und Rumänisch.
Extras:
- Die Entstehung von Black Swan" (dreiteilig, 1080p, ca. 48:55 min.)
- Das Ballett Schwanensee" (1080p, ca. 2:33 min.)
- Produktionsdesign (1080p, ca. 4 min.)
- Kostümdesign
- Interview mit Natalie Portman (1080p, ca. 3:16 min.)
- Interview mit Darren Aronofsky (1080p, ca. 2:48 min.)
- Natalie Portmans Vorbereitung auf die Rolle (1080p, ca. 3:53 min.)
- Tanzen mit der Kamera (ca. 1:35 min.)
- Natalie Portman über ihre Rolle "Nina" (SD, ca. 5:56 min.)
- Winona Ryder über ihre Rolle "Beth" (SD, ca. 2:17 min.)
- Barbara Hershey über ihre Rolle "Erica" (SD, ca. 3:37 min.)
- Vincent Cassel über seine Rolle "Thomas" (SD, ca. 4:43 min.)
- Regisseur Darren Aronofsky über Herausforderungen des Filmdrehs (SD, ca. 6:23 min.)
- Original Kinotrailer (ca. 2:02 min.)
Um den absolut 1:1 transferierten Bild-Code des Films angemessen beurteilen zu können, muss man wissen, dass Regisseur Darren Aronofsky und Kameramann Matthew Libatique sich entschieden hatten, statt üblicher 35 mm Analogkameras oder Digitalkameras wie der Red One videofähige Digital-Spiegelreflexkameras (Canon 5D Mk II und 7D) sowie eine 16 mm Arriflex Analogkamera einzusetzen, wofür neben den Kosten das geringe Gewicht und die leichte Handhabung die ausschlaggebenden Motive darstellten. In den Extras ist beispielsweise zu sehen, wie bei den Ballettaufnahmen Kamera und Licht quasi mittanzen mussten - verständlich, dass solche Aufnahmen mit "schwerem Gerät" unmöglich wären.
Aus den verwendeten Kameras ergeben sich Unterschiede zum gewohnten 35-mm-Bild. Auf 16 mm kommt ein körnigerer, weicherer Bildeindruck zustande, während die Canon-Kameras bei geringem Licht in gewissem Umfang rauschen.
Auch wenn man eigentlich mit 16 mm Film eine geringere Auflösung erzielt, sind doch speziell einige Großaufnahmen in ihren Details überwältigend. Die starke und realistische Farbigkeit lässt beispielsweise Tanzszenen mit ihren auffälligen Kostümen bezaubernd aussehen. Auch wenn in dunklen Passagen manches Detail in einer Mischung von Korn und Rauschen verloren geht, kommt doch das Schwarz selbst an anderen Stellen ausreichend tief und der Kontrast ist perfekt.
Bemerkenswert ist, dass keine Artefakte durch übertriebene Rauschunterdrückung oder Kantenschärfung ins Auge fallen - alles in allem eine gelungene Postproduktion.
Die in perfekter Zusammenarbeit von Maske und Computertechnik gezauberten Tricks sind atemberaubend. Es lohnt sich, in den Extras anzuschauen, wie z.B. Nina die Schwanenfedern aus den Armen wachsen.
Der Ton - speziell auf der englischen MA-Spur - bringt den Psycho-Terror, dem Nina subjektiv ausgesetzt ist, brillant zur Geltung. Auch die Rückkanäle bekommen zu tun: U-Bahn - Geräusche, rauschende Federn, schweres Atmen - aber all das unprätentiös und sehr natürlich. Sehr markant gelang die Szene, in welcher die Kamera um die Tänzer kreist, während ein Korrepetitor spielt: Im Ton kreist das Klavier mit. Auch die Orchester-Musik überzeugt durch klaren Sound und reiche Dynamik. In einer Nachklub-Szene sollte man auf extreme Pegel gefasst sein. Dialoge gehen nicht im Mix unter.
FAZIT
Film, Darsteller und Crew gewannen über 25 Preise, Natalie Portman insbesondere gewann alle Preise, für welche sie nominiert war, darunter der Oscar 2011 - völlig zu Recht. Wenn man in den Extras die "wahre" Natalie Portman mit der so wandlungsfähigen Nina des Films vergleicht, wird einem bewusst, dass selten ein Schauspieler so verwandlungsfähig und in seine Rolle hineingewachsen war.
Aber der Film begeistert vor allem als Ganzes. Die Musik, der Tanz verschmelzen mit dem Geschehen in einzigartiger Art und Weise. Das Leiden und die Befreiung der jungen Frau bewegen zutiefst. Black Swan" ist ein Film, der mit jedem Anschauen besser wird.
film-jury 5* A0919 13.4.2012eg Genre: Drama | Mystery | Thriller
[1] Eine "Digital Copy" ist für iTunes und PlayStation gedacht. Zur Aktivierung benötigt man den beiliegenden Code, der bis Mitte 2013 gültig sein soll.