"Black Swan" verspricht für den Aufstieg in die Erste BritPop-Liga eine gute Chance wie lange nicht für Athlete – möglicherweise ist es auch die letzte.
Athlete sind das Greuther Fürth des BritPop. Immer kurz vor dem Aufstieg in die Eliteklasse, aber am Ende bleibt man doch in der Zweiten Liga hängen – obwohl mit dem Debütalbum "Vehicles & Animals" 2002 eigentlich die Zeichen schon auf Champions League standen. Mit einer Mercury-Prize-Nominierung im Rücken verkaufte das Album über 250.000 Exemplare. Doch außerhalb Großbritanniens schaffte das Quartett nie den endgültigen Durchbruch. Während Kollegen wie Snow Patrol oder Travis erfolgsmäßig vorbeizogen und gelungene Auswärtsspiele in ganz Europa gaben, blieben Athlete "local player".
"Black Swan" könnte diesen Zustand nun ändern. Die Band um Frontmann Joel Pott zeigt ein reflektiertes, schlüssiges und reifes Songwriting wie bisher vielleicht noch nie. Die elektronischen Spielereien des Vorgängers "Beyond The Neighbourhood" sind fast vollständig verschwunden, Athlete konzentrieren sich auf die klassische Bandinstrumentierung Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier – plus ein paar Streicher hie und da.
Nur im Opener "Superhuman Touch" finden sich noch ein paar Keyboard-Effekte, die sich aber organisch einfügen. Die Textzeile "I'm on fire and nothing's gonna hold me back" weist für den Rest des Albums in die richtige Richtung. So viel Leidenschaft, so viel Wissen um die Güte der eigenen Songs fühlte man bei Athlete seit dem Debüt nicht mehr. Potts' Stimme zeigt nun eine angenehme Tiefe und Rauheit, ohne etwas von ihrer einschmeichelnden Wirkung zu verlieren. Gleichzeitig finden die Londoner auch musikalisch meist die richtige Balance. "The Getaway" wechselt geschickt zwischen Reduktion und Opulenz, "Don't Hold Your Breath" weiß die richtigen Pausen zu setzen. "Love Come Rescue" zieht seine Schönheit vor allem aus dem Verzicht auf weitere Instrumente und dem alleinigen Zusammenspiel von Stimme und Akustikgitarre. Und mit "The Unknown" hat die Band sogar eine veritable Stadionhymne am Start.
Mit dem immerhin schon vierten Album bietet sich für Athlete wahrscheinlich die letzte Möglichkeit auf einen Platz im europäischen Wettbewerb. Und falls es mit "Black Swan" wider Erwarten doch nicht zum internationalen Durchbruch reicht, kann sich das Quartett auf das holländische Fußball-Credo berufen: Zwar nichts gewonnen, aber wenigstens in Schönheit gestorben.